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SPD nutzt VS um Kandidatur von Joachim Paul zu verhindern

9. August 2025
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Der Wahlausschuss zur Oberbรผrgermeisterwahl in Ludwigshafen am Rhein hat den AfD-Landtagsabgeordneten Joachim Paul nicht zugelassen. Der aussichtsreichste Kandidat scheidet noch vor der Wahl aus. Grund ist ein Gutachten des rheinland-pfรคlzischen Verfassungsschutzes, das „NIUS“ kรผrzlich verรถffentlicht hat. Was in diesem Schriftstรผck steht, sagt mehr รผber seinen Urheber aus als รผber Joachim Paul.

Mithilfe dieses Schreibens konnte der Wahlausschuss seine Zweifel an der Verfassungstreue des umtriebigsten rheinland-pfรคlzischen AfD-Abgeordneten begrรผnden. Daraufhin schloss er den Bewerber fรผr die Wahl am 21. September aus. Das Brisante: Sowohl die Stadt Ludwigshafen als auch das Landesministerium des Inneren, dem der Landesverfassungsschutz untersteht, sind SPD-gefรผhrt (Jutta Steinruck, parteilos, die aktuelle Oberbรผrgermeisterin der wiederholt โ€žhรคsslichsten Stadt Deutschlandsโ€œ, war bis 2023 SPD-Mitglied).

Bei den Bundestagswahlen lag die AfD in Ludwigshafen bei den Zweitstimmen deutlich vor der SPD. Aber ein Motiv reicht bekanntlich noch nicht, um einen argwรถhnischen Verdacht zu erhรคrten. Der drรคngt sich in aller Deutlichkeit auf, liest man die Einschรคtzung Pauls durch den Landesverfassungsschutz. In ihm sind zahlreiche รถffentliche ร„uรŸerungen des vorfeldaffinen AfD-Landespolitikers zusammengetragen. Keine ist strafbar, fรผr keine dieser ร„uรŸerungen wurde Paul jemals angezeigt. รœberdies sind sie vรถllig harmlos; zum Beispiel in Bezug auf die Amazon-Serie โ€žDie Ringe der Machtโ€œ:

โ€žTatsรคchlich spiegelt das gesamte Werk Tolkiens eine konservative Geisteshaltung wider, die gerade weil sie ohne Weiteres in die Breite wirkt, von besonderem Wert fรผr den zeitgenรถssischen Konservatismus ist. Die Protagonisten im โ€žHerrn der Ringeโ€œ kรคmpfen fรผr eine Sache, die grรถรŸer ist als sie selbst, die Heimat, den Fortbestand ihrer Kultur, eine gerechte Ordnung, die Abwehr einer Weltgefahr. Sie sind bereit, ihr Leben dafรผr aufs Spiel zu setzen. Auch wenn sie sich frei fรผr diesen Weg entscheiden, spรผren sie eine tiefe Verpflichtung ihrem Volk, ihrer Kultur, ihren Vorvรคtern gegenรผber.โ€œ

In der Literaturwissenschaft wรผrde diese Interpretation des โ€žHerr der Ringeโ€œ-Schรถpfers Tolkien vermutlich kommentarlos fรผr selbstverstรคndlich genommen. Und trotzdem reicht sie unter der Herrschaft des Verdachts aus, um Joachim Paul sein passives Wahlrecht โ€“ also das vornehmste Recht, gewรคhlt zu werden โ€“ einzuschrรคnken. Der Kampf fรผr โ€žeine gerechte Ordnung, die Abwehr einer Weltgefahrโ€œ als verfassungsfeindliche Agitation.

Statt der 177.000 Ludwigshafener (ca. 120.000 Wahlberechtigte) entscheidet somit der Wahlausschuss โ€“ zusammengesetzt aus Politikern aller wesentlichen Parteien mit Ausnahme der AfD โ€“ รผber die Zukunft der Stadt. Denn den Kandidaten von Deutschlands grรถรŸter und einzig ernstzunehmender Oppositionspartei von der Wahl auszuschlieรŸen, ist mehr als ein formaler Akt der Bewerberรผberprรผfung. Es ist bereits eine Richtungsentscheidung, die einen Kurswechsel verunmรถglicht; beinah unnรถtig zu erwรคhnen, dass in einer Stadt, in der ein knappes Drittel der Einwohner nicht einmal auf dem Papier โ€žDeutscheโ€œ sind, eine gรคnzlich alternative politische Weiterentwicklung noch dringender nรถtig wรคre als anderswo.

