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Don’t stop GameStop now

29. Januar 2021

Die neueste Aufruhr an den Finanzmärkten enthält genau den Stoff, aus dem gute Erzählungen sind. Es geht um viel Geld, um sinistre Hedgefonds und umstrittene Spekulationsmethoden. Es geht um die alte Geschichte von den Kleinen, die sich gegen die Großen wehren. Die da unten gegen die da oben. Arme gegen Reiche. Ein scheinbar sicherer Deal geht nach hinten los, weil plötzlich ein digital organisierter Flashmob aus Reddit-Usern gegen abgekaterte Finanzprofis wettet – und dabei mächtig absahnt. Aber ist die Geschichte so einfach?

Alles der Reihe nach: GameStop ist ein us-amerikanisches Einzelhandelsunternehmen, das mit Videospielen und popkulturellem Nippes handelt. Man sieht die kleinen Läden auch in zahlreichen deutschen Fußgängerzonen.

Der zunehmende Onlinehandel und die Kritik an den Verkaufsmethoden von GameStop führen seit Jahren zu einem deutlichen Abschwung des Unternehmens. Man sieht das den Filialen und Mitarbeitern an – hier wird verramscht.

Ende 2020 dümpelte die GameStop-Aktie bei etwa 20 Dollar und für einige Hedgefonds war die Sache ziemlich klar – sie wetteten auf den Kursverfall der GameStop-Aktie und platzierten Leerverkäufe. Alltag an den Finanzmärkten, alles nicht der Rede wert.

Aber jetzt wird die Sache spannend: Im Laufe des Jahres 2020 erlebten aufstrebende Finanzdienstleister wie “Robinhood” einen Aufschwung. Auf unerfahrene Kleinanleger spezialisiert, bieten diese einen günstigen und unkomplizierten Einstieg in den Finanzmarkthandel.

Irgendwie organisierte sich um die Jahreswende dann auf den sozialmedialen Plattformen Reddit und Twitter ein Mob, der sich zum gezielten Kauf der schwächelnden GameStop-Aktie verabredete. Richtig angeheizt wurde dieses riskante Vorhaben noch durch eine Twitter-Nachricht von Elon Musk, der auf die entsprechenden Reddit-Foren verwies.

Was dann folgte, lässt sich am besten in Zahlen beschreiben. Die GameStop-Aktie schoss von 20 Dollar auf 340 Dollar! Für einige Hedgefonds bedeutete diese unerwartete und so gar nicht geplante Kursexplosion ein Milliardenverlust. Das Mitleid darüber dürfte sich allerdings in Grenzen halten.

US-Regierung und Börsenaufsicht zeigten sich über Vorgänge nicht erfreut und mittlerweile hat Robinhood den Handel mit GameStop-Aktien und weiteren Papieren eingestellt, welche ebenfalls beachtliche Kurssprünge zu verzeichnen hatten. Das ist ein direkter Eingriff in die Märkte, der letztlich nur eines zeigt: Am langen Hebel sitzt eben doch die Regierung.

Schnell sind jetzt jene Traumdeuter zu stelle, die diese konzertierte Aktion zur kapitalismuskritischen Revolte der Millenials hochstilisieren. Aber die Sache ist wesentlich komplizierter. Denn mitnichten haben nur Kleinanleger vom Kursanstieg profitiert, sondern auch altbekannte Giganten wie BlackRock.

Die Anonymität des Reddit- und Twittermobs darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Finanzspekulation und Agitation auf sozialmedialen Plattformen eng verwoben sind.

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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