Als ich meine letzte Kolumne schrieb, war Kabul noch nicht gefallen und der Kriegsschauplatz Afghanistan interessierte hierzulande hรถchstens ein paar Leser von Peter Scholl-Latour. Die letzten 20 Jahre war das so gelaufen und wer allen Ernstes dachte, dass der Abzug der NATO blรผhende Landschaften am Hindukusch hinterlassen wรผrde, dem ist eh nicht zu helfen.
Das bringt mich dann direkt zu meinem eigentlichen Anliegen, denn die Sache ist die: Meine letzte Kolumne stand unter dem Eindruck der niedergeknรผppelten Corona-Demo in Berlin. Ich hatte damals bemรคngelt, dass die Gegner der staatlichen Maรnahmen nicht in der Lage wรคren, die โMacht der Bilderโ fรผr sich zu nutzen.
Ich weiร wovon ich schreibe, denn wir erhalten hรคufig Einsendungen von Demo-Teilnehmern. Aber wenn es dann um die Bebilderung der Artikel geht, also um den ersten, รคuรeren und nachdrรผcklichen Eindruck, dann herrscht Ratlosigkeit. Das mitgesendete Bildmaterial zeigt oftmals Szenen, die dem rheinischen Karneval nicht unรคhnlich sind: Alte Frauen mit selbstgebastelten Kostรผmen. Alte Mรคnner mit Pappschildern und Regenbogenflaggen.
Soll ich so etwas benutzen um einen Bericht zu bebildern, in dem haarklein die รbergriffe der Staatsmacht geschildert werden? Ernsthaft? Ich hรคngte meiner letzten Kolumne also die Aufforderung an, endlich die Macht der Bilder zu nutzen.
Bildquelle: Ronald L. Haeberle, Wikicommons, gemeinfrei
Kaum teilten wir den Artikel auf unseren Netzkanรคlen, kommentierte auch schon ein Nutzer in offensichtlich versierter Manier: โ… halte ich fรผr sinnfrei. Die „Macht der Bilder“ wird vom Mainstream und vor allem der gleichgeschalteten Presse exzessiv genutzt, so das der gemeine Bรผrger dahingehend vollkommen abgestumpft ist. Dem gemeinen SchlafSchaf sind diese Bilder vollkommen egal und interessieren ihn auch nicht.
Aber spielt eh keine groรe Rolle mehr. Denn wenn diese „Regierung“ tatsรคchlich die C- Apartheit derart ausweitet, das ungeimpfte dann nicht mal mehr die Dinge des tรคglichen Bedarfs einkaufen kรถnnen, dann haben wir schlicht und ergreifend einen Bรผrgerkrieg nebst gewaltsamen Plรผnderungen der Geschรคfte, welche diese Dinge des tรคglichen Bedarfs vorhalten.โ
Bildquelle: S.Sgt. Albert R. Simpson, Wikicommons, gemeinfrei
Man sehe mir die spรคte Antwort nach, aber hier ist sie nun: Vielen Dank, Herr B., vielen Dank fรผr diesen รผberaus qualifizierten Kommentar. Ich gehe davon aus, dass Sie meine Antwort nicht lesen werden, denn dafรผr mรผssten Sie ja die ganze Kolumne lesen und nicht bloร den Anreiรer.
Nicht nur dem Inhalt ihres Kommentars (SchlafSchafe, C-Apartheit, Bรผrgerkrieg) nach, sondern auch ihrem Profilbild entnehme ich, dass Sie bekennender Anhรคnger einer Klientel sind, welche in Kennerkreisen unter dem Begriff โAfD-Boomerโ firmiert. Ich habe mit dieser Gruppe an und fรผr sich keine Probleme, denn ich pflege keinen direkten Kontakt zu ihr. Allerdings fรคllt sie mir immer dann unangenehm auf, wenn sie sich glaubt zu Dingen รคuรern zu mรผssen, von denen sie offensichtlich keine Ahnung hat – in diesem Fall also: Fragen der Form.
Bilder haben Macht, lieber Herr B. Als 1975 Saigon fiel, werden sie als Kind oder Jugendlicher die Fernsehberichte und Zeitungsseiten gesehen haben. Sie wussten zu dem Zeitpunkt vielleicht noch nicht, wo Saigon liegt oder was da gerade passiert, aber sie haben Bilder gesehen von Menschen, die Dรคcher erklimmen, um in wartende Hubschrauber zu gelangen.
Je nach dem wie alt Sie sind, haben Sie das Vorspiel zu Saigon miterlebt: den Vietnamkrieg. Sie saรen als Knirps vor der Mattscheibe und sahen amerikanische Soldaten durch Urwรคlder stapfen, sie sahen Napalmexplosionen und tote Vietnamesen.
Als die Amerikaner ihr โEngagmentโ in Vietnam verstรคrkten, verfolgten sie keine gezielte Pressepolitik. Reporter zeigten vor den Armeebasen ihre Presseausweise, steckten den Hubschrauberpiloten eine Schachtel Lucky Strike zu und lieรen sich an die vorderste Front bringen. Das Verteidigungsministerium kam รผberhaupt nicht auf die Idee zu รผberprรผfen, wer da eigentlich was filmt oder fotografiert.
Wenn also im Laufe der 1960er im ganzen Westen junge Leute gegen den Krieg in Vietnam auf die Straรe gingen, dann, weil die Bilder, die gottverdammten B I L D E R, sie dazu gebracht hatten.
Die Taliban sind jetzt in Kabul eingerรผckt und die ganze Welt schaut dabei zu, wie das ehemals mรคchtigste Militรคrbรผndnis der Welt, die NATO, mit aller Macht versucht einen einzigen beschissenen Flughafen freizuhalten. Diese Bilder laufen in unseren Medien รผber die Bildschirme, sie laufen in jedem islamischen Land der Welt und natรผrlich auch in China.
Jeder Moslem sieht jetzt seinen Glaubensbrรผdern im fernen Afghanistan dabei zu, wie sie nach 20 Jahren Guerillakrieg die Frรผchte ihrer blutigen Arbeit ernten. Die Bilder รผberfรผllter Frachtmaschinen sind auch eine deutliche Botschaft an jeden Taiwanesen, der im Falle einer chinesischen Invasion auf amerikanischen Beistand hofft. Oder an jeden Polen, Balten und Ukrainer, der sich seine Gedanken รผber einen russischen Angriff macht.
In diesem Sinne, lieber Herr B., liebe Leser, liebe Teilnehmer von Corona-Demos – der Aufruf steht immer noch:
Du warst auf einer Corona-Demo und hast Bilder gemacht? Dann her damit! Sende dein bestes Bild an re*******@********ne.de (Betreff: Demobild) und gewinne tolle Prรคmien!

