Und damit ist der zweite Wahlsonntag des Superwahljahres 2026 gelaufen: Am Sonntagabend konnten die Bรผrger in Rheinland-Pfalz ihre Stimme an der Wahlurne abgeben. Wie schon bei den Wahlen im benachbarten Baden-Wรผrttemberg vor zwei Wochen zeigt sich auch hier ein Trend, der in Westdeutschland so weitergehen dรผrfte: Die CDU stagniert oder gewinnt hรถchstens leicht dazu, die SPD ist der grรถรte Wahlverlierer, und die AfD kann sich wieder mit hohen Gewinnen brรผsten โ im Falle dieser Wahl knackt sie den Rekord des hรถchsten Wahlergebnisses in der alten Bundesrepublik, der vor zwei Wochen in Baden-Wรผrttemberg erreicht wurde.
Mit 19,5 Prozent kratzt die AfD an der 20-Prozent-Marke, konnte ihr Wahlergebnis im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl im Jahre 2021 mehr als verdoppeln. Die SPD, die die Regierung des Landes seit den 1990er-Jahren fรผhrt(e), verlor knapp zehn Prozentpunkte an ihre Konkurrenten, womit sie mit 25,9 Prozent nicht mehr die stรคrkste politische Kraft im Land ist. Dieser Titel geht an die CDU, die zwar gerade mal drei Prozentpunkte dazugewann, aber trotzdem noch 31 Prozent der Wรคhlerstimmen auf sich vereinen konnte.
Als vierte Partei ziehen noch die Grรผnen in das Landesparlament ein, 7,9 Prozent der Wรคhler entschieden sich fรผr sie, wรคhrend die Freien Wรคhler, die Linke und die FDP allesamt unter der Fรผnf-Prozent-Hรผrde blieben und damit den Einzug nicht schafften.
Die CDU fรผhlt sich in der Heimat Helmut Kohls, die sie bis 1991 seit der Grรผndung der Bundesrepublik ununterbrochen regiert hat, als unangefochtener Wahlsieger. โDie CDU Rheinland-Pfalz ist wieder da!โ โ mit diesen Worten feiert der Spitzenkandidat, Gordon Schnieder, das โWe are so back!โ-Gefรผhl seiner Partei. Und natรผrlich ist die CDU die stรคrkste Partei im Land, aber dass das aus eigener Kraft erreicht wurde, kann bezweifelt werden.
Die Christdemokraten profitieren vom Restvertrauen ihrer Stammwรคhler in Rheinland-Pfalz: Rentner, Selbststรคndige und Katholiken. Die CDU konnte unter den Wรคhlern mit einem Alter von รผber 70 Jahren ganze 45 (!) Prozent abrรคumen, wรคhrend viele Selbststรคndige laut ARD den Christdemokraten ebenfalls ihr Vertrauen gaben. Und ein Blick auf die Karte zeigt: CDU-Hochburgen finden sich insbesondere im Norden, in der lรคndlich und katholisch geprรคgten Eifel, wรคhrend der Sรผden, die eher protestantische Pfalz, mehr AfD oder โ je nachdem, ob Stadt oder Land โ SPD gewรคhlt hat.
Sowohl bei den katholischen als auch bei den รคlteren Wรคhlern der CDU dรผrfte die Erklรคrung fรผr ihre Wahlentscheidung bei der traditionellen Wรคhlerbindung liegen โ eine Ausnahme dรผrfte nur der katholische Westerwald im Nordosten des Landes bilden, der sich zu einer AfD-Hochburg mausert. Die Selbststรคndigen hingegen dรผrften (zu Unrecht) auf die fiskalpolitische Kompetenz der Union vertrauen und gleichzeitig ein Bekenntnis zur AfD โ auch wenn es nur geheim auf dem Wahlzettel ist โ als zu risikoreich und radikal empfinden. Aber vor allem profitiert die CDU vom nicht ganz so schnellen Zerfall ihrer Wรคhlerklientel: Ihr Mandat beruht auf alten Menschen, die ja nun mal die zahlenmรครig stรคrkste demografische Schicht in allen deutschen Lรคndern ausmachen, und konfessionsgebundenen Wรคhlern. Beide Teile der Wรคhlerschaft werden im Laufe der nรคchsten Jahre und Jahrzehnte weniger werden und der CDU ihr tรถnernes Standbein wegreiรen.
