Von Florian Mรผller
Deutschland hat sich so sehr in seinem Corona-Wahn festgefahren, dass Politik und Medien kaum mehr รผber den Tellerrand hinausschauen. Falls doch einmal die Medien einen Blick auf die Welt oder die europรคischen Nachbarn werfen, dann meist, um die angeblich minimalinvasiven Maรnahmen der Bundesregierung zu betonen. Klar: Ein Blick nach Frankreich, wo die Regierung viel krassere Einschrรคnkungen der Bewegungsfreiheit implementiert hat, oder nach Ostasien, wo Personen von der Polizei verprรผgelt werden, wenn sie die Sperrstunde nicht eingehalten haben, sorgt fรผr mehr Akzeptanz der โmildenโ Maรnahmen von Bund und Lรคndern. Doch gibt es auch Lรคnder, die keinen Lockdown verhรคngt haben, oder vom โDeutschen Wegโ abweichen.
SCHWEDEN
Das bekannteste Beispiel eines ganzen Staates, der nach bundesdeutscher Einschรคtzung als โCoronaleugnerโ gelten muss, ist Schweden. Das gemรผtliche Land in Skandinavien, das normalerweise durch hohe Steuern, Masseneinwanderung und Clankriege glรคnzte, fuhr von Anfang an eine liberale Coronapolitik, die mit Empfehlungen arbeitete – also auf die Einschรคtzungen und die Umsicht der Bรผrger baute. Gleichzeitig gab es aber auch einige โharteโ Gesetze, wie das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen, unter gewissen Bedingungen durften sogar noch 300 Personen zusammenkommen.
Maskenlos durch Bullerbรผ
Ende November dann die Wende: Der schwedische Sonderweg wurde aufgrund massiver internationaler Kritik beendet, das Land knickte unter dem รถffentlichen Druck ein und erlieร erste Maรnahmen. Trotzdem bleiben beispielsweise Bars und Restaurants offen und eine Maskenpflicht gibt es erst Recht nicht. Die Sรผdwestpresse fasst zusammen: โManches in Schweden wirkt fรผr Mitteleuropรคer wie aus einer anderen Welt: Wรคhrend Masken aufgrund von wissenschaftlichen Zweifeln an ihrem Nutzen komplett verpรถnt sind, wurden Personen mit positiv getesteten Familienmitgliedern im Haushalt bis vor Kurzem weiter zum Arbeiten geschickt. Ebenso sollten die Geschwister von positiv getesteten Kindern anfangs weiter die Schule oder die Tagesstรคtte besuchen, statt in Quarantรคne zu gehen.“
Feiern noch mรถglich
Selbst nach den โharten Gesetzenโ, die von vielen Corona-Fetischisten als Niederlage Schwedens eingeordnet werden, bleiben die Geschรคfte offen. Bars und Restaurants mรผssen um 22:00 den Alkoholausschank beenden. Freiheitliche Kritiker werfen der Regierung aber eine unmoralische Strategie vor. Da Virus-Infektionen im Normalfall nach einer Hochphase von allein wieder sinken, werde sich die Regierung die automatisch sinkenden Zahlen nun auf die eigene Fahne schreiben. Dadurch wirke es so, dass das schรคrfere Handeln der Regierung tatsรคchlich eine Reduktion der Zahlen mit sich gebracht habe. Hinweise in diese Richtungen zeigen die massiv eingebrochenen Sterbezahlen ab dem 25. Vovember.
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Zur Erinnerung: Einen Tag zuvor wurden die hรคrteren Maรnahmen von der Regierung eingefรผhrt. Da wir aufgrund der zeitlichen Verzรถgerung aber immer das Bild vor zwei Wochen sehen – im Falle eines Corona-Todesfalles sogar noch lรคnger – ist bereits der Zustand von Anfang/Mitte November fรผr das jetzige Bild verantwortlich. Man muss also von einem Scheinzusammenhang sprechen. Dass weniger Schweden sterben, hat nichts mit dem neuen Kurswechsel zu tun!
Aber auch bei den positiv Getesteten sieht man keinen klaren Trend. Die Zahl der Neuinfektionen schwankt auf vergleichsweise hohem Niveau vor sich hin. Die Einschrรคnkungen Ende November zeigen noch kein Wirkungen, man wird die nรคchsten Tage abwarten mรผssen. Sollten die Zahlen sinken, wird diese Entwicklung natรผrlich auch auf das Konto der Regierung gebucht werden.
