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Weißer Riese Nena

26. März 2021

Nena, Deutschlands bekannteste Popsängerin und darüber hinaus langjähriges Werbegesicht von “Weißer Riese“, hat sich mit den Demonstranten in Kassel solidarisiert, die letztes Wochenende gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung auf die Straße gegangen sind.

20.000 Bürger nahmen nach Angaben der Polizei an der Demonstration teil, aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, wie man diese nicht unbeträchtliche Anzahl an Menschen mit Dreck bewirft, der sich nicht wieder abwaschen lässt. Und genau dafür wurden vor langer, langer Zeit Begriffe wie “rassistisch“, “homophob“, “rechts“ und “antisemitisch“ erfunden.

Das ganze ist eine Art Spiel und es geht so: Ein Prominenter macht sich mit einer dissidenten Strömung gemein. Er muss dafür nicht in vorderster Reihe mitlaufen, nein – es reicht schon, wenn er Verständnis für deren Anliegen zeigt oder sich ganz einfach weigert an öffentlichen Diffarmierungskampagnen teilzunehmen.

Reflexhaft unterstellt dann jener Teil der Presse, für den man seinerzeit das Wort “Lügenpresse“ kreierte (Wort des Jahres 2014), dem besagten Prominenten, dass er sich mit – Sie erraten es! – “Homophoben, “Rechten“, “Verschwörungstheoretikern“, “Rassisten” und “Antisemiten“ gemein mache. Hierbei ist die Reihenfolge streng zu beachten, denn Asoziationsketten dürfen auch unter großer Spannung nicht reissen.

Der letzte Akt dieses immer und immer wieder durchgenudelten Dramas ist dann schließlich die Distanzierung des Prominenten (bzw. seines Managements) von dieser und jeder anderen dissidenten Bewegung. Man entschuldigt sich und beteuert, dass man für Vielfalt, Buntheit und zarte Haferflocken stehe und dann ist die Show als solche auch schon vorbei.

Bei Nena läuft das jetzt wie folgt: Nachdem die Presse der Popsängerin vorgeworfen hat, sie mache sich mit “Chaoten“ und “Rechten“ gemein, äußerte sich Nenas Management gegenüber der BILD wie folgt:

“Die Behauptung, Nena würde sich mit ‚Chaoten‘ und ‚Rechten‘ gemeinmachen, ist absurd und ein Schlag ins Gesicht der tausenden friedlichen Menschen, die dort demonstriert haben. Selbstverständlich ist Nena weder fremdenfeindlich noch homophob.

Sie lehnt jegliche Art von Hass und Gewalt ab und gehört prinzipiell keinem Club an, keiner Partei und auch keinem politisch tätigen Verein. Nena steht für Freiheit, Menschlichkeit und Liebe

Das ist alles soweit vorhersehbar: Nena ist nicht rechts. Nena ist nicht fremdenfeindlich. Nena ist nicht homophob (was hat das jetzt eigentlich damit zu tun?). Nena ist gegen Hass. Nena ist gegen Gewalt. Immerhin, man distanziert sich nicht von den Demonstranten als solche, aber wer sich in diesem Land für irgendwas rechtfertigt, für irgendwas entschuldigt, von irgendwas distanziert, der hat bereits verloren. So, und nicht anders, funktioniert das hier nämlich.

Interessantes Gedankenspiel an dieser Stelle: Stellen Sie sich mal vor, lieber Leser, Nenas Management hätte gegenüber der Bild folgendes verkündet:

Die Behauptung, Nena würde sich mit ‚Chaoten‘ und ‚Rechten‘ gemeinmachen, ist völlig korrekt. Natürlich ist der Begriff “Chaot“ ein Schlag ins Gesicht der tausenden friedlichen Menschen, die dort demonstriert haben. Aber wenn Nena sagt, sie solidarisiert sich mit den Demonstranten, dann meint sie das auch so.

Fremdenfeindlich, homophob? Ganz ehrlich, die Frau hat Werbung für den Weißen Riesen gemacht. Reicht Ihnen das? Alles weitere dann über die Anwälte. Peace, Love and fuck off.”

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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