Und plötzlich ist man nackt

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Jeder hat das Recht seine Meinung frei zu äußern. Das besagt der fünfte Artikel des Grundgesetzes. Und ja, grundsätzlich steht es jedem erstmal frei zu seine Meinung kund zu tun. Doch nicht erst seit dem letzten Jahr sollte bekannt sein, dass verschiedene Meinungen  gesellschaftlich auch verschiedene Reaktionen hervorrufen.

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Während beispielsweise der Maßnahmen-Befürworter  für seinen Mut und seine Courage gefeiert wird, erntet der Kritiker soziale Ächtung, völlig egal wie plausibel und nachvollziehbar seine Argumente auch sein mögen. Immer akribischer werden die Grenzen des Sagbaren verschoben.

Meinungsfreiheit und ihre “Konsequenzen”

Natürlich kann prinzipiell jeder, der sich traut, frei seine Meinung äußern. Doch schneller als je zuvor folgen soziale Nachteile in der Schule oder an der Universität, Probleme im Berufsleben oder Entfreundungen im alltäglichen Umfeld. All dies dient als abschreckender Faktor und nimmt vielen den Mut sich überhaupt politisch jenseits des Mainstreams zu engagieren.

Wer dennoch getrieben von romantischem Idealismus über seinen Schatten springt, trifft schnell auf weitaus größere Widerstände, gegen die ein bisschen soziale Ächtung völlig erträglich wirkt. Jeder rechte Aktivist oder Politiker ist sich dieses Risikos bewusst. Etliche mussten schon am eigenen Leibe ertragen, welche “Früchte” das politische Engagement trägt.

Was meist mit anonymen “Aufklärungsartikeln” in antifaschistischen Internetblogs beginnt, wird weitergeführt mit öffentlichen Anfeindungen, “Platzverweisen” beim Einkaufen oder Ausladungen bei öffentlichen Veranstaltungen. Schnell folgen auch nächtliche Überfälle, beschmierte Hausfassaden, abgefackelte Autos oder Imkereien sowie großflächige Flugblattaktionen im ganzen Ort. Plötzlich ist man nackt, gehäutet, angegriffen an intimen und privaten Orten, die einem eigentlich stets Schutz geboten hatten.

Brandschutz abgeschlossen?

Das alles nur, weil man von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machte. Outet sich der bisexuelle Kollege am Arbeitsplatz, folgen meist Bewunderung und Glückwunschsbekundungen für seine Entschlossenheit damit an die Öffentlichkeit zu treten. Wird das AfD-Parteimitglied beim Vorgesetzten von anonymen Denunzianten angeschwärzt, folgt fast immer die Kündigung ohne Rücksicht auf Verluste.

Politische Ansichten überwiegen Leistung und Qualifikation. Das Kreuz bei der Wahl ist auf einmal wichtiger als der Charakter und die Arbeitsbereitschaft. Junge Aktivisten, die öffentlich in Erscheinung treten, spüren schon vor Beendigung ihrer Ausbildung, dass sie auf dem normalen Arbeitsmarkt womöglich niemals Fuß fassen werden.

Sie wissen, dass sie am besten den Namen vom Klingelschild entfernen, um einer beschmierten Hausfassade und Stress mit dem Vermieter zuvorzukommen und dass sie lieber nicht mit ihren neu erworbenen Autos auf Social Media posieren, bevor diese nicht wenigstens Brandschutz versichert sind.

Solidarisiert euch!

Wer als rechter Akteur in Erscheinung tritt, wird zur Zielscheibe für anonyme Angreifer, die für ihr feiges Vorgehen meist nicht gestellt, aber dafür andernorts als legitime Quelle aufgegriffen werden. Es ist dabei vollkommen unerheblich, für welche Inhalte genau der einzelne steht. Jeder, der öffentlichkeitswirksam Oppositionsarbeit betreibt, ist antifaschistischen Aufklärern ein Dorn im Auge. Da bringt auch Distanzierung im eigenen Lager nichts.

Wer mutig ist, gehört bestärkt. Standhaftigkeit braucht gerade in diesen Zeiten Rückendeckung. Nicht alle können und sollten in der ersten Reihe stehen. Umso wichtiger ist es, solidarisch mit jenen zu sein, die ihren Kopf hinhalten. Dann kann uns auch der Druck von Außen nicht so viel anhaben!

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