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Schuster bleib bei deinem Lande!

11. August 2019
in 5 min lesen

Wer Deutschland den Rรผcken kehrt, verrรคt Wurzeln, Land und Geschichte, meint unser Autor Florian Mรผller. Auch in anderen Lรคndern gibt es Repression und Widrigkeiten. Am besten stellt man sich den Problemen der Zeit in seiner Heimat entgegen. Auswandern ist nur eine Flucht auf Zeit.

โ€žEin Deutscher, der sein Vaterland abstreift wie einen alten Rock, ist fรผr mich kein Deutscher mehr.โ€œย , meinte Otto von Bismarck einmal. Der eiserne Junker liegt schon lange unter der Erde, aber viele seiner Sprรผche sind noch immer prรคsent.ย Auswandern bedeutet das Wegwerfen des Erbes, der Geschichte, der Kultur und der Sprache zum Zwecke seines eigenen Wohlergehens.ย Die Kernfrage lautet: Was bedeutet Wohlergehen?

Auswandern fรผr Deutschland?

Ja, in Deutschland lรคuft einiges, oder besser gesagt ziemlich viel, absolut falsch. Deshalb gleich das Land verlassen? Das ist an fahnenflรผchtiger Feigheit nicht zu รผberbieten.ย Akzeptabel sind in meinen Augen lediglich zwei Szenarien.ย Sein eigenes Leib und Leben oder das der Familie wird ernsthaft bedroht oder gefรคhrdet. Dazu zรคhlt aber nicht ein aggressiver Dorfpolizist oder ein drohender Neubรผrger. Die Sorge sollte etwas grรถรŸer sein. Wรผrden zum Beispiel Martin Sellner oder andere Aktivisten ins Exil gehen (Repression, Verhaftung, Angriffe, Auto angezรผndet) kann man das vollkommen nachvollziehen. Allerdings sollte er auch seine Arbeit weiterhin aus dem Ausland machen. Und damit kรคmen wir zum zweiten Punkt, einer vollkommen legitimen Auswanderung. Wenn man nรคmlich aufgrund eines repressiven Staates an seiner politischen, kรผnstlerischenย oder idealistischen Arbeit behindert wird. Oliver Janich beispielsweise lebt auf den Philippinen und versucht, tagein, tagaus, die deutsche ร–ffentlichkeit aufzuklรคren. Ob dies aus dem Ausland wirklich besser mรถglich ist, kann nicht gesagt werden, den alltรคglichen Repressalien, denen andere Aktivisten gegenรผberstehen, entgeht er zumindest.

ย Zurรผck zur Ausgangsfrage. Aus einer echten รœberzeugung heraus seinem Land etwas Gutes zu tun und sein Leben nicht in Gefahr zu bringen, ist es vollkommen legitim im Ausland, oder wenn man so mรถchte im Exil, zu leben. So denken allerdings die wenigsten.ย Die meisten Leute verlassen Deutschland, weil sie, aus Privatinteresse geleitet, irgendwo auf dem Erdenrund ein finanziell besseres Leben erhoffen.ย Andere Grรผnde sind sicherlich mehr Freiheit, eine sichere Arbeit oder besseres Wetter, aber zumeist ist es doch das liebe Geld, das die Deutschen ins Ausland lockt. Im Angesicht der fiskalischen Steuerlast ein nachvollziehbarer, aber nicht gutzuheiรŸender Ausweg.

Denn: Mit jedem Deutschen, der auswandert, schnรผrt sich die Zwangsjacke um die verbliebenen Deutschen enger, die Freiheit weicht, wenn diejenigen, die sie immer forderten, in ein anderes Land gehen. Auch die finanzielle Last wird fรผr die Hiergebliebenen immer grรถรŸer. Deutschland blutet aus. Finanziell, wirtschaftlich, kulturell und intellektuell. In Sachen Ideologie ist die Sache simpel:ย Bezรผglich der Auswanderung erkenne ich zwischen konsequenten Libertรคren und antideutschen Sozialisten keinenย Unterschied mehr.ย Beide propagieren ein deutsches Vรถlkersterben. Die Sozialisten wollen es mit kรผnstlicher Einwanderung und niedriger Geburtenrate vorantreiben, die Libertรคren folgen dem falschen Leitstern der egoistischen Selbstverwirklichung.

