Dinner for One in Taipei

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Silvester wird in Taiwan gleich zweimal gefeiert. Am 31. Dezember erstrahlt in der Hauptstadt das Taipei 101, sechs Jahre lang das höchste Gebäude der Welt, in einem kurzen, beindruckenden Feuerwerk. Teile der Innenstadt werden als Fußgängerzonen abgesperrt und vor allem junge Leute bevölkern erst die Restaurants, dann Kneipen und Clubs, deren Zahl in den letzten 20 Jahren dramatisch zugenommen hat.

Zu vermieten

Das zweite Mal richtet sich stets nach dem chinesischen Mondkalender und das jährliche Datum verschiebt sich dementsprechend. Das Jahr des Tigers beginnt am 1. Februar 2022. Seit ich vor knapp vier Jahren dem Alkohol vollständig abgeschworen habe, sind wilde Partys mit den unausweichlichen Besäufnissen zum Glück Geschichte und ich kann mich nun gut mit mir selber beschäftigen.

Deshalb war ich auch nicht traurig, dass sich keine Ausgehmöglichkeit ergeben hatte und die Taiwanesin, die ich seit Weihnachten umwerbe, bereits für ein kleines Damenkränzchen verplant war. Frühmorgens musste ich mir noch schnell Verpackungsmaterial abholen, das ich für eine geplante Internetversteigerung brauche. Dies nutzte ich zu einem Spaziergang durch das morgendliche Taipei.

Da die allermeisten Läden noch geschlossen hatten, fielen mir in einer Gasse mit vielen Bekleidungs- und Schmuckgeschäften die zahlreichen kleinen roten Zettel mit „Zu vermieten“ ganz besonders auf. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern hat Taiwan aufgrund seiner Exportstruktur, hauptsächlich Elektronik und Computer, zwar von dieser schier endlosen Pandemie profitiert.

Doch die fast zweijährige präventive Isolation der Insel hat zahllose kleinere Selbstständige durch den Wegfall vor allem asiatischer Touristen in die Knie gezwungen. Ebenso scheint die Zahl der in den makellos sauberen unterirdischen Tunnels, die z.B. Einkaufszentren mit der U-Bahn verbinden, Zuflucht suchenden Obdachlosen gestiegen zu sein.

Ruhiger Start ins neue Jahr

Auffallend ist dabei der verschwindend geringe Anteil an Suchtkranken und dass man von diesen irgendwie Gestrandeten nicht angebettelt wird. Was für ein Kontrast zu Berlin und Valencia… Mittags wurde ich dann von besagter Dame in ein indisches Restaurant eingeladen, wo das Essen nicht schlecht, aber dafür der Service umso unbeschreiblicher war. Das gesamte dunkelhäutige Personal erschien mir als die personifizierte Inkompetenz.

Sie musste dann weiter zum Skitraining, womit sie ihre ausgefallenen Ausflüge ins winterliche Japan kompensiert, und ich war mit einer guten Freundin aus Mittelamerika zum Stöbern auf dem Flohmarkt verabredet, den eine weltweit operierende buddhistische Stiftung wochentags in einem ihrer Gebäude organisiert. Da dort kurioserweise nichts ausgepreist war, packte ich die Sachen zunächst in einen Korb. An der Kasse schienen zwei ältere, ehrenamtlich tätige Damen in uniformierter, eleganter blauer Kleidung alle Preise im Kopf zu haben.

Einiges war mir dann doch zu teuer, anderes habe ich in meinem stets mitgeführten Rucksack verstaut. Das mathematische Gedächtnis der Chinesen fasziniert mich jedenfalls immer wieder. Nach einem Abstecher in ein überfülltes japanisches Kaufhaus, das direkten Zugang zur Metro bietet, trennten sich gegen 19:00 Uhr unsere Wege.

Zuhause angekommen, fütterte ich zunächst meine Katzen Max und Leni. Dann bereitete ich mir selber ein einfaches, aber schmackhaftes Mahl zu. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, Neujahrsgrüße in alle Welt zu verschicken und war ziemlich genau um Mitternacht recht erschöpft im Bett.

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