bixentro, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Remember_Thatcher!.jpg?uselang=de

Maggie did nothing wrong

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Die Journalisten wollten sie in eine rhetorische Ecke drängen, aber ihre Beute wehrte sich. Denn die Kaufmannstochter aus Grantham hatte nichts zu verschenken. Schon gar nicht die Deutungshoheit über ihre eigene Verhandlungsposition. „We are not asking for a penny piece of community money for Britain”, betonte die Premierministerin auf dem EG-Gipfel 1979. “What we are asking is for a very large amount of our own money back.” (“Wir fordern nicht einen Penny an Gemeinschaftsgeldern für Großbritannien. Wir fordern nur einen sehr hohen Betrag unseres eigenen Geldes zurück.“).

Die Nachwelt sollte diesen feinen Unterschied auf die berühmte Formel „I want my money back!“ („Ich will mein Geld zurück!“) verkürzen. Die Strategie freilich ging auf. Am Ende stand der sog. „Briten-Rabatt“, der den Arbeitern und Unternehmern auf der Insel ersparte, ihre Steuergelder in der massenhaften Mästung französischer Milchkühe zu verplempern. Stattdessen durfte der deutsche Abgabenesel die dadurch herbeigemolkenen Milchseen und Butterberge mit neuen Subventionen wieder aus der Welt quotieren.

Der Staat verprasst das Geld der Bürger. Basta!

Nicht nur in den Verhandlungen über den sog. „Briten-Rabatt“ ließ Margaret Thatcher sich nie auf die Wortwahl ihrer links-eurokratischen Gegner ein. In ihrer höchst erfolgreichen Wiederwahlkampagne 1983 rief die Premierministerin dem Volk folgende Warnung vor den Sozialdemokraten von der Labour Party zu: „Let us never forget this fundamental truth: The state has no source of money other than money people earned themselves. If the state wishes to spend more, he can do so only by borrowing your savings or by taxing you more and it is no good thinking that someone else will pay. That someone else is you.” (“Lasst uns niemals diese grundlegende Wahrheit vergessen: Der Staat hat keine andere Geldquelle als jenes Geld, das seine Bürger sich durch ihre eigene Arbeit selbst verdienen. Wenn der Staat mehr Geld ausgeben möchte, kann er das nur, indem er Ihre Ersparnisse entwertet oder Sie höher besteuert und es ist ein Irrglaube, jemand anderer würde bezahlen. Dieser andere Jemand sind Sie!“).

Und dann ein Gedanke, der im Deutschland irgendwo zwischen Spät-Merkel und Vor-Habeck verloren gegangen sein dürfte: „There ist no such thing as „public money“. There is only tax payer‘s money.“ („So etwas wie „öffentliche Gelder“ gibt es nicht. Es gibt nur das Geld des Steuerzahlers.“).

Im Bewusstsein um die Nicht-Existenz von „öffentlichen Geldern“ leugnete Thatcher sogar den Begriff einer „Gesellschaft“ („There is no such thing as a society.“). Vielleicht ahnte sie voraus, wie sehr dieser Begriff, ergänzt um die pervertierte Vorsilbe „Zivil“ oder das nicht minder entstellte Attribut „bunt“, eines Tages nach Subventionsbetrug und Räterepublik stinken sollte.

Faröer annektiert Helgoland

Zugegeben, manchmal ging selbst Thatcher der Wortschatz aus. Als 1982 die faschistische Junta Argentiniens britischem Hoheitsgebiet besetzte und britische Bürger als Geiseln nahmen erklärte die Eiserne Lady: „Wir öhm äh sehen, dass da, wo äh auf der Landkarte also bisher eben Inseln waren und äh man jetzt sagen kann, dass öhm äh da eben keine mehr öhm sind, weil ähm äh die Inseln eben auch äh auf der Landkarte ähm sind öhm, wo sie vorher nicht äh drin waren. Und deshalb muss jetzt ganz viel Geld gezahlt werden und darum zahlen wir jetzt auch was.“

Ach nein, falsch, Verzeihung! Das ist Angela Merkels selbst geschrieben Regierungserklärung, wenn die Färöer-Inseln im Handstreich Helgoland annektieren. Und Deutschland anschließend zur Übernahme der Invasionskosten auffordern.

