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Das Abendland wird am Schreibtisch verteidigt!

10. Februar 2022

In digitalen Zeiten ist schnelle Kommunikation der Normalzustand. Täglich schreiben wir uns Nachrichten, senden uns Videos und Bilder. Und das alles in Echtzeit, ohne jegliche Verzögerung – vorausgesetzt, wir haben Netz. Doch die Schattenseiten dieser Entwicklung werden immer weiter offenbar: Die Nachrichten sind zahlreich, kurz und oberflächlich, teilweise völlig geistlos.

Manche schreiben sie, ohne groß nachzudenken. Ohne sich zu konzentrieren; Konzentration ist durch die Reizüberflutung kaum möglich. Apps wie Telegram und WhatsApp haben dabei ein Medium, welches über Jahrhunderte eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Menschen war, ersetzt: den Brief.

Wir sollten wieder (mehr) Briefe schreiben. Nicht nur Beschwerdebriefe an das Finanzamt, sondern Briefe an unsere Freunde, an Personen, die uns wichtig sind. Das Schreiben eines Briefes erfordert Ruhe und Konzentration, es hilft dabei, seine Gedanken zu ordnen und sein eigenes Schriftbild zu üben, und es stärkt die soziale Verbindung zum Empfänger des Briefes.

In gewisser Weise erfüllt das Briefeschreiben eine Art „therapeutisches Bedürfnis“, das viele von uns – so wette ich – in sich verspüren, und der Besuch bei einem tatsächlichen Therapeuten kann damit wunderbar umgangen werden – schließlich soll das Therapeutentum einen ohnehin nur für die Knechtschaft der Moderne gefügig machen.

Schriftlich lassen sich viele Dinge wesentlich leichter ausformulieren, als wenn man sie Angesicht zu Angesicht aussprechen müsste; zumal man nicht Gefahr läuft, vom Gegenüber unterbrochen zu werden und dadurch den eigenen Gedankenfluss zu verlieren. Kurz gesagt: Briefeschreiben kann, ähnlich wie das Führen eines Tagebuches (was ich euch aus denselben, oben genannten Gründen ebenso empfehlen kann), als ein geistiges Äquivalent zum (Kraft-) Sport angesehen werden.

Und wer es ganz ordentlich machen möchte, kann sich die altdeutsche Schreibschrift beibringen (lassen) und somit ein noch ästhetischeres Schriftbild erwerben. Der rechte YouTuber Klemens Kilic hat dazu ein hilfreiches Video auf seinem Kanal zur Verfügung gestellt. Also los: Nehmt Papier und Feder zur Hand und schreibt denjenigen, die euch wichtig sind!

Fridericus Vesargo

Aufgewachsen in der heilen Welt der ostdeutschen Provinz, studiert Vesargo jetzt irgendwas mit Musik in einer der schönsten und kulturträchtigsten Städte des zu Asche verfallenen Reiches. Da er als Bewahrer einer traditionsreichen, aber in der Moderne brotlos gewordenen Kunst am finanziellen Hungertuch nagen muss, sieht er sich gezwungen, jede Woche Texte für die Ausbeuter von der Krautzone zu schreiben. Immerhin bleiben ihm noch die Liebesgrüße linker Mitstudenten erspart…


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