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Ein Roboter hat meine Wohnung verwüstet (kein Witz)

27. Juni 2024

Da die nun folgende Haushalts-Ballade gerade einmal mit einem Abstand von einem Monat auf die actionreiche Erzählung meiner Abwehrschlacht gegen die Hornisseninvasion folgt, könnte sich der Eindruck aufdrängen, ich würde diese Einblicke in mein Privatleben ein wenig ausschmücken, um sie lesenswerter zu machen. Ich garantiere Euch aber: Was ich jetzt schildern werde, ist genau so passiert.

Vor gut anderthalb Jahren habe ich mir für fast 300 Euro einen Staubsaugerroboter gekauft. Die Gründe liegen auf der Hand: Arbeitsscheue trifft auf das Schmutzaufkommen einer Hauskatze. Der Erfolg war überschaubar, das Teil ist laut, bleibt überall hängen und reißt alles mit sich, was man in irgendeiner Ecke übersehen hat. Katzenangeln sind der Klassiker, deren Schnüre darf man dann immer in liebevoller Kleinarbeit aus den Rollen und Schäufelchen des elektronischen Helfers entheddern, während man sich denkt: „In derselben Zeit hätte ich auch einfach selber sporadisch saugen können.“ Denn ja, nach einem ausführlichen Zickzacklauf durch die Winkel der Finkelsteinschen Schanze ist sie schon merkbar sauberer, aber eben nur auf einem Niveau, als hätte ein Mensch zwischen Tür und Angel etwas reinegemacht.

Der Apparat schwebte daher in meiner Bewertung immer in dieser Grauzone zwischen Fehlkauf und nützlich, die einem, wenn Besuch ihn schief beäugend „Bringt das was?“ fragt, einen „Joaaah“-Laut entlockt. Wahrscheinlich bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe, sondern eher Ehefrauen aus gut betuchtem Hause, in dem sowieso zweimal die Woche eine menschliche Putzfrau nach dem Rechten sieht. Dann kann man das Ding sicher an den Tagen dazwischen durch die Flure meddeln lassen, so wie man Zahnseide zusätzlich zum Zähneputzen benutzt – das Ding ist einfach nicht dazu da, das Gröbste wegzumachen, sondern das Stäubchen, das übrig bleibt.

Heute ist dann etwas passiert, was diese Kosten-Nutzen-Rechnung aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Zunächst macht der Anlass, zu dem ich den Roboter auf seine Runden schickte, das nun Folgende etwas ironisch: Morgen wird der Vermieter hier reinkommen, weil an ein paar Fensterfugen Schimmel entfernt werden muss und er sich vergewissern will, dass die saftige Rechnung, die ich ihm dafür weitergeleitet habe, auch gerechtfertigt ist. Daher wollte ich die Bude insbesondere auf Vordermann bringen, was ich auch händisch tat, bis ich dann meine Elektro-Polin nochmal sporadisch über alles drübersaugen schickte und mich selbst außer Haus begab.

Als ich die Wohnungstür wieder aufschloss, stieg mir schlagartig ein die Sinne vernebelnder Gestank in die Nase, der sich in der gesamten Wohnung breitgemacht hatte. Der Fußboden war systematisch mit Scheiße gestrichen worden, wobei „Scheiße“ hier nicht für allen möglichen Dreck steht, sondern wörtlich zu verstehen ist. Meine Katze hatte eine gewaltige Ladung Sprühstuhl neben das Katzenklo abgefeuert, die vom Gerät systematisch über den Fußboden sämtlicher Räume verteilt worden war.

Auch scheint durch die sich propellerartig drehenden Zuführschaufeln das absolute Maximum an Duftstoffen in die Luft gewirbelt worden zu sein, wobei eine nur für Katzendurchfall alleine irritierend saure Note meine Atemwege biss. Vermutlich hatte mein Kater andernorts auch noch kotzen müssen, woraus der Roboter dann eine Melange mit beeindruckendem Geruchs-Cuvée gezaubert hat. Unter meinem Bett waren die Malerarbeiten besonders gründlich vonstatten gegangen; die Schlieren reichten bis in den hintersten Winkel. Noch mal: Das Ding überhaupt noch mal anzuschmeißen war eher dem Perfektionismus als einer wirklichen Notwendigkeit geschuldet gewesen; als ich die Bude verließ, befand sie sich in einem durchaus vorzeigbaren Zustand. Nun sah es hier aus, als hätte ich eine Hausparty für die Besetzer der Liebig 34 und Rayk Anders geschmissen.

Die Machtergreifung der Roboter scheint also entweder noch in weiter Ferne zu liegen oder näher als jemals gedacht, je nachdem, wie viel bösen Willen man unseren kleinen Helferchen zutraut. Erfahrungen, die die Deutsche Bahn kürzlich mit einem Roboterhund von Boston Dynamics gesammelt hat, der Graffiti-Sprüher autonom jagen, auf frischer Tat ertappen und die Polizei in Echtzeit auf ihre Fährte schicken sollte. In einem Monat Probepatrouille gelang es ihm nicht, auch nur einen einzigen zu erwischen. Die Bahn führte das ernüchternde Resultat auf die Abschreckungswirkung des Hundes zurück. Ich habe da so meine Zweifel. Sind Graffiti-Enthusiasten, die Bahnstrecken unsicher machen, nicht eher den Nervenkitzel suchende Erlebnisorientierte? Mich persönlich würde der Gedanke, von einem KI-Hund aus Blech gejagt zu werden, an ihrer Stelle sogar besonders reizen, vor allem, da im schlimmsten Fall ein kleines Bußgeld drohen würde.

Im Ukrainekrieg sehen wir ja auch gerade anschaulich, was funktioniert und was nicht. Vierbeinern nachempfundene Bodenroboter waren noch gar nicht zu sehen, stattdessen aber kleine ferngesteuerte Panzerfahrzeuge mit Maschinengewehren drauf. Von ihnen kann man sich ein Video ansehen, auf dem sie mit den üblichen Kamikaze-Flugdrohnen dem Erdboden gleichgemacht werden, nachdem sie bereits durch „Jamming“, also eine Störung des Steuerungssignals der menschlichen Piloten, zum Stillstand gebracht worden waren.

Besagte Flugdrohnen aber, also im Grunde einfach kleine fliegende Bomben, haben sich derart bewährt, dass sie einer neuen Gattung des Panzers zur Geburt verholfen haben: dem Schildkrötenpanzer. Der zeichnet sich durch eine mal spartanischer, mal professioneller um das Fahrzeug herum gebastelte Metallscheune aus, die den Zweck erfüllt, die Drohne zum Explodieren zu zwingen, bevor sie die gepanzerte Hülle erreicht. Wer hätte gedacht, dass die doch recht primitive Idee, Panzerfäuste an Quadcopter zu kleben, der modernen Kriegsführung so eine Mad-Max-Optik verleihen würde? Vielleicht sollte ich die stinkenden Überreste meines elektronischen Gefährten mit einem „Z“ besprühen und auch dort aussetzen – das könnte ein neues Zeitalter der psychologischen Kriegsführung einläuten.

4 Comments

  1. wunderschöner text, wann dürfen wir mit der verleihung des literatur nobelpreises an die krautzone rechnen?

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  3. Okay, Emoticons gehen hier nicht. Tragen wir also „Deutschlandflagge“ nach ¯\_(ツ)_/¯

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Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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