Vonovia-Baustopp – Totreguliert, aber der Markt ist schuld

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Der größte deutsche Wohnungsbaukonzern Vonovia hat Anfang Februar einen kompletten Neubaustopp für dieses Jahr angekündigt. Als Gründe führte der Vorstand stark gestiegene Bau- und Finanzierungskosten an, aufgrund derer sich die Angebotshöhe für die entsprechenden Neubauten in der großen Masse der deutschen Großstädte nicht erzielen ließe. Allein in Berlin sind davon 1.500 Wohnungen betroffen.

Nun fragen wir uns natürlich alle: Wo war Kühnert? Was war da denn los (Stefan Raab)? Noch Mitte letzten Jahres hatte er dem Vonovia-Chef Buch die „Behauptung“, man müsse die Mieten entsprechend der Inflation erhöhen, eindrucksvoll abgesprochen; es gehe „ein riesiger Teil der Vonovia-Mieten […] stattdessen für die üppigen Dividenden der Vonovia-Aktionäre drauf“. Glücklicherweise war diesmal spontan eine Genossin zur Stelle, „denn parirt muß werden!“ (Wilhelm II.): Cansel Kiziltepe, Parlamentarische Staatssekretärin, forderte Vonovia dazu auf, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen und die Dividendenzahlungen lieber für den fälligen Neubau aufzuwenden.

Dabei ist die Genossin, obwohl ihres Zeichens diplomierte Volkswirtin, offensichtlich nicht in der Lage, zwischen Rentabilität und Liquidität zu unterscheiden. Während Dividenden, also Ausschüttungen eines Unternehmens an seine Aktionäre, eine Frage der Liquidität sind – mit der Ausschüttung wird die Fähigkeit des Unternehmens vermindert, seine Verbindlichkeiten unmittelbar begleichen zu können –, geht es bei der Rentabilität um die schlichte Tatsache, dass in Großstädten kaum mehr jemand die 18 bis 20 Euro auf den Quadratmeter zahlt. Was verstärkend hinzukommt: Wenn insgesamt weniger gebaut wird, wird zusätzlicher Druck auf die Mieten und, bei gegebener regulatorischer Gängelung, somit ein Teufelskreis erzeugt.

Das Ressentiment von linksgrüner Seite ist in dem Maße bekannt, wie es einen permanent von Besserwissenden anschreit, zuletzt von unseren SPD-Großhäuptling:innen Cansel und Kevin. Nein, natürlich ist es keine reine Frage der Rentabilität, die wollen nur ihr Eigenkapital in Reserve halten. Der simple Mechanismus des Marktes erscheint ihnen illusorischer als die Wahnvorstellung von gierigen Immobilienkonzernen. So gierig, dass die Vonovia bestimmt am liebsten die Hennings und Justusse dieses Landes ins kaputte und seit Jahren mit Geringverdiener:innen überflutete Berlin zwangsumsiedeln würde, wenn sie denn könnte, um dann 20 Euro Quadratmetermiete für Neubauten zu erzielen? Spätestens hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Dass die Vonovia nicht die Einzige ist, sondern auch Deutschlands mit 166.000 Wohnungen zweitgrößter Immobilienkonzern LEG im November einen Neubaustopp verkündete, legt nahe, dass ein systemisch-politisches Problem vorliegt, das den Konzernen zur Last fällt. Im Gegensatz zur Vonovia ist der Hauptkundenstamm der Düsseldorfer LEG noch mehr auf bezahlbaren Wohnraum aus, was mit einer Spreizung zwischen der Durchschnittsmiete von 6,30 Euro und einer Neubaumiete von 18 bis 20 Euro nicht zu leisten sei, wie die LEG mitteilte.


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Sobald ceteris paribus, also bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen, die Kosten steigen und man sie nicht durch hohe, genügend verlangbare Mieteinnahmen ausgleichen kann, lohnt sich der Neubau nicht mehr. Dann heißt es, einfach gesprochen: Warten, bis man Mieten an gegebenem Ort wieder erzielen kann, auf Neubaugenehmigungen in zahlungsstärkeren Gebieten drängen oder eben auf fallende Kosten hoffen. Derweil steigt der Wohnungsbedarf beständig. Dass die Klimaschutzauflagen in absehbarer Zeit zurückgefahren werden, kann bestenfalls als hehre Hoffnung gelten.

Schon vor anderthalb Jahren hatte irgendeine „Tagesschau“-Sekundärfeder aus der Redaktion „ARD-faktenfinder“ vorgerechnet, dass rund die Hälfte der Kaltmiete via Dividenden ihren Weg zu den Aktionären findet. Der Autor bereitete den Vorschlag, die kapitallosen Mieter am Kapitalertrag zu beteiligen. Denken wir dieses rosarote Spiel doch mal weiter und nehmen an, der Schreiberling hätte sich dereinst mit der Forderung durchgesetzt. Dann dürften die Mieter heute brav die Verluste infolge der Abwertung von Vonovia tragen; seit Sommer 2021 hat Vonovia fast zwei Drittel seines Wertes verloren und ist damit auf einem Siebenjahrestief angelangt.

„Ruinen schaffen ohne Waffen“, wie man in der Ehemaligen sagte. Unternehmen, auf die man mittlerweile gar im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ setzt, mit Regulierungen das Leben schwer machen und sie als Schmarotzer hinstellen, wenn sie nicht liefern können. Dazu bleibt nur zu sagen: Geliefert wie bestellt.

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