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Mannheim und Sylt – Die beiden Erregungspole der späten Bundesrepublik

4. Juni 2024

Neulich ist mir ein CDU-Wähler über den Weg gelaufen, und nach der zwangsläufigen politischen Diskussion nach zwei Bier hat er mir allen Ernstes versichert, dass er die „rechten Idioten“ auf Sylt genauso verurteilenswert findet wie alle anderen Entwicklungen in Deutschland unter der Ampel. Wenig später sah ich mich mit dem Vorwurf des „Whataboutismus“ konfrontiert, nachdem keine Missstände mit dem Verweis auf andere Missstände relativiert werden sollen. Dieses Argument ist das schwachsinnigste, das mir jemals untergekommen ist.

Das In-Szene-setzen jedes Arguments ist ein willkürlicher und voreingenommener Akt, mit dem ein Gespräch gezielt in eine Richtung gelenkt werden soll. Der Fokus auf lediglich einen Aspekt dient nur zum Verbleib in der eigenen Echokammer der ideologischen Blindheit. Noch dazu benötigt es oftmals einen zeitgeschichtlichen Kontext, um Taten überhaupt erst einordnen zu können.

Und damit zu Sylt: Der Satz „Deutschland den Deutschen“ hätte sich unproblematisch in die Zeit des deutschen Nationalismus seit Napoleon und quasi alle nationalen Symbole wie die Nationalflagge oder die deutsche Hymne eingeordnet. Auch heute noch müsste ja erst einmal definiert werden, wer deutsch ist, bevor man eine fremdenfeindliche Aussage vermuten dürfte. Im heutigen Kontext hat die Parole dennoch einen Beigeschmack, auch wenn sie nicht strafbar ist.

Wer anlässlich des bekannten Videos von Sylt aber ignoriert, dass das „Meme“ zu „L‘amour toujours“ schon beinahe ein Jahr im Umlauf war und großteils wegen seines Ohrwurmcharakters, seiner politischen Unkorrektheit und seines Trigger-Potenzials halbironisch angestimmt wurde, ist ignorant oder bösartig. Wer den „Hitlergruß“ samt mit der Hand geformtem Hitlerbärtchen und winkendem Auf- und Abhüpfen der Hand mit einem aus völliger Überzeugung getätigten Hitlergruß gleichsetzt, ist ignorant oder bösartig. Und wer trotz des offensichtlichen Alkoholkonsums der im Video Aufgenommenen deren Arbeitgeber informiert, die Klarnamen im Internet veröffentlicht oder das Video unzensiert zum Staatsstreich stilisiert, ist der Bösartigste von allen.

Der Polizist, der in Mannheim neben sechs anderen Personen von einem Attentäter niedergestochen wurde, ist mittlerweile verstorben. Medial schlägt das zwar ebenfalls hohe Wellen wie die Ereignisse auf Sylt, die Motivation des Täters, der sich offensichtlich von der Islamkritik Stürzenbergers und seiner Bürgerbewegung angegriffen fühlte, galt aber bis zuletzt immer noch als „unklar“. Er kam mit 13 Jahren von Afghanistan nach Deutschland, sein Asylantrag war 2014 abgelehnt worden. Seitdem war er neun Jahre illegal in Deutschland, ohne abgeschoben zu werden. Nachdem er eine Frau geheiratet und ein Kind mit deutschem Pass bekommen hatte, erhielt er eine befristete Aufenthaltsgenehmigung.

Warum er wohl einen Islamkritiker angriff, wusste die Presse lange nicht, inzwischen ist der islamistische Hintergrund klar. Bei den Jugendlichen in Sylt hingegen wurde sofort auf eine rechtsextreme Gesinnung geschlossen. Du weißt, dass du in Deutschland bist, wenn nach einem barbarischen, mutmaßlich islamistischen Attentat eine Oma gegen rechts in Tatortnähe von einem öffentlich-rechtlichen Flüchtlingsformat interviewt wird.

Eine Mahnwache der Jungen Alternative mit dem Motto „Remigration hätte diese Tat verhindert“ wurde von rund 800 Linken gestört, die sich gegen Gewalt und Hass einsetzen wollen. „Gewalt“ und „Hass“ – zwei Schlagworte, mit denen Linke alles framen, was nicht in ihr Weltbild passt. So wird eine Mahnwache oder das Singen eines zugegeben stumpfen Memes zur hassdurchsetzten, strukturellen Gewalttat, die es rechtfertigt, gegen die politisch Ohnmächtigen vorzugehen, die das aus reinem Idealismus über sich ergehen lassen. Egal, wie sehr und verbittert der Staat und die Linken bei „L‘amour toujour“ Tränen vergießen, eine wirkliche Bedrohung kann daraus nicht abgeleitet werden – dennoch sehen beide schon den Reichstag brennen.

Gegen die Akteure aus dem Sylt-Video ermittelt der Staatsschutz. Sulaiman A., der Täter aus Mannheim, wurde nicht einmal vom Verfassungsschutz beobachtet. Es herrscht keine Gleichheit der Argumente. Migrationskritik, oder eine Forderung nach Umkehr der Migrationsströme, egal auf welchem Niveau, ist quasi unmöglich, solange sie ernst gemeint ist – und wird dennoch als Beweis für einen angeblichen „Rechtsruck“ missbraucht.

Und noch eine weitere Sache löst bei mir Kopfschmerzen aus: Linke Frauen schreiben auf Twitter, sie würden im Wald lieber einem Bären begegnen als einem Mann. Ohne jetzt auf die stochastische Hirnrissigkeit dieser Aussage einzugehen, würden die meisten Frauen wohl auch lieber einem afghanischen Migranten als einem Rechtspopulisten im Wald über den Weg laufen. Das liegt aber auch nicht an den gewünschten oder realen Überlebenschancen, sondern eher an der kognitiven Dissonanz, die sie mit der Zeit entwickelt haben.

Nein, der Hinweis auf die Strukturen in der Realität ist kein Whataboutismus. Hätte der Attentäter von Mannheim Remigration gefordert, wäre sein Klarname wohl längst überall. Würden Frauen einem Bären im Wald begegnen, würden sie sich wünschen, lieber einem Mann begegnet zu sein. Und hätten CDUler auch nur einen Funken Integrität, würden sie Stellung beziehen, anstatt sich in die Wohlfühlzone einer angeblichen Mitte zurückzuziehen.

Je mehr Leute als rechts gelten, desto weniger schlimm wiegt der Vorwurf. Wer vernünftig ist, glaubt den medialen Hetzjagden der Presse nicht. Und wer Konsequenzen aus den wirklich wichtigen Entwicklungen unserer Zeit zieht, ist für Remigration.

2 Comments

  1. Der wertvolle Bösartigkeitsframe hat nun auch unseren beherzten Phrasendrescher erreicht. Geheiligt sei der Bösartigkeitsframe, unser mächtigstes Werkzeug, denn unsere Feinde sind bösartig und geisteskrank. Amen.

  2. Der letzte Absatz ist genau auf den Punkt gebracht! Ich finde AUßERDEM den Spruch:“ jeder ist Ausländer, nur da nicht wo er in seinem Volke lebt. “ auch sehr treffend und passend für diese Thematik.

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PhrasenDrescher

Der Phrasendrescher - wie könnte es anders sein - promoviert derzeit interdisziplinär in der Philosophie und der Politikwissenschaft. Als glühender Verehrer von Friedrich Nietzsche weiß er, dass man auch Untergänge akzeptieren muss und arbeitet bereits an der Heraufkunft neuer, stärkerer Werte.


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