Mit der U-Bahn auf den Berg

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Taipei besitzt zwar nicht die neueste U-Bahn der Welt, denn mit dieser Auszeichnung schmückt sich zurzeit die chinesische Metropole Tsinan, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shantung, wo auch die Halbinsel Kiautschou mit der ehemaligen deutschen Kolonie Tsingtau liegt. Aber dafür ist dort die beste, weil zuverlässigste Metro in Betrieb. Bei der MRT (Abkürzung für Mass Rapid Transit) sind Verspätungen von mehr als fünf Minuten äußerst selten und mir persönlich auch in 20 Jahren nur einmal begegnet.

Auf jedem der 117 Bahnhöfe des 131 Kilometer langen Streckennetzes gibt es sehr saubere (und natürlich kostenlose) Toiletten, die auf Anfrage hin auch von Leuten benutzt werden dürfen, die gerade nicht die Absicht haben, in die teils gewaltigen Tiefen hinabzusteigen. Die in der Regel wesentlich großzügiger als in Europa gebauten typischen Glashäuschen sind rund um die Uhr von Mitarbeitern besetzt, die einem Chips zum kurzzeitigen Betreten des Bahnhofs überreichen, die man nach Erledigung seines Geschäfts einfach zurückgibt.

Hier gibt es sie noch: Echte Einzelfälle

In meiner mittlerweile völlig heruntergekommenen Heimatstadt Berlin ist die Benutzung der U-Bahn, besonders ab 18:00 Uhr, mit einem immer größeren Risiko verbunden. Dies habe ich leider im Sommer 2018 am eigenen Leibe erfahren dürfen. Die Fahrt von Mariendorf, eigentlich immer noch eine recht bürgerliche Gegend, zur Friedrichstraße wurde durch verschiedene Repräsentanten muslimischer Bereicherungskultur zu einem absoluten Albtraum. Grüße aus der Geisterbahn!

Hier fühlt man sich dagegen zu jeder Tages- und Nachtzeit sehr sicher und vor allem wird man niemals von professionellen Bettlern oder selbsternannten Künstlern belästigt, zumal trotz der extrem niedrigen Kriminalitätsrate Polizei und private Sicherdienste ständig patrouillieren.

Trotzdem gibt es nicht einmal hier absolute Sicherheit. 2016 erstach ein von Todessehnsucht getriebener Jüngling wahllos vier Menschen in der U-Bahn und verletzte weitere 22. Zu feige für einen Selbstmord, beging er ein Verbrechen, um dafür hingerichtet zu werden. Die gute Nachricht ist, dass seinem Wunsch bereits nach einem halben Jahr entsprochen wurde.

Strenger Sitten, toller Service

Essen und Trinken sowie das Kauen von Kaugummi und Betelnüssen, die von unteren Segment der Gesellschaft konsumierten unreifen Samen der Betelpalme, werden mit Geldstrafen von bis zu knapp 300 Euro geahndet.

Täglich von 6:00 Uhr morgens bis Mitternacht transportieren fünf Linien bis zu zwei Millionen Fahrgäste. Diese Zahl hat sich in den letzten acht Jahren verdoppelt. Trotzdem zeigen sich 95% davon mit dem Service zufrieden. Unprofitabel in den ersten 20 Jahren ihrer Existenz, wobei die Verluste im Vergleich zu europäischen Städten lachhaft waren, hat die MRT seit 2016 durch Werbeeinnahmen einen bescheidenen Profit eingefahren.

Einfach einmalig erscheint mir die Möglichkeit, mit der U-Bahn direkt ins Grüne zu gelangen. Die Endstation der roten Linie im Osten Taipeis, Xiangshan, der in Ermangelung indigener Dickhäuter nach seiner Form benannte Elefantenberg, bietet einen 1,5 Kilometer langen Wanderweg mit zwei unterschiedlich anspruchsvollen Optionen. Die Station davor liegt unmittelbar am 508 Metern hohen Taipei 101, von 2004 bis 2010 das weltweit höchste Gebäude, und seitdem ein weiteres Wahrzeichen der Insel.

Dieser faszinierende Gegensatz, der große Kontrast zwischen modernster Architektur und teilweise noch völlig unberührter Natur, ist ein weiterer Faktor, der den Reiz des ehemaligen Formosa ausmacht.

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