Die Verluste bei der SPD lassen sich leicht durch den schnellen Zerfall ihrer Wรคhlerschaft erklรคren. Der klassische Arbeiter, dessen Stimme die Sozialdemokratie jahrzehntelang vorgab zu sein, existiert entweder nicht mehr oder ist zur neuen โVolksparteiโ gewechselt: 39 Prozent der Arbeiter wรคhlten die AfD. Fรผr das Selbstbewusstsein der โalten Tante SPDโ ist das mal wieder ein vernichtendes Ergebnis.
Apropos โalte Tanteโ: Es war hauptsรคchlich die Alterskohorte 60 plus, die der SPD รผberdurchschnittlich ihre Stimme gab; die โOmas gegen rechtsโ eben, die wohl seit รผber 50 Jahren nostalgisch an die Kanzlerschaft Herbert Frahms zurรผckdenken. Aber genug von den alten Leuten: Wie wรคhlte denn die Jugend in Rheinland-Pfalz? Auf Twitter konnte man ja einige Siegesmeldungen ร la: โDie Jugend wรคhlt rechtsโ vernehmen.
Mit 21 Prozent ist die AfD unter den 18- bis 24-Jรคhrigen immerhin die stรคrkste Kraft, noch vor SPD (19 Prozent) und Linke (laut ARD 16 Prozent). Aber rechts ist die Jugend damit leider noch nicht: Gerade mal ein Fรผnftel der jungen Leute wรคhlt rechts, fast die Hรคlfte gab aber Rot-Rot-Grรผn ihre Stimme โ also, das ist noch kein Grund zum Feiern.
Weitaus mehr erreichte die AfD bei der geldverdienenden Bevรถlkerung zwischen 25 und 60 Jahren, bei den รคlteren Millennials (35 bis 44 Jahre alt) war es sogar ein Viertel der Wรคhler. Deutlich zeigt sich hier das Ungleichgewicht der Altersklassen: Obwohl รผber 16 Prozent der Jugend die Partei Die Linke wรคhlten, schaffte sie den Einzug ins Landesparlament nicht, und die circa 25 Prozent bei der AfD unter den Millennials heben das landesweite AfD-Ergebnis kaum an. Die Wahlen zeigen einmal mehr: Die SPD wankt, die CDU wird es ihr etwas spรคter gleichtun, die arbeitende Bevรถlkerung wรคhlt zwar mehr AfD, kann sich aber gegen die Alten zahlenmรครig nicht durchsetzen, und die Jugend ist zersplittert โ bietet der AfD aber auch mehr als genug Potenzial.

Die โAltenโ haben Deutschland mit enormen Fleiร aufgebaut, jetzt zerstรถren sie das Land durch ihr Wahlverhalten, absolut Irre
„die circa 25 Prozent bei der AfD unter den Millennials heben das landesweite AfD-Ergebnis kaum an“ – wie denn auch, denn selbst bei altersmรครiger Gleichverteilung wรคre das mit 1/6 der Wรคhlerschaft ein nur unwesentlich merkbarer Unterschied von 1-2% geblieben.
Der Groรteil der Bevรถlkerung wรคhlt nun mal, weitgehend generationenรผbergreifend, dieselben Gruppen, da wirkt sich das soziale Umfeld und Herkunft mehr aus als alles andere, und die bleibt nun mal รผber Jahrzehnte erhalten.
Es ist zwar erkennbar daร jรผngere Wรคhler sich tendentiell stรคrker von den abgewirtschafteten ehemaligen Volksparteien abwenden und aufkommenden Krรคften zuwenden, aber wenn das in der Konsequenz vorwiegend darauf hinauslรคuft daร Sozen nun SED und die Konservativen nun blau sind, sich die SPD immer mehr SEDiert und die Alternative zumindest im bevรถlkerungsรผbergewichtigen Westen lรคngst mit Volldampf gen Westbindungs-Transatlantik-Altpartei bewegt und dabei heimatgebundene wie libertรคre Ansprรผche zunehmend รผber Bord wirft รคndert sich letztlich auch nix.
Es bleibt dabei: Kehrtwende wird nicht aus der etablierten Politik zu erwarten sein, auch nicht mit neuen Gesichtern. Sondern die kann einzig und allein von auรen vorangebracht werden, von Vorfeld wie unabhรคngigen und aufrecht gesinnten Krรคften auรerhalb des Bรผrokratorenpolitbetriebs.