Die Frau, die Chemie in Oxford studierte, mit der Entwicklung des Softeises sogar innovativ an der Wertschöpfungskette teilgenommen und anschließend noch ein Jura-Studium oben drauf gesattelt hatte, war viel zu intelligent, um sich der Wortwahl der Linken zu bedienen. Der sozialistischen Deutungshoheit setzte Thatcher stets die eigene Wortwahl entgegen und gestand ihren Gegnern keinen Millimeter Definitionsraum über das ein, worin Menschen denken: Die Sprache.

SEDler bestimmen heute, wie über die Einheit gedacht wird

Die westdeutsche CDU entschied sich für den entgegengesetzten Weg. Anfangs achtete Helmut Kohl in Übereinstimmung mit der Springer-Presse noch darauf, die sog. „DDR“ immer schön in Anführungszeichen zu setzten. Schließlich sei sie weder deutsch noch demokratisch, sondern ein sowjetischer Satellit und demensprechend gestrickt. Selbst nachdem er Erich Honecker mit allen protokollarischen Ehren empfangen hatte, achtete Helmut Kohl immerhin noch darauf, von „zwei Staaten auf deutschem Boden“ anstatt von „zwei deutschen Staaten“ zu sprechen. Eine sprachliche Feinheit, die im Nachhinein das Denkvermögen für die entscheidenden Stunden 1989/90 schulte.

Da es den Grünen und SPD-Linken nicht gelungen war, die Deutsche Einheit zu verhindern, unternahmen sie schon am 3. Oktober 1990 seit 5 Uhr 45 alles, um die Deutsche Einheit schlecht zu reden und herunterzuschreiben. Die Architekten der Einheit aus CDU/CSU und FDP gingen ihnen prompt auf den Leim.

Parteiübergreifend ist seit 1990 die Friedliche Revolution eine „Wende“, also ein Wortgeschöpf des SED-Appartschiks Egon Krenz, mit deren Hilfe dieser verhinderte Langzeit-Diktator seinen maroden Termiten-Staat auf den letzten Metern retten wollte.

Da der Staat damals auf seine Schulden, sprich die Schulden des Steuerzahlers der nächsten Generation, noch horrende Zinsen zahlen musste, redeten selbst Helmut Kohl und sein zottliger Finanzminister sich gern mit dem Verweis auf die sog. „Kosten der Einheit“ heraus. Und verschleierten damit schon begrifflich ihren eigenen Verhandlungserfolg.

Hört endlich auf über “die Kosten der Einheit“ zu heulen!

In Wahrheit war die Deutsche Einheit von 1990 ein sehr kostengünstiges, um nicht zu sagen spottbilliges Geschäft. Ganze sechs oder sieben Milliarden D-Mark, vielleicht auch acht oder neun, zahlten Helmut Kohl und sein zottliger Finanzminister an die wirtschaftlich absaufende Sowjetunion, damit diese ihre Zustimmung zur Deutschen Einheit gab.

Selten zuvor hatte eine Regierung eine so weitreichende Weichenstellung der Weltpolitik so günstig erkauft. Vor 1990 hatte die russische Außenpolitik nicht die Angewohnheit entwickelt, hunderttausende Soldaten aus besetzten Gebieten einfach kampflos abzuziehen. Es hatte schon seinen Grund, weshalb im August 1990 unter den Deutschland-Experten des Moskauer Parteiapparats der Begriff vom „Sommerschlussverkauf“ die Runde machte.

