Miriam Rehm, Professorin fรผr Sozioรถkonomie an der Uni Duisburg, sagt sicher nichts Neues, wenn sie im Interview mit der „Sรผddeutschen Zeitung“ ihre rhetorische Frage gleich selbst beantwortet:
โWarum sollte jemandem leistungslos, nur durch das Glรผck der Geburt, weitgehend steuerfrei Vermรถgen in den Schoร fallen? Dafรผr gibt es nur einen Grund: Reiche haben in Deutschland zu viel Macht.โ
Rehm war eine von vielen, die im Januar wieder einmal die nationale und die globale Ungleichheit der Vermรถgensverteilung anprangerten. Zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos wartete die Hilfsorganisation Oxfam mit der Behauptung auf, die etwa 3.000 Milliardรคre der Welt seien seit 2020 inflationsbereinigt um 80 Prozent reicher geworden. Die zwรถlf reichsten Menschen hรคtten nun mehr Geld als die รคrmste Hรคlfte der Weltbevรถlkerung. โSuperreiche stรผtzen ihre Macht durch finanzielle Einfluรnahme auf Politik, Eigentum und Kontrolle von Medien und direkten Zugang zu politischen รmternโ, warnte Oxfam. โDas gefรคhrdet die Demokratie.โ Elon Musk, der reichste Mann der Welt, verdient Oxfam zufolge in vier Sekunden so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.
Kehren wir vorerst nach Deutschland zurรผck. Laut Miriam Rehm ist die Ungleichheit der Vermรถgen nicht nur hierzulande sehr hoch, sondern auch im Vergleich zum Rest Europas, weil nur etwa 40 Prozent der Deutschen Wohneigentum besitzen:
โMenschen mit niedrigem Einkommen haben hรคufig nur einen Notgroschen und bekommen darauf kaum Zinsen. Reiche dagegen, die oft Unternehmen besitzen, erhalten Profite. Das Vermรถgen der รคrmeren Hรคlfte besteht groรteils aus einem Auto und Ersparnissen auf der Bank. Wie wir berechnet haben, erzielen sie damit eine Rendite von durchschnittlich ein Prozent. Das reichste Zehntel der Bevรถlkerung besitzt neben Immobilien vor allem Anteile an Unternehmen und erzielt damit eine Rendite von durchschnittlich mehr als sechs Prozent. Reiche kassieren somit weit hรถhere Renditen, so daร ihr Vermรถgen strukturell schneller steigt und sich die Ungleichheit verschรคrft.โ
Gleichwohl bleibt Miriam Rehm Realistin und weiร, daร Menschen von Natur aus ungleich sind:
โNiemand fordert eine vรถllige Gleichverteilung. Eine Marktwirtschaft braucht Anreize, durch Anstrengung oder Erfindungen mehr Geld zu verdienen als andere. Aber: Die aktuelle Ungleichheit schadet Deutschland. Die Konzentration des Reichtums fรผhrt zu politischer Macht, die zunehmend den Sozialstaat aushรถhlt. Reiche zahlen wenig Steuern, so daร viele Milliarden Einnahmen fehlen. Altersvorsorge, Wohnen, Bildung oder Gesundheit werden weniger staatlich organisiert und zum Teil privatisiert. Die gesetzliche Rente reicht bei armen Menschen nicht mehr aus fรผrs Alter, Krankenkassen decken weniger Leistungen ab, und es gibt weniger sozialen Wohnungsbau.โ
Die ungleiche Vermรถgensverteilung mag manchem ein Skandalon sein, in Wahrheit handelt es sich um eine Jahrzehnte alte Lebenslรผge der Bundesrepublik. (Der Autor dieses Artikels gesteht an dieser Stelle, daร er schon 1976, also vor fast 50 Jahren, unter dem Pseudonym โPeter Kilianโ im klassenkรคmpferischen Impetus eine Streitschrift รผber den Mythos der โsozialen Marktwirtschaftโ verรถffentlicht hat: โWer hat Angst vor Marx und Engels? Sozialismus oder Marktwirtschaftโ, Verlag Andreas Achenbach, Lollar) Bereits 1972 hatte Hugo Ritter, Diplom-Volkswirt und langjรคhriger Korrespondent des „Handelsblatts“, im Rowohlt Taschenbuch Verlag sein Buch โVerrat an der sozialen Marktwirtschaft? Wirtschaftspolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeitโ drucken lassen. Er kam zu folgendem Resรผmee:
โUnter der Herrschaft der Marktwirtschaft erfolgte eine Umverteilung des Vermรถgens zugunsten derer, die schon als reich gelten konnten. Es wurde schlieรlich in kรผrzester Zeit noch einmal bestรคtigt, daร der marktwirtschaftliche Mechanismus nicht automatisch zu sozialer Gerechtigkeit fรผhrt. Es geht um Macht. So wird erneut das Bemรผhen deutlich, das einfluรreiche Kreise des Establishments an den Tag legen, um die Lebendigkeit der Marxschen Lehre zu demonstrieren. Denn durch das Streben wirtschaftlicher Krรคfte, die Beziehung zwischen รkonomie und Politik so kurz wie mรถglich zu schlieรen, erhielt der marxistische Begriff vom ยดMonopolkapitalismusห neue Realitรคt…. Jedenfalls ist die politische Macht des Volkes viel kleiner als die der happy few. Damit ist aber die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, zur Farce geworden. Die soziale Marktwirtschaft hat es nie gegeben.โ


Diejenigen die am lautesten รผber Superreiche zetern sind zu groรen Teilen besonders eifrige Kunden von Amazone, รppel, Bรคhpal, MรคcDarmreiz & Co. Teil des Problems, aber andere sollen es diktatorisch lรถsen.
Mit Ludwig Erhard war es allerdings noch so frei und so wenig sozialistisch, dass keiner Anstoร am „Sozialanteil“ nahm, zumal Geburtenrate „boomte“, man sich den kleinen Teil Sozialismus leistete, aber auch leisten konnte. Erst „Willy Brandt“ mit seiner sozialistischen SPD konnte die Bundesrepublik รถkonomisch, ethisch bzw. geistig-moralisch in jenen Abgrund fรผhren, welchen wir kurz mit „68er“ umschreiben und jenen bis heute noch immer weiterfรผhren. Es geht alles seinen sozialistischen Gang!