Schweden gilt als eines der Lรคnder mit der hรถchsten Infektionsrate und der grรถรten Sterberate nach den USA. Ein Blick auf die Zahlen zeigt allerdings auch hier die mรครige Gefรคhrlichkeit des Virus. Bei 278,912 positiv Getesteten starben 7.067 Schweden mit oder an dem Corona-Virus, was einer Letalitรคt von circa 2,5 Prozent entspricht.
SCHWEIZ
Dass staatliche Maรnahmen รผberhaupt keinen Einfluss auf die Entwicklung des Virus zu haben scheinen, zeigen die aktuellen Zahlen aus der Schweiz.
Im Frรผhjahr ergriff die Schweiz starke Maรnahmen gegen das Virus, die denen Deutschlands รคhnelten, im Herbst hat man sich, trotz hรถherer Infektionszahlen, nicht verrรผckt gemacht. Zeitweise stand die Politik auf der Kippe, doch der โBundesrat behรคlt die Nervenโ, wie die โNeue Zรผrcher Zeitungโ dazu schrieb. Zwar stiegen die Zahlen der kritischen Fรคlle im November weiter an, doch wie von Zauberhand eine รคhnliche Entwicklung wie in Schweden: Die Zahlen sinken von alleine wieder.![]()
Auch die Relotiusmeldung des Jahres vom deutschen LรGEL, dass bereits alle Schweizer Intensivbetten belegt seien, enpuppte sich schnell als peinliche Falschmeldung, die sofort von zig Schweizer Medien zerrissen wurde. Mit den potenziellen Intensivbetten war man gerade einmal bei einer Auslastung von etwas รผber 50 Prozent.
DEUTSCHLAND
Dass am deutschen Wesen bekanntlich die Welt genesen soll, zeigt die hochnรคsige Kritik an den freiheitlichen Schmuddelkindern Schweden und Schweiz. Gleichzeitig ist ein โharter Lockdownโ im Gesprรคch, wie regierungsnahe Medien verlautbaren lassen.
Merkel wolle einen Schritt weitergehen. Warum? Weil die Infektionszahlen nicht sinken. Kรถnnte es also, womรถglich, ganz vielleicht, eventuell sein, dass der โLockdown-Lightโ in Deutschland รผberhaupt keine Wirkung auf das komplexe Infektionsgeschehen (Kreuzreaktivitรคt normale Grippe, mehr Testungen, schlechte PCR-Tests, falsch-positive Zahlen) hat? Sicher gesagt werden kann das freilich nicht, aber es ist mehr als nur mรถglich. Es ist wahrscheinlich.
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Seit fast einem Monat ist das รถffentliche Geschehen in Deutschland wieder massiv eingeschrรคnkt worden. Das Ergebnis ist quasi nicht messbar: wir befinden uns permanent an der Schwelle zu 25.000 Neuinfektionen am Tag und gleichen mit unseren starken Schwankungen den Schweden aufs Haar.
Folgt der harte Lockdown?
Welche Szenarien sind wahrscheinlich? Regierungsnahe Kreise um das RKI und Jens Spahn tendieren mittlerweile zum harten, aber kurzen Lockdown, der angeblich das Infektionsgeschehen durchbrechen kรถnne. Der ist vor Weihnachten politisch aber kaum umzusetzen, was eine Fรผgung Fortunas sein kรถnnte, sollten die Zahlen von selbst sinken.
Denn es entsteht gerade ein spannender Wettlauf zwischen Regierung und Virus. Sollte die Infektionsrate konstant bleiben oder wรคhrend oder unmittelbar nach Weihnachten fallen, obwohl die Menschen sich vermehrt besuchen, die Regierenden stรผnden ohne Hose da.
Das Ziel des Gesundheitsministeriums und der Regierung wird deutlich: Unmittelbar vor den markant fallenden Zahlen einen โharten, kurzen Lockdownโ einfรผhren, um sich die Punkte fรผr die ohnehin sinkenden Infektionszahlen aufs eigene Konto zu buchen. Dazu muss man aber gut Pokern kรถnnen.
Denn die Zahlen werden so oder so wieder fallen: Zum einen wird die Testfreudigkeit der Menschen abnehmen, die bei jedem Rรคuspern zur nรคchsten Teststation laufen, zum anderen wird das passieren, was nach jeder Grippewelle passiert: Die Zahlen werden genau so schnell fallen, wie sie gestiegen sind. Verantwortlich ist dafรผr keine Regierung, sondern Mutter Natur.
Hier ein lohnenswerter Artikel aus der Schweiz รผber den nervenstarken Bundesrat:
https://www.nzz.ch/meinung/kein-lockdown-keine-panik-der-bundesrat-behaelt-im-corona-stress-die-nerven-das-verdient-respekt-ld.1587599
