Am 30. September meldete das Bundesstatistikamt: โIm Septemberย 2021ย stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland gegenรผber dem Vorjahresmonat um voraussichtlich 4,1 Prozent.โ Aus diesem Anlass im Folgenden ein paar Gedanken rund um Inflation und sinnvolle Investitionen. Dazu zunรคchst ein kleiner Abschnitt aus meinem ersten Buch Vom Barbar zum Fรผrst:
โDass Geld aus dem Nichts erschaffen wird bringt aber auch mit sich, dass es schnell wieder ins Nichts verschwinden kann. Anders als Vermรถgen in Form von Sachwerten wie Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und Edelmetallen kann Geld relativ schnell entwertet werden. Das passiert schleichend durch Inflation oder relativ abrupt durch Wรคhrungsreformen. Das Wort Reform ist hier ein schรถner Euphemismus fรผr den Tod einer Wรคhrung.
Der Euro ist nicht die letzte deutsche Wรคhrung
Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Ich wohne in einem 4-Familien-Haus aus dem Baujahr 1911. Das Haus wurde also im Deutschen Kaiserreich gebaut und mit der damaligen Wรคhrung namens Mark bezahlt. Diese rรผckwirkend Goldmark genannte Wรคhrung galt von Grรผndung des Kaiserreichs 1871 bis zum Beginn des ersten Weltkrieges 1914. Zur Finanzierung des Krieges wurde dann die Papiermark eingefรผhrt – offiziell hieร sie weiterhin einfach Mark, jedoch wurde der Goldstandard aufgehoben und massig Papiergeld gedruckt, was zur Hyperinflation in der Weimarer Republik fรผhrte.
Von 1924 bis 1948 war die Reichsmark offizielles Zahlungsmittel, die dann in Westdeutschland von der Deutschen Mark abgelรถst wurde. Am 1. Januar 1999 wurde dann der Euro als Buchgeld und am 1. Januar 2002 als Bargeld eingefรผhrt. Als ich meine Wohnung gut 100 Jahre nach Erbauung des Hauses gekauft habe, waren also zwischenzeitlich bereits offiziell 3, faktisch 4 Wรคhrungen beerdigt worden. Und mit ihnen natรผrlich massig Ersparnisse.
Wรคhrungen kommen und gehen. Eben weil sie Konstrukte ihrer jeweiligen Zeit sind. Das ist auch kein deutscher Sonderfall. In Willem Middelkoops Buch Der Groรe Neustart – Kriege um Gold und die Zukunft des globalen Finanzsystems findet man am Ende eine Auflistung von Wรคhrungen, die von 1700 bis 2013 demonetisiert, also vernichtet, wurden. Die Liste ist 25 DinA5 Seiten lang.โ
Und dann geht alles sehr schnell
Zitat Ende. Das Buch kam in 2019 auf den Markt, damals galt die Inflation den System-Sprechern mit meist unter 2 % noch als zu gering. Nun haben wir 4,1 % und das Thema Inflation bekommt zunehmend Beachtung. So auch bei Tichy:
โDie nรคchsten Krisen kommen bestimmt; und es sind zunรคchst keine Finanz- oder Haushaltskrisen; davor bewahrt uns die neue EU-Schutzmacht in Gestalt der Europรคischen Zentralbank. Sie wird alles zu finanzieren bereit sein, was jene wollen, die gewรคhlt wurden. Aber auch der warme und bald heiรe Wind der Inflation treibt keine Windrรคder an. Deutschland lรคuft in die Krise einer Zerstรถrung seiner industriellen Kapazitรคten hinein. Viele Unternehmen wissen das. Kluge haben sich lรคngst Standort in besseren Umwelten gesucht und verlagert, Dumme werden ihr Ende beklagen oder mit staatlichem Geld gepรคppelt wie ein E-Auto. Der Verfall wird nicht sofort sichtbar werden und doch jeden Tag voran schreiten.โ โ Roland Tichy, Newsletter vom 27.09.21
Das wรผrde ich so unterschreiben. Aber was bedeutet die heutige Inflation eigentlich konkret fรผr dein Geld? Bei 4,1 % Inflationsrate werden aus 1.000 โฌ innerhalb von zehn Jahren 669,10 โฌ Kaufkraft. Selbst wenn die Inflation nicht weiter ansteigen wรผrde โ was eine sehr naive Annahme darstellt โ verliert das Geld der Deutschen also bereits jetzt stark an Wert. Bei 8,2 % blieben noch 454,70 โฌ, bei 12,3 % noch 313,47 โฌ, bei 16,4 % noch 219,01 โฌ und bei 20,5 % noch 154,93 โฌ. Bei 41 % blieben noch 32,20 โฌ und bei 50 % pro Jahr blieben 17,34 โฌ.
Von Hyperinflation spricht man ab 50 % Inflation PRO MONAT, in Deutschland zuletzt in der Weimarer Republik in den 1920er Jahren. Massive Verluste erleidet der Sparer also bereits lange bevor man von Hyperinflation spricht. Die derzeitigen 4,1 % Inflation PRO JAHR fรผhren innerhalb von 30 Jahren bereits zu einem Verlust von rund 70 % der Kaufkraft: Aus 10.000 โฌ werden 2.995,56 โฌ.
Wohin mit dem Geld?
Also was tun, wohin mit dem Geld? Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Edelmetalle gelten als klassischer Inflationsschutz: Diese Anlagegรผter behalten ihren Wert selbst im Falle von Hyperinflation und Wรคhrungsreform. Wobei Immobilien und Aktien natรผrlich den Nachteil haben, dass der Staat auf sie zugreifen kann โ was bei physischen Edelmetallen schon deutlich schwerer ist. Derzeit werde Goldkรคufe ab 2.000 โฌ an die Behรถrden gemeldet, auch hier ist der Leviathan also nicht untรคtig.
Aber was, wenn klassische Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Edelmetalle als zu teuer eingeschรคtzt werden oder aus anderen Grรผnden nicht in Frage kommen? Oder spitzer gefragt: Wie kann ich meine Fiat-Krรถten sinnvoll dem System entziehen und mรถglichst stark davon profitieren? Und Gegenfrage: Was hilft dir im Fall von tiefer Wirtschaftskrise mit starker Inflation, Lieferengpรคssen und gestรถrter Grundversorgung mehr, die โgute Anlageโ oder Unabhรคngigkeit vom รถffentlichen Versorgungsnetz?
Ein Gedankenanstoร: Vom Netz unabhรคngige Stromversorgung per Plug & Play Solaranlagen, Powerstation, Stromaggregat usw. erscheint mir insbesondere vor dem Hintergrund immer unsicherer Stromversorgung in Deutschland zunehmend ein gutes Investment zu sein. Dazu eine Kochgelegenheit, die auch ohne Gas aus der Leitung funktioniert, eine Solardusche, Vorrรคte und was man sonst noch so gebrauchen kann, um sich entspannt zurรผckzulehnen und den neosozialistischen Parasiten bei der Zerstรถrung ihres Wirtes zuzugucken.
Der Text erschien zuerst im Sonnenwolf Newsletter. Kostenlose Anmeldung und die letzten Ausgaben: www.dersonnenwolf.de

