Dominanz statt Toleranz

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Von Johann Adler

Kolumnenschreiber haben es dieser Tage schwer, da ironische Überspitzungen der Wirklichkeit diese oft nicht mehr zu übertreffen vermögen. Ein befreundeter Schreiber nannte die Bundesrepublik immer gerne „Buntland“ wenn er die linksliberale Schlagseite der Politik- und Medienlandschaft kritisieren wollte.

Spätestens mit der Regenbogenarmbinde von Manuel Neuer ist das viel zu banal und offensichtlich um noch lustig zu sein. Der Kapitän unserer absolut-nicht-national-noch-in-irgendeiner-anderen-weise-rechten Elf trägt diese statt den Deutschlandfarben. Ein Verfahren der Uefa ob es sich dabei vielleicht um ein politisches Statement handeln könnte, wurde zum Glück wieder eingestellt.

Die ganz große Nummer

Es geht ja hier nur um Menschenrechte, das ist etwas ganz anderes als wenn Fußballspieler wie Cacau ein T-Shirt mit christlicher Botschaft unter dem Trikot tragen wollen, was seiner Zeit mit einer ähnlichen Begründung abgelehnt wurde.

Es blieb allerdings auch nicht bei der Regenbogenkapitänsbinde. Als nächstes wollte die Stadt München zum Spiel gegen Ungarn die ganze Allianzarena in den Regenbogenfarben leuchten lassen. Damit soll der LSBT-Lobby in Ungarn Solidarität bekundet und die nicht genehme Familienpolitik Viktor Orbans angeprangert werden.

Abgesehen davon, dass dies ein großes Zeichen der Unhöflichkeit gegenüber der ungarischen Gastmannschaft ist und es sich um ein direktes Einmischen in die Innenpolitik eines anderen Landes handelt, ist an diesem Punkt endgültig die weltanschauliche Neutralität überschritten, die der Uefa angeblich wichtig ist. So rang diese sich dann auch mit Müh’ und Not zu einem „das geht eigentlich nicht“ durch, allerdings nicht ohne vorzuschlagen, dass man die Allianzarena ja an einem anderen Datum in den Regenbogenfarben leuchten lassen könne.

Pro-Gender als neue Wahrheit?

Das der tolle Vorschlag, der nebenbei sogar die Unterstützung des bayrischen Ministerpräsidenten genoss, abgelehnt wurde war für den Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland Markus Ulrich eine Frechheit. Sein Kommentar daher:

Die Uefa hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt – und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt.“

Neutralität und Zurückhaltung ist also nicht mehr drin, wenn es um die Genderfrage geht. Da heißt es „Wer nicht für uns ist ist gegen uns!“ und „Wer sich dem Zug des Fortschritts in den Weg stellt wird eben überfahren!“.

Ulrich erklärt besser als jeder Kolumnist es zuspitzen könnte: „Wir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die Uefa mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten“.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Uefa schnellstmöglich einsieht, dass es Werte gibt, die „in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten“ über die man also nicht mehr diskutieren darf oder soll. Da diese Werte in der Gesellschaft nur akzeptiert werden „sollten“ muss die Uefa dies vor der Gesellschaft begreifen und akzeptieren, dass diese eben keine politischen Meinungsäußerungen darstellen, sondern die indiskutable neue Wahrheit, die immer und überall geäußert werden darf und muss. Vielleicht ist ihr dafür die Anschaffung eines neuen Orakelkraken zu empfehlen.

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