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Corona-Tagebuch Teil 1.

6. April 2021

Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über „Corona-Maßnahmen“ schreiben, da die schiere Idiotie der Regeln und Anweisungen eine Beleidigung für jeden gesunden Menschenverstand sind.

Trotzdem sollte man sich gelegentlich den Frust von der Seele schreiben und über Erlebtes und Erzähltes berichten – vielleicht auch in der Hoffnung, dass die Nachwelt über derartige Artikel stolpert.

Neulich war ich mit meiner Mitbewohnerin spazieren/wandern. Ein kleiner Rundweg von gut fünf Kilometern lockte uns in die traumhaft schöne Landschaft der Eifel. Dazu muss man sagen, dass wir uns am Hintern Gaias befanden und gerade nicht zwei Minuten vor Aachen oder ähnlichen vorurbanen Berührungspunkten parkten.

Am „Startpunkt“ angekommen – mir schwante bereits Übles, da Städter in ihren typischen 300-Euro-Jack-Wolfskin-Kleidern an uns vorbeiliefen – stand ein riesengroßer Pfeil. „RUNDWEG IN DIESE RICHTUNG“. „Aufgrund der Corona-Maßnahmen darf der Rundweg blabla nur in eine Richtung blabla. Wir bitten um ihr Verständnis.“

Ich gackere hörbar los und eine Städterin dreht sich fragend um. Da ich als gebürtiger Eifler eben nicht nur das Wandern zu schätzen gelernt habe, sondern vor allem das “nicht auf staatliche Obrigkeiten zu hören”, die ohnehin nichts in „meinem Wald“ verloren haben, gehen wir frohen Mutes den Wanderweg in die „falsche Richtung“.

Das Schlimme: Die Jack-Wolfskin-Wanderer („Man kann ja mal auf Nummer sicher gehen…“) laufen uns natürlich alle entgegen und unsere Aerosole konnten im Vorbeigehen kollidieren und sich einen furchtbaren Kampf liefern. Wer steckt wen an? Hypothetisch.

Warum es gefährlicher ist, 400 Meter hinter dem hechelnden Dieter herzulaufen, anstatt ihn dynamisch zu passieren, ist mir bis heute schleierhaft. Im Endeffekt hat es aber keine Sau interessiert, in welche Richtung der Wanderweg geht – bis auf drei Passanten (Den Begriff Wanderer sollte man sparsam benutzen): Die wichen tatsächlich vom Wanderweg aus und passierten uns Regelbrecher in weitem Bogen durch das Gras, als hätten wir das Pestkreuz auf der Stirn.

Weder konnten sich die Aerosole in ihren Nüstern festsetzen, und erst recht nicht an ihren imprägnierten Jacken, an denen ohnehin der Regen abtropft. Hypothetisch. Denn natürlich schien die Sonne, sonst wäre der Jack-Wolfskin-Regenjacken-Besitzer zu Hause geblieben.

Während wir da so langlaufen, stelle ich mir die Zukunft des Wanderns vor: Wenn die Städter mit Masken auf runden Rennbahnen ihre Lebensfrustration bekämpfen, um montags im Steuerrad weiterzulaufen und Kollege Jürgen von dem „wilden Abenteuerausflug“ zu berichten. Das muss der Kreislauf des Lebens sein. Natürlich in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung.

Die Sonne schien und wir beschlossen bei der nächsten Tour noch etwas weiter in die Vulkanwildnis zu flüchten. Und damit ich schleunigst lerne nach Karte und Kompass zu navigieren.

Florian Müller

Der Sklaventreiber-Chef hat diverse Geschwätzwissenschaften studiert und nach eigenen Angaben sogar abgeschlossen. Als geborener Eifeler und gelernter „Jungliberaler“ freundete er sich schnell mit konservativen Werten an – konnte aber mit Christentum und Merkel wenig anfangen. Nach ersten peinlichen Ergüssen entdeckte er das therapeutische Schreiben in der linksradikalen Studentenstadt Marburg, wurde Autor für die „Blaue Narzisse“ und „eigentümlich frei“. Ende 2017 gründete er mit Hannes die Krautzone.

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