Bereits vor einer Woche strahlte die ARD mit der damals neuesten Ausgabe ihrer Debatten-Show „Die 100“ ein einziges Cringe-Fest aus. Das Prinzip der Sendung ist schnell erklärt: Es können sich 100 Teilnehmer bei einer Fragestellung für eine Pro- oder Kontra-Antwort entscheiden und anschließend offen über ihre Position diskutieren; dabei hat jede Episode ein übergreifendes Thema. Basierend auf diesem Thema repräsentieren zwei Moderatoren die jeweiligen Positionen und untermauern sie mit Argumenten.
In der Folge vom 8. Dezember stellte sich etwa die Frage, ob Deutschland vom Kabinett Merz gut regiert werde. Die Pro-Seite argumentierte etwa mit dem Rückgang der Asylbewerberzahlen (der nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist) oder dem 500-Milliarden-Paket, mit dem die deutsche Wirtschaft gerettet werden soll und das den Staatshaushalt ruinieren wird.
Die Kontra-Seite war hier (bewusst) ehrlicher gehalten, etwa als die voraussichtliche Wirkungslosigkeit des Milliarden-Pakets aufgezeigt wurde – aber natürlich beschränkte sich die Kritik an Merz auf die linke Perspektive. Generell: Die Gäste der Serie tendieren nach links. Klar gibt es ab und zu konservative Ausreißer, aber die bleiben die Ausnahme und überschreiten beim besten Willen nicht die CDU-Linie.
Und dann ist da noch die Aufmachung der Serie: Das Ganze wirkt wie von grünen Sekundarstufe-I-Lehrern entworfen; alles hat einen zwanghaft auf lustig oder „cool“ gemachten Belehrungston, wie wir ihn von Sozialpädagoginnen mit runder Brille und grauer Kurzhaarfrisur kennen und hassen. Und dann kommt die komplette Infantilisierung der Staatssymbolik mit dem Maskottchen „Schlandi“ – da hat man einfach eine arme Sau in ein dummes Adlerkostüm gesteckt – und der ständigen Anlehnung an den flachen Fußballpatriotismus: Da grölt man Fußballlieder, zieht sich diese schrecklichen schwarz-rot-goldenen Perücken an, drückt den Zuschauern billige Plaste-Fahnen in die Hand.
Der Fußballpatriotismus ist ohnehin die einzige Form des Nationalstolzes, die noch einigermaßen geduldet ist – eben wegen der sinnentleerten, oberflächlichen Form. Eine ernsthafte, weihevolle Auseinandersetzung mit Nation und Vaterland darf und kann sich die BRD nicht erlauben. Und dann steckt man auch noch eine Pappfigur des Bundeskanzlers in dieses Outfit – wohlgemerkt von der Pro-Seite – und macht ihn damit bewusst lächerlich (wenn auch dummerweise von links).
In der neuen Sendung vom 15. Dezember stellte sich die Redaktion die Frage: „Ist Deutschland zu woke?“ Und auch hier ließen sich die Cringe-Produzenten der Öffentlich-Rechtlichen nicht lumpen: Von den schwachen Argumenten der „Ja, Deutschland ist zu woke“-Seite bis hin zu Belehrungssprechchören mit Ralph von „Wissen macht Ah!“ ist mal wieder einiges an Peinlichkeiten produziert worden. So verteilte die Pro-Moderatorin Linda Zervakis 100 Sombreros an die Gäste, um sie dann in die Falle laufen zu lassen: Denn das Aufsetzen wäre ja „kulturelle Aneignung“.
Ralph Caspers hingegen ließ als Pseudorebellion die Regenbogenfahne hissen, weil die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner von der CDU dies diesen Sommer untersagt hatte, dann wurden Gendersternchen als Weihnachtsbaumschmuck verteilt (natürlich mit einem gewissen Unterton, der den Ernst der Sache nehmen soll, aber am Ende geht es um die Verlächerlichung deutscher Weihnachtstraditionen), und schließlich gab es die Belehrung über den richtigen Namen gewisser Speisen: „Scho-ko-kuss“ und „Pa-pri-ka-schnit-zel“.
Immerhin lieferte die Show zwei einigermaßen amüsante Momente: Etwa, als jemand erklärte, dass er seinen heimischen „Dönerfritzen“ immer „Kanake“ nennen darf, woraufhin ein Geraune durch die Teilnehmer fährt, und eine linke Lehrerin hält eine Rede über sensible und antirassistische Sprache, der aber dann ein Schwarzer unter den Teilnehmern widerspricht, woraufhin die Lehrerin sich angewidert abwendet.
„Die 100“ ist damit einmal mehr der Beweis dafür, in welch einem Fiebertraum die Journos und Redakteure im ÖRR leben. Vollkommen ab der Realität, produzieren sie enthemmte und realitätsferne Propaganda für Menschen, die mehr und mehr sowieso nichts mehr ernst nehmen wollen und können. Dass dann auch noch mehr als nur ein paar Teilnehmer so ausgewählt werden, dass sie bestimmte Meinungen vertreten oder gar ein dem linken Spektrum zuzuordnendes Parteibuch besitzen, ist dann noch das Sahnehäubchen und ist auch schon seit Längerem bekannt.
Aber gut, „let them cook“, lasst sie mal kochen – also machen, so sagt man in der Jugendsprache der Gen Z –, uns kann es nur recht sein.

Vielen Dank für die gute Zusammenfassung dieser unsäglichen Inszenierung.
Ideale Steilvorlage für den nächsten Schundfunkschutzgeldwiderspruch, da kann man das den Mitverantwortlichen schön servieren (Anleitung: http://www.rundfunk-frei.de/rundfunk-frei_zahlungsstopp.html )