Viele Mรคdchen und Frauen fรผhlen sich in deutschen Groรstรคdten nicht mehr sicher. Das ergab jรผngst eine Online-Umfrage des Kinderhilfwerks „Plan“. Von den rund 1000 befragten Mรคdels und Frauen zwischen 16 und 71 Jahren, gab jede fรผnfte an schon einmal Opfer von Gewalt, Bedrohung oder Verfolgung geworden zu sein.
Ob aufdringliche Sprรผche am Abend beim Joggengehen im Park, Verfolgungen auf schlecht beleuchteten dรผsteren Straรen oder unsittliche Berรผhrungen bei der Heimfahrt in der U-Bahn – in Mรผnchen, Berlin, Kรถln und Hamburg verlรคsst vermutlich kaum eine Frau mehr das Haus, ohne ein mulmiges Gefรผhl in der Magengrube zu haben.
Dabei sollte es auch nicht verwunderlich sein, dass in ebendiesen Stรคdten, mit Ausnahme von Mรผnchen, die Anzahl der Sexualdelikte im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist. In Kรถln wurde eine Zunahme an gemeldeten Sexualstraftaten von 5 Prozent verzeichnet, in Hamburg waren es 6,9 Prozent mehr und in Berlin, ein Plus von 15 Prozent. Als grรถรte Bedrohung fรผr das eigene Sicherheitsgefรผhl gaben alle Umfrage- Teilnehmerinnen „Personengruppen die Alkohol oder Drogen konsumierten“ an.
Die befragten Damen durften auf einer Karte Pins an den Orten setzen, wo sie sich entweder unsicher oder geschรผtzt fรผhlen. Jede Frau markierte mindestens eine Stelle als unsicher und nur jede dritte Frau gab wiederum einen geschรผtzten Ort an.
Als besonders „unsicher“ empfinden demnach mehr als 50 Prozent der Befragten die Straรe, rund 19 Prozent รถffentliche Verkehrsmittel und 18 Prozent รถffentliche Parks und Grรผnanlagen. In Hamburg wurden die meisten „Gefahrenzonen“ an der Reeperbahn und am Hauptbahnhof markiert, in Kรถln in der Innenstadt, vor allem am Neumarkt, in Mรผnchen wurden viele รถffentliche Parks, wie zum Beispiel der englische Garten angegeben und in Berlin sind es die „touristischen“ Hotspots, wie Friedrichshain oder der Alexanderplatz. Man kรถnnte also denken die Bundeshauptstadt habe ein Problem mit unkontrolliertem Massentourismus.
2018 hatte das Kinderhilfswerk die Umfrage bereits in internationalen Metropolen, wie Kampala, Dehli und Lima durchgefรผhrt. Im Vergleich wird deutlich – Frauen in deutschen Groรstรคdten fรผhlen sich nicht sicherer als Frauen in Uganda, Indien oder Peru.
Aber woran liegt dieser Verlust des Sicherheitsgefรผhls? Auf diese Frage hat die Plan- Chefin Maike Rรถttger eine plausible Antwort parat: es liegt an traditionellen Rollenbildern und deshalb sollte auf der Hand liegen, „dass wir Geschlechterrollenbilder verรคndern, die vielen Jungen und Mรคnnern immer noch suggerieren, dass es vรถllig in Ordnung ist, Frauen zu belรคstigen“. Deswegen sollten neben Stรคdtebaulichen Maรnahmen, wie mehr oder besserer Beleuchtung an dunklen Orten, auch Maรnahmen gegen Stereotype und Diskriminierung getroffen werden.
Bei welchen Mรคnnergruppen aber diese Stereotype der Frau besonders hรคufig anzutreffen sind und welche Personen in Fรคllen der sexuellen Gewalt รผberproportional hรคufig auffallen, klammert Rรถttger gekonnt aus. So ist es auch nicht verwunderlich, dass weder die massive Zunahme an Sexualstraften seit 2015, noch die Zunahme an „Nichtdeutschen“-Straftรคtern berรผcksichtigt wird.

