Mit dem Irankrieg hat sich Trump verzockt – dieses Urteil über das Möchtegern-Husarenstück stand im Grunde schon mit dem Beginn der Kampfhandlungen am 28. Februar dieses Jahres fest. Eher unklar war, in welchem Ausmaße sich die Fehlkalkulation sowohl auf seine politische Karriere als auch auf die geopolitische Situation des US-Imperiums auswirken würde.
Gute sechs Wochen später wird immer deutlicher, was schon längst klar war: Der Krieg wird sich in die Länge ziehen, die traditionellen Verbündeten sind – bis auf einen, den größten Alliierten von allen – nicht an diesem Krieg interessiert, und das Regime in Teheran denkt nicht an die Aufgabe, während die Rebellion der Bevölkerung, die angeblich kurz bevorstand, auf sich warten lässt. Trump hatte wohl geglaubt, das Playbook der Entmachtung Maduros noch mal durchspielen zu können und mit der Tötung der obersten Führer des Regimes dasselbige unwiderruflich ins Wanken und damit zu Fall zu bringen – aber die Mullahs sind eben nicht Maduro und der Iran nicht Venezuela.
Nachdem offensichtlich wurde, dass das eigentliche Ziel, der Regime-Change innerhalb weniger Tage, nicht erreicht würde, kam es zum bereits bekannten Herausreden aus einer seine Wähler irritierenden Situation, zum Nichtanerkennen des eigenen Versagens und zu einer Verdrehung der Tatsachen, wie wir es eigentlich sonst nur vom politischen Gegner gewohnt sind.
Trump, der ja eigentlich versprochen hatte, sich aus den Forever-Wars herauszuhalten, muss nun seinen Anhängern erklären, weshalb dieser Krieg sich überhaupt hätte lohnen sollen. Für wessen Interessen soll der Krieg geführt werden? Inwiefern profitiert „America First“ von einer Intervention im Iran?
Einerseits steht für viele im Raum, dass der Krieg in erster Linie die Verbündeten des Irans schwächen sollte – die Russen, die einen Teil ihrer Waffen aus dem Iran bekommen, und die Chinesen, die einen nicht unerheblichen Teil ihres Öls aus dem Iran importieren. Die genaue Genese der Kriegsursachen und des Casus belli werden wohl erst die Historiker nach uns feststellen können, doch scheint dieser Teil der Erklärung nicht ausreichen zu können.
So ist Joe Kent, der ehemalige Leiter des National Counterterrorism Center unter der Trump-Administration, ein idealer Kronzeuge für eine andere These zur Ergründung der Kriegsursachen: Er trat nämlich erst kürzlich, im März, von seinem Posten zurück. Mit welcher Begründung? „Ich kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar“, so ein Teil seiner Begründung, aber es geht noch weiter: Der Krieg sei letztlich auf Druck der einflussreichen israelischen Lobby auf das Weiße Haus zustande gekommen.
Dass die Israel-Lobby tatsächlich einen großen Einfluss auf die amerikanische Politik hat, ist ein offenes Geheimnis. Dass Trump viele Rechtszionisten in seinen Reihen hat, die bedingungslos hinter Israel stehen, ebenso. Und dass die israelische Regierung ein Interesse am Sturz des Todfeindes in Teheran hat – auch das ist eine Binsenwahrheit für jeden, der es wahrhaben will.
Die Art und Weise, wie sich die Trump-Administration aus diesem Debakel herauswindet, dürfte die eigene Basis noch mehr vor den Kopf stoßen als der Krieg selbst.
So zum Beispiel der Konflikt mit Papst Leo XIV., der Trumps „Allmachtsfantasien“ kritisierte, ohne ihn beim Namen zu nennen, was nicht nur die üblichen Lästertiraden Trumps nach sich zog, sondern einen seiner merkwürdigsten Posts überhaupt: Auf seiner Social-Media-Plattform „Truth Social“ postete er ein Bild von sich selbst als Jesus, wie er einen kranken Menschen heilt. Später löschte er den Post und behauptete, etwas konfus, dass er dachte, er würde ihn als Arzt darstellen. Eine doch etwas zu offensichtliche Lüge.
