Wenn der Tag X nicht kommt

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Die Geschichte von allen ist nicht die Geschichte von jedem. Wie dein Leben verläuft kommt vielmehr auf deine Identität als auf deine Lebzeiten an. Zu allen Zeiten gab und gibt es sowohl arme, kranke, schwache und ohnmächtige als auch reiche, gesunde, starke und mächtige Menschen. Die Frage ist nicht, in welchen Zeiten du lebst, die Frage ist, wer du bist.

In manchen Kreisen ist die Vorstellung verbreitet, dass der große Zusammenbruch kurz bevor steht, dass das System unmittelbar vor der Kernschmelze steht und dass sich nicht nur immer mehr angebliche Verschwörungstheorien bewahrheiten werden, sondern dass auch und vor allem der Lebensstandard der Massen so deutlich sinken wird, dass heftige Unruhen bis hin zu Plünderungen und dem offenen Zusammenbruch der Fassade von Recht und Ordnung die Folge sein werden.

Und wenn Tag X nicht kommt?

Sicherlich ist das möglich und historisch keine wirkliche Seltenheit. Doch das ist nur eins von vielen möglichen Zukunftsszenarien. Ein zentraler Bestandteil dieses Szenarios ist die Hyperinflation, ausgelöst durch das immer aggressivere Gelddrucken der Notenbanken. Die Menschheitsgeschichte ist voll von gescheiterten Papiergeldsystemen und unter Bedingungen der Vergangenheit muss der ökonomisch geschulte Verstand eindeutig davon ausgehen, dass genau das wieder passieren wird.

Doch wir leben nicht in der Vergangenheit und das Geldsystem von heute ist nicht das von gestern. Die Zentralbanken sind bereits dabei, digitales Geld zu erproben und auf dem Weg, das gesamte Finanzsystem komplett umzugestalten.

Diese Umgestaltung bedeutet weitere Zentralisierung von Macht – die Geschäftsbanken werden durch digitales Zentralbankgeld, das direkt an den Verbraucher gezahlt wird, zunehmend ausgebootet und obsolet gemacht. Das bedeutet noch mehr Macht für den Staat, der die Vergabe von digitalem Zentralbankgeld beispielsweise an ein Social Credit System koppeln könnte. Der Leviathan hat durch die Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten – genau wie seine Widersacher auch.

Klar muss nur sein, dass Hyperinflationsszenarien der Vergangenheit aufgrund gänzlich neuer Repressionsmöglichkeiten für den Staat nicht eins zu eins auf die Gegenwart übertragen werden können. Also was wäre, wenn es dem System tatsächlich gelingt, mittels Bargeldverbot, digitalem Zentralbankgeld und Negativzinsen ein langgestrecktes Deleveraging statt heftiger Hyperinflation zu erreichen?

Alles wie bisher?

Dann würde sich lediglich intensivieren, was bereits seit Jahren geschieht: Die stille Enteignung der Massen durch Inflation – dann zwar stärker als bisher, aber immer noch nicht mit den gefürchteten Begleiterscheinungen einer Hyperinflation. Die Lieferketten blieben halbwegs intakt, die Supermarktregale hinreichend voll und die Herde wäre weiterhin ausreichend mit Brot und Spielen versorgt, um friedlich zu bleiben. Man würde zwar schimpfen, aber weder Bundestag noch EZB noch Brüssel stürmen.

Die EUDSSR würde weiter vor sich hin rotten und die gesellschaftliche Spaltung würde weiter zunehmen. Die Ungleichheit zwischen denjenigen, die Realwerte wie Betriebs- und Immobiliarvermögen besitzen und den Besitzlosen würde immer krasser werden. Natürlich kann und wird der Staat in den kommenden Jahren noch viel heftiger besteuern als bereits jetzt, doch da die herrschende Klasse selbst Realwerte besitzt, ist es wahrscheinlich, dass die Zwangsabgabenlast auf Arbeit stärker steigt als auf Realkapital.

Wenn die Inflation der Realwertpreise stärker als die zusätzliche Besteuerung der Realwerte ausfällt, nimmt die Geschichte ihren historisch üblichen Verlauf. Das wäre lediglich eine Intensivierung der bestehenden Dynamik und gewissermaßen historische Normalisierung: eine kleine neoaristokratische Klasse beherrscht die große Masse der arbeitenden und Transferzahlungen empfangenden Bevölkerung und die verschwindende Mittelschicht geht als Ausnahmephänomen des 20. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher ein.

Wie bist du für dieses Szenario aufgestellt? Wie geht es für dich weiter, wenn der große Hyperinflationscrash ausbleibt?

1 Comment

  1. Die Zentralbanker darf man nicht unterschätzen, aber ich sehe nicht wie man die Vertrauenserosion in Dollar und EURO stoppen kann. Digitale Varianten bzw. Nachfolger mit notwendigem Goldverbot machen die Probleme eigentlich noch offensichtlicher.

    Vermehrter Tauschhandel könnte auch eine Folge sein

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