Das Renten-Ringen der Regierungskoalition aus CDU und SPD spitzt sich weiter zu. Nach dem Deutschlandtag der Jungen Union und der Absage 18 junger CDU-Abgeordneter an die Rentenplรคne von Schwarz-Rot kommt Bundeskanzler Merz (CDU) in Not. Wรคhrend der Bundesregierung durch diese Blockade die notwendige Mehrheit fehlt, besteht Vizekanzler Klingbeil (SPD) darauf, dass der Entwurf nicht mehr geรคndert wird. Greift die ehemalige SED dem Kanzler nun erneut unter die Arme und verhindert so einen mรถglichen Regierungsbruch?
In dem Streit um das Rentenpaket wird von allen Seiten von โGenerationengerechtigkeitโ gesprochen. Die einen mahnen, dass ein Festschreiben des Rentenniveaus bei 48 Prozent des Durchschnittslohns bis 2031 eine finanzielle Mehrbelastung von รผber 120 Milliarden Euro bedeute und damit der jungen Generation nicht gerecht werde. Dem wird entgegengehalten, dass ein sinkendes Rentenniveau nicht gerecht fรผr die รคltere Generation sei. Immerhin habe sie ihr Leben lang eingezahlt. Dabei dรผrfte fรผr die Parteien weniger der Gedanke der Generationengerechtigkeit entscheidend sein, sondern ein Punkt, den Friedrich Merz in fast schon verschleierter Offenheit auf dem Deutschlandtag der Jungen Union รคuรerte:
โGlaubt jemand ernsthaft, dass wir einen Unterbietungswettbewerb gewinnen? Wer bietet das niedrigste Rentenniveau?โ
Und genau hier liegt das Problem: 60 Prozent der deutschen Wรคhler sind 50 Jahre oder รคlter und befinden sich damit kurz vor oder schon in der Rente. Die Baby-Boomer-Generation dรผrfte kein Interesse daran haben, sich ihre โhart erarbeiteteโ Rente wegnehmen zu lassen, und das scheint auch Merz bewusst zu sein, der bessere Zustimmungswerte allemal nรถtig hat. Doch in der Vorstellung einer โverdientenโ Rente liegt der zentrale Denkfehler.
Bei den nun diskutierten Rentenzahlungen handelt es sich nicht um jahrelang angespartes Geld der geburtenreichen Jahrgรคnge. Die gesetzliche Rente basiert auf einem Umlagesystem. Die Beitragszahlungen werden nicht angespart und ab Renteneintritt ausgezahlt, sondern direkt fรผr die laufenden Rentenauszahlungen umgelegt. Kurz: Mit den Rentenbeitrรคgen von heute werden die Renten von heute ausgezahlt.
Doch das Umlagesystem hรคngt schief. Die eingezahlten Gelder der arbeitenden Beitragszahler reichen nicht, um den Rentenbedarf der Rentner zu decken. Das ist zwar keine Entwicklung der letzten Jahre, doch sind die Kosten hierfรผr immer weiter angestiegen. Im geplanten Bundeshaushalt 2026 soll jeder dritte Euro an die Rentenversicherung gehen โ zusรคtzlich zum von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragenen Rentenbeitrag.
Eine Entwicklung, die sich in den kommenden Jahrzehnten nur weiter zuspitzen wird, denn immer weniger Beitragszahlern werden immer mehr Rentner gegenรผberstehen. 1971 war das letzte Jahr, in dem in Deutschland mehr Menschen geboren wurden als gestorben sind. Also auch das letzte Jahr, in dem die Voraussetzungen fรผr ein umlagefinanziertes Rentensystem vorlagen. Seitdem hatte die Politik 50 Jahre Zeit, um etwas zu รคndern. Stattdessen hat man es nur weiter verschlimmert.
