In der Reihe Warenfetischismus stellen unsere Autoren irgendein Ding vor. Vielleicht Gerรผmpel aus Kindertagen oder eine kรผrzliche Entdeckung auf dem Flohmarkt. Diese Sache war vielleicht teuer oder ein Schnรคppchen. Ein Geschenk oder Diebesgut. Man weiร es nicht. Jetzt steht es jedenfalls im Regal und wird betrachtet. Seine Geschichte will erzรคhlt werden.
Die Lubitel 166B ist die etwas rรคudige, etwas abgeranzte Ostblockfreundin der Rolleiflex. Zweitere wollte ich immer haben, erstere ist dann bei mir gelandet. Das ist nicht gerade charmant, aber so ist das im Leben. Mit dem Ebay-Verkรคufer habe ich gefeilscht, wie mit einem Zuhรคlter. Er wollte sie loswerden, diese schwarze Plastikkiste mit den groรen, traurigen Augen. 50โฌ oder so hatte er ursprรผnglich verlangt, 30 oder so hat er dann von mir bekommen. Fรผr eine Rolleiflex hรคtte ich locker 200 hinblรคttern mรผssen und auch wenn ich damals wirklich viel fotografierte, Ahnung hatte ich nur sehr wenig.
Nein, es war schon gut so. Damals war ich regelrecht vernarrt in die Idee mit mรถglichst spartanischer Aussstattung das Beste zu machen. Naja, und dann war die Lubitel auch noch sowjetisch. Ich erwarb damit also auch ein Stรผckchen Ostblock. Das fand ich irgendwie cool. In der Sowjetunion waren alle gleich, aber auf einer ganz miesen Stufe. Deswegen bekamen auch alle den gleichen, miesen Apparat zu kaufen und machten die gleichen, miesen Bilder. Alle waren gleich mies drauf. Alle anderen kauften sich etwas vernรผnftiges.
Das Teil kam dann also bei mir an. Man war ich aufgeregt, als ich es aus dem Karton rausholte. Hatte mich der Verkรคufer auch nicht verarscht? Klappte wirklich alles? Ich hatte vorher noch nie eine TLR-Kamera in der Hand. Verschluss? Klappte! Zeiten? Keine Ahnung, klang vernรผnftig. Es konnte also losgehen! Die Ergebnisse warenโฆ
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Blick durch den Sucher.
โฆ blyat. Ja, was hatte ich denn erwartet? Der Unterschied zwischen der BRD und meiner Geduld ist, das letzteres klare Grenzen hat. Deswegen landete das Ding erstmal in der Ecke. Jahre spรคter bastelte ich mir einen Adapter, mit dem ich Kleinformatfilme in die Kamera einsetzen konnte. Das war immerhin billiger, als die teuren Mittelformate zu versauen. Fรผhlte sich irgendwie sowjetisch an. รberzeugte mich aber nicht. Die Kamera wanderte ins Regal und fing Staub.
Kennen Sie das, lieber Leser, wenn Sie etwas erst so richtig exzessiv betreiben, jedem Menschen in ihrer Umgebung damit auf den Sack gehen und plรถtzlich, wie auf Knopfdruck, haben Sie keine Lust mehr darauf? So war das bei mir mit der Fotografie. Ich habe ein paar Jahre keine Bilder mehr gemacht. Meine Kameras haben Staub gefangen.
Jetzt hole ich die Lubitel wieder aus dem Regal. Achja, die gute Lubitel, diese AK-47 unter den Kameras. Ein hรคssliches Teil. Schwarzer Plastik, industrielle Massenware. Billig, simpel, mies. Aber auch wesentlich. Was sie kรถnnen muss, kann sie ja. Man darf nicht zu viel von ihr erwarten. Aber von wem darf man das schon. Im Kรผhlschrank liegt noch ein Mittelformatfilm. Was meinen Sie, lieber Leser – laden wir die Kiste nochmal durch?