Diese Papst-Affäre ist in der Situation, in der sich Trump befindet, nicht zuletzt deshalb vollkommen unnötig, weil er damit einen nicht geringen Teil seiner Wählerschaft, nämlich konservative Katholiken, verärgern dürfte, auch seine eigene Darstellung sollte, von den radikalsten evangelikalen Zionisten mal abgesehen, als das wahrgenommen werden, was sie ist, nämlich als Blasphemie.
Der „amerikanische Kreuzzug“, wie er etwa von Trumps Kriegsminister Pete Hegseth vertreten wird – ein besonders dumpfer Vertreter ebenjener zionistischen Evangelikalen –, ist damit eine propagandistische Fehlgeburt, da helfen auch die „basierten“ Deus-Vult-Tattoos des Ministers nicht mehr. Denn während die Trump-Regierung innenpolitisch nichts auf die Reihe bekommt, entfaltet sich der „amerikanische Kreuzzug“ in einem aussichtslosen Luftkrieg gegen einen Gegner, der nie so bedrohlich war, wie einem weisgemacht wurde, und der Bombardierung christlicher Dörfer im Süden Libanons, die das sechs- bis siebenfache Alter der amerikanischen Republik haben dürften, durch den engsten und tollsten Verbündeten überhaupt.
Was soll das also alles überhaupt noch? Warum wird das ganze machtpolitische Potenzial, welches über die letzten Jahre mühevoll aufgebaut wurde, für nichts geopfert? „Für nichts“, soll heißen: für nichts, das uns nutzen würde.


Um am letzten Satz anzuknüpfen: Wir können nicht erwarten, daß Trump „uns“ nützen will. Dafür wäre eigentlich unsere Bundesregierung zuständig, die aber fast ausschließlich aus Figuren besteht, die niemals etwas Produktives zustande gebracht haben sondern sich emsig als Totengräber unserer Wirtschaft betätigen – was allein schon ihren kurzsichtigen Schwachsinn beweist, denn wovon sollten später mal ihre üppigen Pensionen bezahlt werden? Für mich ist für Trumps Vorgehensweise als ehemals erfolgreicher Unternehmer – das im Gegensatz zu den meisten auch seiner Unterstützer – ein wesentlicher Gesichtspunkt seine Erkenntnis der hochgradigen Gefährdung des Dollars als Welt-Reservewährung. Denn die dämliche Blockierung z.B. der russischen Dollarvermögen durch seine Vorgänger hat auch der letzten Negeradministration in der Welt klargemacht, daß sie nur auf elektronischen Papierschuldscheinen der USA – Dollar genannt – sitzen. Das gibt und gab den BRICS-Staaten trotz ihrer sehr unterschiedlichen sonstigen – vor allem kulturellen – Unterschiede in ihrer Loslösung vom Dollar für die USA weiteren gefährlichen Auftrieb. Denn sollten die Dollar-Billionen der Welt einmal in ihr „Heimatland“ zurückgespült werden, bricht dort alles zusammen, da die USA keine entsprechenden Gegenwerte für diese uferlos gedruckten Schuldscheine anzubieten haben. Trump möchte – oder wollte – deshalb den Dollar wenigstens als Öl-Währung mit seinem Venezuela- und Iran-Engagement retten; letzteres mit kräftiger zionistischer Unterstützung, was aber jetzt gründlich schief läuft. Er ist halt auch nur ein fehlbarer Mensch, der aber wenigstens etwas Sinnvolles für „sein“ Land versucht hat – wenn auch wieder mal mit aggressiven Bombardierungen fremder Länder…
Aus israelischer Sicht ist dieser Krieg – einmal mehr – traurige Notwendigkeit. Israel und VSvA haben REagiert auf jahrzehnte langen Terror. Weltweit gibt es zwei „große Lumpen, denen man auf’s Hirn hauen muss“ (FJS). Iran und Nordkorea namentlich!