Hinzu kommt eine stark gestiegene Lebenserwartung. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung 1970 noch bei 70 Jahren, ist sie inzwischen auf 81 Jahre angestiegen. Bedeutete das 1970 bei einem Renteneintrittsalter von 63 Jahren also durchschnittlich sieben Jahre Rentenauszahlung, sind es 2025 bei einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren schon 14 Jahre. Bereits zur โgroรenโ Rentenreform des Deutschen Bundestages 1997 war diese Entwicklung mehr als deutlich. Dreist hallen die Worte des CDU-Politikers Norbert Blรผm nach, der damals versicherte:
โDie Rente ist sicher.โ
รbertroffen wurde er im historischen Rรผckblick dabei nur von dem SPD-Abgeordneten Rudolf Dreรler, der sich mit seiner SPD-Fraktion erfolglos gegen die Absenkung des Rentenniveaus von 70 auf 64 Prozent stellte. Wรคre es nach den Sozialdemokraten gegangen, wรคre das Rentenniveau โ und damit auch die Belastung fรผr das arbeitende Volk โ hรถher geblieben. Diese Haltung garnierte er mit der Aussage:
โUnser Widerstand liegt auch im Interesse der jungen Generation.โ
Als Teil dieser jungen Generation kann konstatiert werden: Nein, weder der Widerstand der SPD noch die vermeintliche Reform der CDU waren im Interesse der jungen Generation und sind es auch heute nicht. Die jรผngste Umfrage des Deutschen Instituts fรผr Altersvorsorge konstatierte: รber 80 Prozent aller Befragten im Alter zwischen 18 und 29 Jahren โglauben nicht, dass sie im Alter auf die Rente bauen kรถnnenโ. Dass dies keine irrationale Angst ist, zeigt die aktuelle Haushaltskrise:
Obwohl die รผber 40 verschiedenen Steuern dem deutschen Staat im Jahr 2024 Rekordsteuereinnahmen von รผber zwei Billionen Euro beschert haben, wuchs das Staatsdefizit erstmals seit 15 Jahren wieder in allen vier Teilsektoren: Bund, Lรคnder, Gemeinden und Sozialversicherung. Die Folge: Mehr Schulden und damit noch weniger finanzieller Spielraum fรผr die Zukunft.
Der falsche Weg wurde bereits vor 50 Jahren von schwarz-roten Politikern beschritten, die die negativen Folgen ihrer Politik nicht mehr erleben. Ihre politischen Nachfolger beweisen nun ein halbes Jahrhundert spรคter, dass sie weder gewillt noch in der Lage scheinen, von diesem Pfad abzuweichen. Dabei haben Fachkrรคftemangel, steigende Sozialabgaben und die Debatte รผber das Rentenniveau einen gemeinsamen Ursprung: ein demografisch schrumpfendes und รผberalterndes Volk.
Hier ist es an der jungen Generation, diesen Trend allen Widrigkeiten zum Trotz durch kinderreiche Familien aufzuhalten. Gelingt das nicht, wird eine fehlende Rente noch das kleinste Problem sein.


Grundsรคtzlich richtig. Hier besteht ein Problem und eine Rรผckkehr zu frรผheren Werten und kinderreichen Familien ist wรผnschenswert. Allerdings ist hier an einer Stelle etwas zu ergรคnzen: Die Rente haben sich die sogenannten und vielgescholtenen „Boomer“ und auch Gen X (letztere dรผrften hรคufig die Eltern derer sein, die hier schreiben und lesen) sehr wohl „hart erarbeitet“. Korrekt: Das Umlagesystem bedeutet, dass man nicht einzahlt und mit Rendite das Angesparte am Ende wieder ausgezahlt bekommt, sondern man, wie beschrieben immer die Renten der Eltern und Groรeltern finanziert. Aber es entsteht dadurch eben doch eine Anwartschaft auf seinerseits zu erhaltende Renten in der Zukunft. Die Generationen vorher haben ja nicht nur die Renten gezahlt, sondern auch insgesamt den Laden am Laufen gehalten und den heutigen Rentenzahlern ihre Erwerbstรคtigkeit ermรถglicht oder erhalten.
Die Vernichtung von Erwerbsmรถglichkeiten und Wohlstand ist einer verfehlten Politik der letzten Jahrzehnte und einem ungesunden Zeitgeist, der viele Ursachen hat, geschuldet. Einer ganzen Generation das anzulasten wรคre kurzsichtig und schlicht ungerecht. Schon der Gen X war klar, dass sie nicht mehr mit einer Rente wie ihre Groรeltern rechnen konnten. Allerdings ist die, schon in den 80ern erfolgte Aufforderung zur privaten Vorsorge, fรผr die meisten Menschen ein zynischer Witz. Das kann man sich mal realistisch durchrechnen.
Natรผrlich ist die Rentenkasse der grรถรte Brocken im Staat und durch ein paar Einsparungen hier und da nicht so ohne Weiteres zu decken. Dennoch wird viel Geld verschwendet und die Rentenkasse wurde z.B. zur Finanzierung der deutschen Einheit angezapft.
Die manchmal leider zu beobachtende Tendenz, den รคlteren Generationen pauschal die Schuld fรผr gegenwรคrtige Krisen zuzuschreiben und sie abstrafen zu wollen, halte ich fรผr falsch. Durch eine Rรผckkehr zu einer vernรผnftigen Finanz-, Migrations-, Familien- und Energiepolitik sind wir auch in der Lage das Rentenproblem zu lรถsen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, trotz Geburtenrรผckgang.