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Die Anwendungssoftware ist abgestürzt

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Man sagt, eine Krise bringe das Schlechteste und das Beste im Menschen hervor. Dass es um das Beste eher schlecht bestellt ist, scheint manchem angepassten Demokraten langsam zu dämmern. Elon Musk bezeichnet die freiheitsbeschneidenden Maßnahmen als faschistisch. Selbstkritische Zeitgenossen aus der Population der Sonntagsdemokraten erkennen sich selbst nicht mehr. In einer Kolumne des „Flagschiffs der Demokratie“ sieht eine von Angst getriebene Kolumnistin sich selbst bereits zum Gehweg-Nazi werden. Die Dame kann beruhigt werden, es ist nur ihre Anwendungssoftware abgestürzt. Definitionsgemäß ein Programm zur Unterstützung nützlicher oder gewünschter Funktionalitäten.

Uns wurde eingeredet, wir wären mündige, freie Bürger eines demokratischen Gemeinwesens, weltoffen und bunt, ein Souverän im wahrsten Sinne des Wortes. Erwachsen und selbstbestimmt, jederzeit bereit, die freiheitlich, demokratische Grundordnung zu verteidigen. Nun ist ein äußerer Feind eingedrungen und wie weiland die Bauern in die Burg des verhassten Fürsten, den sie regelmäßig den Zehnt abliefern mussten, flüchteten, flüchten wir jetzt in die Arme eines zum autoritären Monster mutierten Staates. Gestern noch alle tapfere Dietrich Bonhoeffers, heute schon nur noch feige Diederich Heßlings, aus dem „Untertan“ von Heinrich Mann.
Die Software, die uns im Modus des wohlstandsgenährten Demokraten gehalten hat, ist abgestürzt. Übrig bleibt das Betriebssystem, das, was auf einer unteren Ebene schon seit ewigen Zeiten auf der Genplatine des Deutschen eingebrannt ist: der Untertan, Opportunist, Blockwart und Wegducker, ergänzt in neuer Zeit durch den Angsthasen.
Wie anders ist zu erklären, dass sich die Leute gegenseitig anschwärzen, bei der Obrigkeit verpetzen und nach noch immer mehr Restriktionen rufen. Das mag er, der Deutsche, ein Gesetz, gemacht vom Staat, dem er gehorchen darf. Überhaupt, dieses ständige infantile Rufen nach dem Staat, als ob er unser Freund oder unsere Amme wäre – ist er nicht und nie gewesen. Über Jahrzehnte hat er dem arbeitenden Volk das Geld abgepresst, um es umzuverteilen oder gleich aus dem Fenster zu werfen. Jetzt lassen sich die den Staat repräsentierenden Gutsherren dafür feiern, dass sie dieses Geld huldvoll verteilen. Das Staatsvolk ist immer unselbstständiger und abhängiger geworden.

Ist schon einmal aufgefallen, dass Gesetze und Bußgeldparagraphen immer nur eine Richtung kennen: Verschärfung und Erhöhung. Netzwerkdurchsetzungsgesetz (oder sollte es Zersetzungsgesetz heißen?), Waffengesetz, neue StVO. Mehr Gesetze, schärfere Gesetze, höhere Bußgelder – das macht diesen Staat aus. Ich lobe einen Kasten Champagner aus, für denjenigen, der mir das Gegenteil beweist. Damit meine ich allerdings nicht die Vereinfachungen zur Tötung ungeborenen Lebens oder die Unterstützung zum Suizid. Aber ich schweife ab.

Dieser Staat hat seine Bürger, den angeblichen Souverän entmündigt und unselbständig gemacht. Uns wird schon im Fernsehen das richtige Händewaschen gezeigt, demnächst vielleicht auch noch Methoden zur sparsamen Verwendung von gehamsterten Toilettenpapier? Was kommt als Nächstes? Sinnlose Maskenpflicht? (Die Realität hat den Autor des Textes überholt.) Nasser Hut, Clownsnase? Wir werden wie Kinder behandelt. Wo leben wir eigentlich? Wer ist in einer Demokratie Koch und wer ist Kellner?

Im Moment ist diese Frage ganz klar zu beantworten: Gekocht wird im Kanzleramt. Man hat den Eindruck, die Republik ist zu einem Sado-Maso-Studio verkommen. Ständig die gleichen Psalme in den Medien, immer die gleichen Gesichter, gehört werden nur Panikmacher, die ständig ihre Meinung ändern, seltsamerweise nur neue Angst schüren. Verkauft wird das als Zeichen von Professionalität. Keine offene Diskussion über andere Ansichten, wie den „schwedischen Weg“. Dort ist die Sterblichkeitsrate der Infizierten zwar höher als in einigen anderen Staaten, aber deutlich niedriger als in Spanien oder Frankreich, die ihre Bevölkerung quasi wegsperrten.

Warum? Die Obrigkeit findet zunehmend Gefallen an dem Zustand, regieren zu können, ohne dass lästige Bürger Fragen stellen können. Von Regierungsseite werden bereits Gerichtsurteile, die noch einen Rest bürgerlicher Freiheit bewahren wollen, kritisiert – so der Kanzleramtsleiter Helge Braun. Wenn schon freiheitlich und demokratisch aus der Grundordnung gestrichen sind, warum nicht auch noch die Gewaltenteilung? Hoffen wir mal alle, dass sein Name nicht zum neuen Programm wird.
Solange die Bürger nicht alle gleichzeitig vor die Haustüre treten und zu ihren Rathäusern, Landratsämtern und Parlamenten laufen, um ihre grundgesetzlichen Rechte einzufordern, wird sich nichts ändern – sie werden ihre Freiheit niemals in Gänze zurück bekommen, neue Normalität nennt man es im Neusprech. Oft genug waren die Verschwörungstheorien von heute die Wahrheiten von morgen. Wenn wir nicht aufpassen, werden sie wahr werden.

Ich hoffe, ich irre mich in meinen Zeitgenossen, die letzten Tage geben ein wenig Hoffnung und vielleicht lässt sich nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch auch gleich ein neues Betriebssystem aufspielen.

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