Jenseits der Nordsee scheint sich ein politisches Erdbeben zu vollziehen: Am vergangenen Freitag, dem 13. Februar 2026, gründete sich im Vereinigten Königreich eine neue politische Partei mit dem Namen „Restore Britain“ – „Großbritannien restaurieren/wiederherstellen“. Eine neue rechte Kraft unter dem Politiker Rupert Lowe hat sich damit formiert, als Abspaltung von der Partei von Nigel Farage, Reform UK.
Wie die „Bild“-Zeitung am Montag berichtete, könnte sich die neue Lowe-Partei in der britischen Politlandschaft etablieren:
„Eine erste Blitz-Umfrage von ‚Find out now‘, die sich als ‚Großbritanniens schnellsten Umfrage-Dienstleister‘ bewirbt, zeigte aus dem Stand 10 Prozent Zustimmung bei 1000 Teilnehmern – auch, wenn das Umfrage-Institut darauf hinwies, dass es eine andere Methodologie wählte als sonst, was die Repräsentativität der Umfrage infrage stellt.“
Zehn Prozent aus dem Stand, das kann nicht jeder von sich behaupten, das ist schon ein Start, wie sich ihn kaum eine andere Partei vorstellen kann. Aber wie ist es überhaupt so weit gekommen, dass sich eine zweite, neue Partei im rechten Lager bilden konnte/musste? Wer ist überhaupt Rupert Lowe? Und was bedeutet diese Entwicklung für die AfD in Deutschland?
Rupert Lowe dürfte im deutschsprachigen Raum weitestgehend unbekannt sein. Ich kannte ihn nicht, in der deutschen Wikipedia gibt es keinen Artikel über ihn, und auch die deutsche Medienlandschaft hatte ihn kaum auf dem Schirm. Bevor er in die Politik ging, war Lowe Geschäftsmann und lange Zeit Vorsitzender des Southampton Football Club.
2019 trat er der damaligen Brexit-Partei von Nigel Farage bei, aus der sich später Reform UK entwickelte. Er zog in das Parlament der Europäischen Union ein, ehe sich Großbritannien im Jahre 2020 aus der EU verabschiedete und sein Mandat hinfällig wurde. Nach einer kurzen Unterbrechung als Parteiloser trat er 2023 erneut der Farage-Partei bei und zog infolge der britischen Unterhauswahlen von 2024 in das House of Commons ein. Zwar wählten hier etwa 15 Prozent der Wähler Reform UK, aufgrund des britischen Mehrheitswahlrechts, bei welchem immer nur ein Kandidat pro Wahlkreis gewinnt, zog die Partei allerdings nur mit fünf Leuten in das Parlament ein.
Bereits kurze Zeit später kam es zu Spannungen zwischen Farage und Lowe: Einerseits wurde Farages Führungsstil von Lowe zunehmend als „messianisch“ kritisiert, andererseits hält Lowe seinen ehemaligen Parteiführer insbesondere in Einwanderungsfragen für zu weich. Der endgültige Bruch kam infolge einer Anschuldigung: Er wurde im März 2025 von seiner eigenen Partei der Polizei gemeldet, da er den damaligen Vorsitzenden von Reform UK, Zia Yusuf (ja, richtig gelesen, ein Muslim, dessen Eltern aus Sri Lanka einwanderten), bedroht haben soll. Daraufhin bekam der Beschuldigte Besuch von der Polizei und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Seitdem arbeitete er am Aufbau einer neuen politischen Kraft, und das Ergebnis hat er uns letzten Freitag vorgestellt.
Lowe wirft seinem ehemaligen Parteikollegen immer wieder vor, dass die angeblichen Drohungen gegen Zia Yusuf ein vorgeschobener Grund waren, um ihn loszuwerden. Warum? Weil Lowe für Massenabschiebungen von Einwanderern ist, auch wenn sie auf Albion geboren wurden, insbesondere im Zusammenhang mit den pakistanischen Grooming-Gangs, die für die Vergewaltigung Tausender britischer Mädchen verantwortlich sind.
Und Farage gibt es offen zu: Er ist gegen Massenabschiebungen, da diese jeden „Punkt der Angemessenheit, Anständigkeit und Moral überschreiten“, und er gibt offen zu, Lowe schlimmer behandelt zu haben als manche seiner politischen Gegner.
Und genau das ist sein Problem: Diese Weichgespültheit, dieses Kuschen vor der angeblichen „Angemessenheit“ – wen kümmert das, wenn die eigenen Kinder von Grooming-Gangs verschleppt werden? Viele von Farages Wählerschaft dürften das mittlerweile ebenfalls begriffen haben – und schenken infolgedessen Lowe ihr Vertrauen. Der wiederum macht keinen Hehl, keinen vernebelnden Politikersprech mehr um seine Vorhaben: Er redet ganz offen von „mass deportations“ und bedient sich dabei der Sprache der „jungen Leute“: der Memes. Der offizielle Twitter-Account von Restore Britain geht durch die Decke:
Auch das originale, siebenminütige Video, in dem Lowe seine neue Partei vorstellt, ist viral gegangen und hat mittlerweile 39,2 Millionen Aufrufe (Stand: 17.02.2026, 18:09 Uhr). Die wichtigste Sorge ist, dass Lowe nicht in der Lage sein könnte, die bisherige Wählerschaft von Reform UK komplett abzuwerben – was dazu führen kann, dass aufgrund des Mehrheitswahlrechts in Großbritannien keine der beiden rechten Parteien Sitze gewinnt – und das wäre eine Katastrophe.
Die AfD kann daraus lernen: Erstens, dass klare Sprache sehr wohl erfolgsversprechend ist und die Bedürfnisse vieler Menschen anspricht – man darf nicht vergessen, dass viele Städte Großbritanniens hinsichtlich des Bevölkerungsaustausches ähnlich oder weiter fortgeschritten sind als deutsche Städte. Zweitens, dass eine zu weiche Sprache, zu viele Kompromisse, zu viel Boomer-Gehabe die eigenen Wähler abschrecken und den Frust so lange weiter anwachsen lassen können, bis sich eine neue, radikalere Partei abspaltet – genau wie es nun mit Restore Britain geschehen ist. Das will ich der AfD sicher nicht wünschen. Und drittens und letztens: Remigration und Abschiebungen lassen sich sehr wohl gut verkaufen. Man muss eben nur wissen, wie.

Hoffentlich zerfleicht sich „die Rechte“.
Im Grunde ist dies zu begrüßen. Restore Britain kann die Faragepartei ablösen oder zur Korrektur zwingen.
Da die Hauptstrompartein in UK mittlerweile so unbeliebt sind (beide unter 20%), ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Torries oder Labour davon profitieren. Der mickrigen Teil der Wähler der Mitte teilen sich nämlich genauso wie die Wähler der Rechten. Und wenn Farage und Lowe mehr Öffentlichkeit durch ihre Positionen bekommen, schwindet die Aufmerksamkeit der anderen und es wanders Wähler von der Mitte nach rechts.
Das gefährlichste wäre dann eher, dass die Torries erfolgreich und überzeugend die Konzepte kopieren. Anderenfalls sieht es nach einem Erdrutschsieg von rechts aus.
Ich drücke Restore die Daumen.
Farage, mit seinem berüchtigten Exit nach dem Brexit, halte ich für Rückgrat los.
Reform vs Restore ist im simplen Vergleich das als wenn Lucke oder Meuthen den Machtkampf in der AfD gewonnen hätten und zu einer WU gemacht hätten.