Buchkritik: Solare Männlichkeit (Max Reinhardt)

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Libertäres Gedankengut ist eine Herausforderung – nicht nur für Nicht-Libertäre, sondern, und vielleicht sogar besonders für Libertäre selbst. Sie spüren diese Sehnsucht nach Freiheit, Selbstbestimmung und -verantwortung in sich, versuchen, diese Werte zu leben in einer Welt, die ihnen täglich aufs Neue Felsbrocken vor die Füße rollt, die kein normales Individuum alleine zur Seite schieben kann. Viele scheitern, knicken ein, fügen sich. Man macht schließlich einfach irgendwie mit – um des lieben Friedens willen. Das Problem ist jedoch, dass sich die innere Grundhaltung dadurch nicht in Luft auflöst. Sie lodert weiter in den Tiefen der Seele und nagt und nagt und nagt an einem. An all jene richtet sich Max Reinhardts neues Buch „Solare Männlichkeit“.

Der Titel ist etwas irreführend, denn die Inhalte erschöpfen sich nicht in Beschreibungen oder Definitionen zum Thema Männlichkeit, und was es mit dem Adjektiv solar auf sich hat, erfährt man eher beiläufig. Reinhardt holt weit aus, die Sammlung der Aufsätze, aus denen das Buch besteht, umfasst alle Lebensbereiche des Alltags und deren Gängelung durch Obrigkeiten. Dabei geht es durchaus ab und an ins persönliche Leben des Verfassers, den Fokus immer auf die allgemeine Situation des Staates gerichtet. Und darin liegt für mich die eigentliche Stärke der Schriften. Es wird dem Leser leicht gemacht, sich mit dem Autor zu identifizieren, das „Ja, ganz genau, so ergeht es mir auch!“ hat man ständig im Hinterkopf.

Dabei verharrt er nicht im reinen Lamentieren. Ganz im Gegenteil sind diese Schilderungen stets nur der Ausgangspunkt für Anregungen, wie man diese verfahrenen Situationen meistern und sich aus ihnen befreien kann. Manchmal geschieht das eher subtil und erschließt sich erst beim zweiten Lesen. Ein anderes Mal werden direkt praktische Tipps mit auf den Weg gegeben. Immer steht jedoch die Einsicht im Vordergrund, dass man sein Schicksal und das, was man daraus macht, selbst in der Hand hat und durchaus steuern kann, indem man seine Einstellung zum jeweiligen Thema hinterfragt und dann so umgestaltet, dass jedem Tag etwas Positives abgewonnen werden kann.

Alle Artikel sind in sich schlüssig und stringent gegliedert, sodass der kundgetane Unmut den Leser meist dort abholt, wo er sich selbst in einer Sackgasse feststeckend wiederfindet, statt ihn in neue Abgründe zu führen. Dem Autor daher vorzuwerfen, er würde sich einfach nur die eigene Wut vom Leibe schreiben, wäre ungerecht. Vielleicht tut er das zwar, aber immer mit dem Ziel vor Augen, dem Leser klar zu machen, dass Unzufriedenheit alleine keine Lösung ist. Sie kann die Startlinie sein auf einer Tartanbahn Richtung Selbsterkenntnis zu einem besseren und erfüllteren Leben.

Wer Max Reinhardt und seine Schriften kennt, weiß, welches Konzept er dafür anwendet, alle neuen Leser werden es bereits nach wenigen Seiten entdecken: Halte inne, reflektiere, mach dir bewusst, dass deine innere Einstellung dafür verantwortlich ist, ob du ein gelungenes und zufriedenes Leben führst. Oder, mit einem einfachen Kalenderspruch formuliert: Wünsche werden nicht erfüllt auf Erden. Sprich sie und hör dir zu, dann tu.

Beeindruckend ist, das sei noch einmal hervorgehoben, die Bandbreite der Alltagssituationen, in denen dieses Konzept angewandt werden kann. Dass der Verfasser sich dabei einer klaren Sprache bedient, kann nur positiv bewertet werden – akademische Fachsimpelei sucht man in diesem Buch vergeblich. Wozu auch? Ein glücklicheres Leben zu führen, kann verdammt einfach sein. Und die Theorie dahinter ist es ebenso.

Wer also Lust auf aufbauende Hilfestellungen zum glücklicheren Leben hat, sich weder den Arbeitsalltag noch einen gemütlichen Grillabend von linksdrehenden Besserwissern vermiesen lassen will und sich auch gerne mal in einem netten Aphorismus verliert, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt – übrigens unabhängig vom Geschlecht, denn die Ratschläge sind für Männlein und Weiblein gleichermaßen empfehlenswert.

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