Wenn die Würfel fallen 

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Risiko – kennen Sie dieses Brettspiel noch? Es beginnt damit, eine Karte zu ziehen, die ein Ziel definiert, das es zu erreichen gilt. Jeder Mitspieler zieht eine andere Karte mit einem anderen Ziel. Die Aufgaben gleichen sich nur darin, dass es darum geht, die Obermacht auf einem Spielbrett zu erringen, auf dem eine Weltkarte abgebildet ist. Truppenkontingente werden verteilt, und los geht es. Angepriesen wird das Ganze als Strategiespiel.

Mir war dieses Gesellschaftsspiel immer suspekt, aus unterschiedlichen Gründen. Erstens geht mir die Fähigkeit ab, strategisch zu denken. Zweitens bevorzuge ich Glücksspiele. Und drittens hat es mich immer gestört, dass dieses spezielle Spiel eine Mogelpackung ist, denn in einem echten Strategiespiel gibt es keine Würfel. Ich fühlte mich immer vom Hersteller betrogen, der mit falscher Etikettierung seine Verkaufszahlen steigern wollte, und ich lasse mich ungerne manipulieren. 

Die große Zeit der Brettspiele ist vorbei. Man verabredet sich heute nicht mehr mit Gleichgesinnten zu einer gemütlichen Runde, bei der es nicht selten hoch hergeht und viel diskutiert und gestritten wird. Man muss sich nicht mehr Angesicht zu Angesicht gegenüber sitzen und einzelne Entscheidungen rechtfertigen. Auch nicht in einem Spiel, auf das man eigentlich sowieso keine Lust hat, das man aber eben aufgrund echter Solidarität trotzdem mitspielt – denn der Abend ist lang und die Liste der anderen Spiele ist es ebenfalls. Die große Zeit der Brettspiele wurde abgelöst. Heute zockt jeder alleine für sich im stillen Kämmerlein, bestenfalls online, das sich gegenseitig Bekritteln findet im virtuellen Raum statt, und hat man keine Lust mehr darauf, schaltet man einfach ab. 

Jetzt ist wirklich Krieg. Ein Krieg, den nur Wenige wollen, deren wahre Motive undurchsichtig sind. Alle anderen versuchen gerade, das Aufwachen aus dem Alptraum der letzten zwei Jahre einigermaßen würdevoll zu bewerkstelligen und haben noch nicht die Kraft, diese neue Katastrophe zu begreifen. Ein Spiel war weder der Coronawahnsinn noch ist es der Einmarsch Russlands in die Ukraine. Verstehen kann das, seien wir ehrlich, keiner mehr. Wir haben uns zwar daran gewöhnt, mit Horrornachrichten bombardiert zu werden, aber dennoch macht es einen Unterschied, Versuchen der Einschüchterung durch Ausgangsverbote und medial tüchtig aufgewertetes Bildmaterial zu widerstehen, oder zu wissen (und das meine ich wortwörtlich), dass in einem Nachbarland Menschen von anderen Menschen getötet, Städte zerstört, Existenzen ruiniert werden.

Wir können bestenfalls erahnen, wie es der Bevölkerung vor Ort ergeht, während wir mit Ängsten kämpfen, die zwar gerechtfertigt sind (Preiserhöhungen, Engpässe in der Energieversorgung, unterbrochene Lieferketten, sich langsam leerende Nudelregale in Supermärkten). Aber das Leid einer jungen Mutter, die vielleicht ihren Mann verloren hat und deren Wohnung mitsamt allem Hab und Gut in Trümmern liegt, die nicht weiß, was sie ihrem Kind zu essen geben soll, nein, ich maße mir nicht an, zu behaupten, ich wüsste, was diese Frau durchmacht. Vor allem, wenn sie vielleicht noch Gelegenheit hat, Nachrichten zu empfangen und zu erfahren, dass der Bürgermeister von Wien LKW-Ladungen voller FFP2 Masken zur Unterstützung schickt… 

Ich versuche, zu verstehen. Ich versuche es wirklich. Ich versuche, die Strategie dahinter einzuordnen. Ist Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj eine Marionette, gekauft von der NATO mit dem einzigen Ziel, ihn zu instruieren, Putin solange zu provozieren, bis der nicht mehr anders kann als die Ukraine anzugreifen? Wer ist Biden, dieser inkontinente Tattergreis, wirklich? Wie konnte es soweit kommen, dass die EU mitsamt ihrer Politiker der einzelnen Mitgliedstaaten nur noch aus einem Haufen Schwerverbrecher besteht, denen das eigene Bankkonto wichtiger ist als alles andere? Wie wird China reagieren? Wo führt das alles hin? Was sind die nächsten Schritte, kurz- und langfristig? Niemand hat eine Antwort auf diese drängenden Fragen.

Aber vielleicht verstehe ich jetzt wenigstens eines erst richtig, nämlich warum ich Risiko nie mochte. Es liegt nicht an meinem mangelnden Strategieverständnis und nicht an meiner Leidenschaft fürs Roulette. Es sind die Würfel, und nur die Würfel allein. Einstein sagte: „Gott würfelt nicht“. Tun die, die jetzt über Leben und Tod, Wohlstand und Verarmung, Glück und Leid entscheiden, es auch nicht? Es ist bis jetzt nicht geklärt worden, ob Einstein Recht hatte und es keinen Zufall gibt. Ich bezweifle aber, dass irgendein Entscheidungsträger wirklich weiß, was er tut, wenn er die Reaktion des Gegners nur erahnen kann. Strategie ist ab einem gewissen Punkt immer Rätselraten oder – Würfeln. Hoffen wir, dass das Schicksal uns gnädig ist und die Vernunft am Ende sagen kann: „Alea iacta est.“

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