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Abendsonne

5. Mai 2021

„Ich säh` im ew`gen Abendstrahl … den Silberbach in goldene Ströme fließen“, dichtete schon Goethe. Dies scheint auch das Motto unserer führenden Demokratiesimulanten zu sein. Es ist unglaublich, man kann seine Fassungslosigkeit nur noch einsam ins Kissen schreien oder sich den Frust von der Seele schreiben.

Mehrere Ministerien planen vieldutzendfach neue Stellen aus dem Boden zu stampfen, um ihre eifrigsten Kofferträger noch schnell mit wohldotierten Beamtenposten und der Garantie fetter Pensionen zu versorgen. Wie nobel, eine Hand wäscht die andere.

Demokratiesimulation

Die CDU hat die Platzpatrone Laschet geladen und die Grundstimmung im Volk scheint, den Umfragen zu Folge, die Lust am Untergang zu sein. Warum also nicht noch einmal kräftig zulangen? Wie sagt der Bauer? Die Tröge bleiben gleich, nur die Schweine wechseln. Es ist unglaublich, was in einen Bauch hinein passt, wenn es nichts kostet.

So macht eben ein jeder die ihm angemessene Selbstwirksamkeitserfahrung. Die einen dürfen sich unhinterfragt die Taschen voll machen, für das Fußvolk hat Deutschlands schönster Philosoph den Vorschlag, sich in zwei „Gesellschaftsjahren“ – eins nach der Schule und eins in der Rente – im Ehrenamt zu bewähren. Als Lohn winkt dann eine bronzene Ehrennadel. Richtig so, gib den Leuten zu tun, dann kommen sie nicht auf dumme Gedanken.

Ich kann nur ungläubig Staunen über das große Kino, welches derzeit präsentiert wird und sich Demokratie nennt. Die Regierung lässt ihre Bürokraten eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes ausarbeiten, um die Untertanen endgültig zu disziplinieren: offener Vollzug – Tags arbeiten lassen und abends einsperren. Wohl wissend, dass aus dem Parlament kein Widerstand zu erwarten ist. Den gab es noch nie in nennenswerter Form.

Es ist im Prinzip mittlerweile völlig unerheblich, ob dieses Parlament aus 709 oder, wie in China, aus 3000 Abgeordneten besteht. Oder aber gar nicht existiert. Unnötiger Kostenfaktor, am Ende werden sowieso nur die Regierungsvorlagen abgenickt. Im Bundesrat lässt man sich ohne Gegenwehr den Föderalismus kaputt machen – zwar gibt es viele Bedenken seitens der Länder aber man schafft es nicht einmal, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Ein erbärmliches Schauspiel.

Es ist eine Zeitenwende

Das Wahlvolk bettelt um die Rückgabe seiner Grundrechte. Sie haben es noch nicht begriffen. Das ist nicht der Plan. Niemals wird es die Freiheiten vor Corona zurückgeben. Dafür sorgt nun auch, nach Regierung und Parlament, der Dritte im Bunde, das Bundesverfassungsgericht. Kürzliches Urteil in Sachen Klimaschutz:

„…künftig können selbst gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein…“

Aber Hallo! Geliefert wie bestellt, besser geht’s nicht. Höchstrichterlich sanktionierte, schleichende Weiterführung der Freiheitseinschränkungen durch Errichtung einer Klima- und Ökodiktatur. Der feuchte Traum aller Grünen und Linken.

Staaten waren noch nie Freunde der Menschen und auch dieser entpuppt sich zunehmend als Räuber und Unterdrücker. Da nimmt es nicht wunder wenn sich diejenigen, die sich an der Spitze der Nahrungskette wähnen, dieses Land als Selbstbedienungsladen betrachten. Unserer Qualitätspresse ist die eingangs erwähnte Unverschämtheit, genannt „Abendsonne“, kaum eine Schlagzeile wert. Nein, gleichgeschaltet wollen wir sie deshalb nicht nennen.

Es ist eine Zeitenwende und der größte Teil der Menschen scheint sich mit den Gegebenheiten abzufinden oder, in leichter Abwandlung einer Gedichtzeile von Klaus Kinski: die Leute merken nicht einmal mehr, wenn sie ihre eigene Pisse saufen. Die einzige Rettung wäre, alle Menschen träten gleichzeitig vor ihre Türen.

Udo Holm

Glücklicher Privatier und Hobbyschreiber mit grimmigem Humor und zunehmender Altersmilde. Geboren im grünen Herzen Deutschlands als Grün noch die Farbe der Blätter und nicht die Beschreibung eines Geisteszustandes war. Als guter Beobachter erkennt er seine Schweine am Gang und lässt sich nichts mehr vom Pferd erzählen. Lebt in Berlin und schreibt im "Spiegelsaal".


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