Der Irankrieg zieht sich hin

15. April 2026
in 3 min lesen

Mit dem Irankrieg hat sich Trump verzockt โ€“ dieses Urteil รผber das Mรถchtegern-Husarenstรผck stand im Grunde schon mit dem Beginn der Kampfhandlungen am 28. Februar dieses Jahres fest. Eher unklar war, in welchem AusmaรŸe sich die Fehlkalkulation sowohl auf seine politische Karriere als auch auf die geopolitische Situation des US-Imperiums auswirken wรผrde.

Gute sechs Wochen spรคter wird immer deutlicher, was schon lรคngst klar war: Der Krieg wird sich in die Lรคnge ziehen, die traditionellen Verbรผndeten sind โ€“ bis auf einen, den grรถรŸten Alliierten von allen โ€“ nicht an diesem Krieg interessiert, und das Regime in Teheran denkt nicht an die Aufgabe, wรคhrend die Rebellion der Bevรถlkerung, die angeblich kurz bevorstand, auf sich warten lรคsst. Trump hatte wohl geglaubt, das Playbook der Entmachtung Maduros noch mal durchspielen zu kรถnnen und mit der Tรถtung der obersten Fรผhrer des Regimes dasselbige unwiderruflich ins Wanken und damit zu Fall zu bringen โ€“ aber die Mullahs sind eben nicht Maduro und der Iran nicht Venezuela.

Nachdem offensichtlich wurde, dass das eigentliche Ziel, der Regime-Change innerhalb weniger Tage, nicht erreicht wรผrde, kam es zum bereits bekannten Herausreden aus einer seine Wรคhler irritierenden Situation, zum Nichtanerkennen des eigenen Versagens und zu einer Verdrehung der Tatsachen, wie wir es eigentlich sonst nur vom politischen Gegner gewohnt sind.

Trump, der ja eigentlich versprochen hatte, sich aus den Forever-Wars herauszuhalten, muss nun seinen Anhรคngern erklรคren, weshalb dieser Krieg sich รผberhaupt hรคtte lohnen sollen. Fรผr wessen Interessen soll der Krieg gefรผhrt werden? Inwiefern profitiert โ€žAmerica Firstโ€œ von einer Intervention im Iran?

Einerseits steht fรผr viele im Raum, dass der Krieg in erster Linie die Verbรผndeten des Irans schwรคchen sollte โ€“ die Russen, die einen Teil ihrer Waffen aus dem Iran bekommen, und die Chinesen, die einen nicht unerheblichen Teil ihres ร–ls aus dem Iran importieren. Die genaue Genese der Kriegsursachen und des Casus belli werden wohl erst die Historiker nach uns feststellen kรถnnen, doch scheint dieser Teil der Erklรคrung nicht ausreichen zu kรถnnen.

So ist Joe Kent, der ehemalige Leiter des National Counterterrorism Center unter der Trump-Administration, ein idealer Kronzeuge fรผr eine andere These zur Ergrรผndung der Kriegsursachen: Er trat nรคmlich erst kรผrzlich, im Mรคrz, von seinem Posten zurรผck. Mit welcher Begrรผndung? โ€žIch kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstรผtzen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung fรผr unser Land darโ€œ, so ein Teil seiner Begrรผndung, aber es geht noch weiter: Der Krieg sei letztlich auf Druck der einflussreichen israelischen Lobby auf das WeiรŸe Haus zustande gekommen.

Dass die Israel-Lobby tatsรคchlich einen groรŸen Einfluss auf die amerikanische Politik hat, ist ein offenes Geheimnis. Dass Trump viele Rechtszionisten in seinen Reihen hat, die bedingungslos hinter Israel stehen, ebenso. Und dass die israelische Regierung ein Interesse am Sturz des Todfeindes in Teheran hat โ€“ auch das ist eine Binsenwahrheit fรผr jeden, der es wahrhaben will.

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Die Art und Weise, wie sich die Trump-Administration aus diesem Debakel herauswindet, dรผrfte die eigene Basis noch mehr vor den Kopf stoรŸen als der Krieg selbst.

So zum Beispiel der Konflikt mit Papst Leo XIV., der Trumps โ€žAllmachtsfantasienโ€œ kritisierte, ohne ihn beim Namen zu nennen, was nicht nur die รผblichen Lรคstertiraden Trumps nach sich zog, sondern einen seiner merkwรผrdigsten Posts รผberhaupt: Auf seiner Social-Media-Plattform โ€žTruth Socialโ€œ postete er ein Bild von sich selbst als Jesus, wie er einen kranken Menschen heilt. Spรคter lรถschte er den Post und behauptete, etwas konfus, dass er dachte, er wรผrde ihn als Arzt darstellen. Eine doch etwas zu offensichtliche Lรผge.

Diese Papst-Affรคre ist in der Situation, in der sich Trump befindet, nicht zuletzt deshalb vollkommen unnรถtig, weil er damit einen nicht geringen Teil seiner Wรคhlerschaft, nรคmlich konservative Katholiken, verรคrgern dรผrfte, auch seine eigene Darstellung sollte, von den radikalsten evangelikalen Zionisten mal abgesehen, als das wahrgenommen werden, was sie ist, nรคmlich als Blasphemie.

Der โ€žamerikanische Kreuzzugโ€œ, wie er etwa von Trumps Kriegsminister Pete Hegseth vertreten wird โ€“ ein besonders dumpfer Vertreter ebenjener zionistischen Evangelikalen โ€“, ist damit eine propagandistische Fehlgeburt, da helfen auch die โ€žbasiertenโ€œ Deus-Vult-Tattoos des Ministers nicht mehr. Denn wรคhrend die Trump-Regierung innenpolitisch nichts auf die Reihe bekommt, entfaltet sich der โ€žamerikanische Kreuzzugโ€œ in einem aussichtslosen Luftkrieg gegen einen Gegner, der nie so bedrohlich war, wie einem weisgemacht wurde, und der Bombardierung christlicher Dรถrfer im Sรผden Libanons, die das sechs- bis siebenfache Alter der amerikanischen Republik haben dรผrften, durch den engsten und tollsten Verbรผndeten รผberhaupt.

Was soll das also alles รผberhaupt noch? Warum wird das ganze machtpolitische Potenzial, welches รผber die letzten Jahre mรผhevoll aufgebaut wurde, fรผr nichts geopfert? โ€žFรผr nichtsโ€œ, soll heiรŸen: fรผr nichts, das uns nutzen wรผrde.

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