Leidtragendes Land

Das Ergebnis ist das Gleiche. In einigen Jahrzehnten wird Deutschland nicht mehr existieren oder in einer Armutsdiktatur vor sich hinsiechen. Ja, die Auswanderer hรคtten dann alles richtig gemacht, so denkt man auf den ersten Blick, schlieรŸlich leben ihre Kinder fernab ihrer verunstalteten Heimat โ€“ haben gar eine neue Heimat. Die ehemaligen Emigranten werden sich selbstgefรคllig auf die Schulter klopfen und rufen โ€žIch habe es erkannt und mein Sรคcklein geschnรผrt, als es noch nicht zu spรคt warโ€œ. Das kann man so sehen, allerdings handelt es sich dabei um einen absoluten Fehlschluss.ย Die Repression in Deutschland entsteht nur durch den Wegfall der freiheitlichen Stimmen. Die lassen sich entweder kaufen, beginnen aus Angst zu schweigen, oder wandern eben aus.ย Die Gesellschaft, die Nation, das Volk ist wie ein groรŸes Wasserglas, das von den liberalen Molekรผlen lebt. Der Staat ist ein Zylinder, der das Wasser unter Druck setzt. Da kann es schon einmal etwas warm und heimelig werden. Auswandern heiรŸt nichts anderes, als das Ventil aufzumachen, und das Wasser abflieรŸen zu lassen, der Platz fรผr die verblieben Molekรผle wird immer geringer. Wohin flieรŸt das Wasser? Wirklich in die Freiheit oder einfach nur in ein groรŸes Becken, mit noch grรถรŸerem staatlichen Hubraum? Ein Weltstaat, die EU deutet dergleichen an, kรถnnte die Freiheit effizienter und endgรผltig unterdrรผcken โ€“ zudem gibt es kein noch grรถรŸeres Becken, in das man weichen kann. Sollte einen das Heimweh packen und man pilgert nach einigen Jahren oder Jahrzehnten doch zurรผck nach Deutschland, wird man auf ein schlechteres Deutschland treffen, als man verlassen hat. Das betrifft dich nicht? Ein GroรŸteil der Auswanderer kommt spรคter wieder in ihr Heimatland zurรผck. Man sollte bei der Staatenlotterie lieber auf die eigene Karte setzen.

Geschichtliche Verantwortung

Ich kann nicht nachvollziehen, wie Leute, heute zumeist die 25- bis 40-jรคhrigen, gut Ausgebildeten, aus finanziellen Grรผnden ihr Land verlassen wollen. Die Schulen bis in die 90er Jahren gehรถrten zu den besten der Welt, das Land war eines der wohlhabendsten. Man hat eine erstklassige Bildung genossen, dazu Frieden, Freiheit, Wohlstand und technischen Fortschritt. Und in just dem Moment, wo alles nicht mehr so ganz rosig lรคuft, will man seine Heimat verlassen und sein Land verleugnen? Ein Blick noch weiter zurรผck lรคsst den ekelerregenden Egoismus hervortreten. Jeder hat Vรคter, Mรผtter, GroรŸvรคter und GroรŸmรผtter, weit entfernte Ahnen, die fรผr dieses Land bereit waren ihr Leben zu opfern. Die Geschichte Deutschlands, wie die Geschichte jedes Landes, ist vom Kampf um ein Gebiet bestimmt. Man kรคmpfte um Grenzen, um einen Besitz, um ein Stรผck Boden, das einem selbst gehรถrt.ย Wie kann man seine eigenen Wurzeln so missachten und durchschneiden, um ein Land zu verlassen, in dem fรผr jeden Zoll des eigenen Landes literweise Blut die Erde trรคnkte?ย Was wรคre passiert, wenn unsere Vorfahren auch einfach ausgewandert wรคren, wenn ihnen ein bisschen Gegenwind ins Gesicht geblasen hรคtte? Rรถmische Kolonie, osmanische Kolonie, franzรถsische Kolonie! Man hรคtte unser Land und unsere Freiheit weggenommen, auf der all die Errungenschaften und der Wohlstand im Hier und Jetzt fuรŸen.

Leuten, die darรผber nachdenken, ohne Not oder triftige Grรผnde, dem Geld und der Karriere nachzulaufen, muss man eines mit auf den Weg geben: Ihr werdet fehlen. Fรผr die nรคchste und รผbernรคchste Generation, die wahrlich mit schwereren Aufgaben zu kรคmpfen haben werden. Sie werden euch verfluchen, wenn sie vor Staat und Neubรผrgern weiter weichen mรผssen und irgendwann wirklich gezwungen werden, ihre Heimat aufzugeben. Dann allerdings ohne Planung und unter Zwang.ย Die dritte Strophe der deutschen Nationalhymne von Hofmann
von Fallersleben spricht von โ€žEinigkeit und Recht und Freiheitโ€œ. Die Begriffe beginnen zu brรถckeln, die Werte wandeln sich.
ย Diese Maxime kรถnnen allerdings nur gemeinsam ihre volle Wirkung entfalten. Recht und Freiheit, um die man sich stรคrker bemรผht als um eine deutsche Gemeinsamkeit, sind ohne Einigkeit absolut bedeutungslos und werden binnen kรผrzester Zeit zerstรถrt werden. Bereits vor der Niederschrift der dritten deutschen Hymne dichtete Hoffmann von Fallersleben: โ€žDeutschland erst in sich vereint! Auf! wir wollen uns verbinden, Und wir kรถnnen jeden Feind Treuverbunden รผberwinden.โ€œ Bezug nahm von Fallersleben dabei angeblich auf Attinghausen in Schillers โ€žWilhelm Tellโ€œ, der sterbend bettelte: โ€žSeid einig โ€“ einig โ€“ einigโ€œ. Jahrzehnte frรผher dichtet Max von Schenkendorf โ€žNimmer wird das Reich zerstรถret, Wenn ihr einig seid und treuโ€œ! Der Vers wurde schlieรŸlich auf der Kaiser Wilhelm-Statue am Deutschen Eck verewigt und mahnt noch heute die gelegentlich interessierten Blicke der Passanten. Manchmal braucht man vielleicht gar keine rationalen Argumente oder tolle Diskussionsbeitrรคge. Lest den โ€žTellโ€œ, singt im Kopf eure Nationalhymne und schaut Wilhelm in die Augen. Wenn ihr dann noch guten Gewissens eure Heimat verlassen kรถnnt, seid ihr fรผr euer Land ohnehin wertlos geworden.

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