Nein, was wirklich tief, tief in die Taschen des deutschen Steuerzahler östlich wie westlich der Elbe griff, waren nicht die „Kosten der Einheit“, sondern die Kosten der Teilung, genauer gesagt, die Kosten von über vierzig Jahren sozialistischer Plan-und Misswirtschaft, eines heillos aufgeblähten Beamtenapparates samt dessen erdrückender Pensionslast.

Siedler von Catan statt Volk der Deutschen

Anstatt die SED mit ihrem über vierzigjährigen Totalversagen rhetorisch zu brandmarken, überließ schon die Kohl-CDU die Begriffe und damit die Deutungshoheit den Gregor Gysis dieser Republik. Und anstatt die SED weiterhin als das zu bezeichnen, was sie nach wie vor ist, nämlich die SED, machten Union und FDP jede plumpe Umbenennung dieser kriminellen Vereinigung mit und titulierten sie, wie von „SZ“-Leitartiklern und „Zeit“-Redakteuren gefordert, als „Partei des demokratischen Sozialismus“ oder „Linkspartei“. Irgendwo muss die Zusammenarbeit auch auf Bundesebene ja beginnen.

Auf Trauerfeier
n anlässlich der Jahrestage der Deutschen Einheit erinnert Genosse Steinmeier im parteiübergreifenden Jargon an die „Fehler der Einheit“ und sämtliche öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sowie Zeitungen aus dem Dunstkreis der „Deutschen Druck-und Verlagsgesellschaft mbH“ und des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ greifen den Begriff von den „Fehlern der Einheit“ begierig auf.

Auch auf anderen Feldern sind CDU/CSU und FDP eifrig bemüht, die Begriffe aus dem rot-rot-grünen Lager zu übernehmen. Anstatt vom „Volk“ sprechen sie lieber von der „Bevölkerung“, also einem dahergelaufenen Haufen aus den „Siedlern von Catan.“ Anstatt von Zuwanderern Assimilation einzufordern, verwenden auch sie den Begriff der „Integration“. „Integration“ zunächst im Sinne eines gewaltfreien Nebeneinanders, dann im Sinne täglichen Neuverhandelns à la Özoguz und am Ende im Sinne einer Renate Künast, die in ihrer gewohnt liebenswürdigen Art meint, Integration fange dort an, wo Deutsche in Deutschland Türkisch lernten.

Die bedingungslose Kapitulation im Kampf um die Deutungshoheit unterschreibt, wer auf sich selbst den von Czem Özdemir erfundenen Begriff des „Bio-Deutschen“ anwendet. Wer sich selbst als „Bio-Deutscher“ bezeichnet, verleugnet in vorauseilenden Gehorsam gegenüber Margot Käßman die Aufbauleistungen seiner zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern.

So ‘ne Margarete bräuchte Deutschland auch

Um von Margot noch mal auf Margaret zu kommen: Bei all dem Kampf gegen den linken Zeitgeist und für das eigene Vaterland durfte der Humor natürlich nicht zu kurz kommen, schon gar nicht in England. Als Thatcher bei der Lektüre des verheerenden Pressechos auf ihre neusten Ausgabenkürzungen nicht mal in der nationalkonservativen „The Sun“ wärmende Worte fand und niemand in ihrem Beraterkreis wusste, wie das Ansehen der Premierministerin wieder hergestellt werden könnte, verblüffte die ihre Spitzenbeamten.

Ohne Vorwarnung hielt sie sich die die berühmt-berüchtigte „page three“ vor die Bluse und fragte in die Runde: „Boys, what do you think about my new boobs?“ („Na Jungs, was denkt ihr über meine neuen Ti****?“).

Stellen Sie sich mal die Blicke von Helge Braun und Peter Altmaier vor, wenn Merkel bei der allmorgendlichen Pflichtlektüre des „Neuen Deutschlands“ auf die gleiche Idee käme.

2 Comments

  1. Der letzte Satz stimmt nicht ganz. Es gibt keine BRD Massenprintzeitung die auch nur ansatzweise Merkelkritisch schreibt. Von daher wird es auch so eine Aktion nie geben.

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