Zwar hat Paul rechtliche Schritte gegen seinen Ausschluss von der Wahl angekรผndigt, aber der Fall macht jetzt schon deutlich, dass zwar das Recht, nicht aber dessen gegenwรคrtige Auslegung auf seiner Seite steht. Auch darf erwartet werden, dass dieser Wahlausschluss erneut nach hinten losgeht und der AfD am Ende mehr Sympathien als Nachteile bringt. Jedoch zeigt er die Panik, welche die selbsterhobenen โ€žRetter der Demokratieโ€œ beherrscht und zu immer energischerem und widersprรผchlicherem Legitimitรคts-Aktivismus antreibt. AuรŸerdem offenbart er die Lage Macht- und Rechtsverhรคltnisse. Aus Sicht des Ludwigshafener Wahlausschusses schรผtzt die Legitimitรคt seines Vorgehens die Legalitรคt des Grundgesetzes vor dem Missbrauch. Das heiรŸt: Harte Zeiten fรผr die Demokratie bedรผrfen harter MaรŸnahmen.

Denn was im Namen โ€žVerfassungsschutzโ€œ bereits anklingt, bezeichnet eine staatsrechtliche Notwendigkeit, die dem Fall in Ludwigshafen zugrunde liegt. Kein Gesetz, keine Verfassung und keine freiheitliche demokratische Grundordnung kann sich selbst durchsetzen. Sie alle bedรผrfen eines โ€žHรผters der Verfassungโ€œ, der auf die Einhaltung der Normen achtet und รœbertretungen sanktioniert. Wenigstens teilweise muss diese Autoritรคt auรŸerhalb des Gesetzes stehen, denn ein Gesetz lรคsst sich nicht auf dem Weg des Gesetzes durchsetzen, sondern nur durch den (wiederum gesetzesgeleiteten) Einsatz der Staatsgewalt. Der Einsatz staatlichen Zwangs muss als Drohung und รคuรŸerste Mรถglichkeit immer im Hintergrund stehen, um die Bรผrger zur Einhaltung der Gesetze und โ€“ wie hier: Verbote โ€“ zu bewegen. Bei diesen handelt es sich insofern nur um โ€žzivilisierteโ€œ Erscheinungsformen des staatlichen Gewaltmonopols. Ganz offensichtlich hat im Beispiel der Ludwigshafener Oberbรผrgermeisterwahl niemand die Absicht, bis zum ร„uรŸersten zu gehen. Doch die grundsรคtzliche รœberlegung zeigt, dass zum Erhalt der legalen Ordnung immer die Mรถglichkeit der รผberlegalen Rechtsicherung im Raume stehen muss.

Der Ausschluss der Alternative fรผr Deutschland von der Bรผrgermeisterwahl ist daher aus der Sicht des etablierten Parteienkartells alternativlos. Der formal vorgegebene Rahmen wird weiterhin eingehalten, doch durch die Legitimitรคtskeule der โ€žRettung des Grundgesetzesโ€œ zunehmend verbeult. Irgendwann wird er brechen. Dann herrscht die hysterische Willkรผr schrankenlos. MรครŸigung ist hier nicht zu erwarten. Das Einzige, was helfen wรผrde, wรคre die Normalisierung der AfD-Positionen. Da dies aber vonseiten der Altparteien ebenso wenig zu erwarten ist, kann der Fall der verhinderten Wahl des Oppositionskandidaten Paul als weiteres Muster gelten, das die Widersprรผchlichkeit der herrschenden Ordnung einer wachsenden Zahl Unzufriedener vor Augen fรผhrt.

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Sie haben Angst und sind in Panik.
    Aber so zeigen sie ihr Gesicht, denn die Masken sind gefallen.
    Bessere Werbung kann es fรผr eine Partei nicht geben.
    Ich wรผnsche Paul alles erdenklich Gute, bei seinem juristischen Weg.
    Denn auch da sind die Umtriebe in vollem Gange.

  2. Wer das passive Wahlrecht (steht im GG) beschneidet ist ein Verbrecher und es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie bestimmen wer wรคhlen darf.

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