Es ist eine Binsenweisheit, dass Krisen aus Unsicherheit entstehen. Die Informationslage ist unklar, so dass Vermutungen, Befรผrchtungen und natรผrlich auch absichtlich gesetzte Fehlinformationen das wirre Treiben einrahmen. Das Vertrauen in รผbergeordnete Instanzen sinkt rapide ab – eine natรผrliche Reaktion, quasi ein รberlebensinstinkt – und jeder ist auf einmal sich selbst der Nรคchste.
Im Frรผhjahr hatten wir folgende Situation: Die chinesische Regierung errichtete in Rekordzeit ein Krankenhaus und sperrte eine ganze Stadt, wรคhrend man hierzulande Witze รผber Fledermaussuppen riss. Mehr und mehr Lรคnder riegelten ihre Grenzen ab, schlieรlich gab sich auch die Bundesregierung die Ehre.
Was dann folgte, hatte man in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen: Leere Regale. Es gab auf einmal kein Mehl und kein Klopapier mehr. Statt mit allen Mitteln die Logistik zu unterstรผtzen und dafรผr zu sorgen, dass der Einzelhandel wie gewohnt seine Regale nachfรผllen kann, war die Regierung nun froh im โHamsterkรคuferโ einen Prรผgelknaben gefunden zu haben.
Im Sommer entspannte sich die Lage, die Regale fรผllten sich wieder. Die Regierung hรคtte spรคtestens jetzt Zeit fรผr die Herbst- und Wintermonate zu planen. Was bedeutet Krisenvorsorge? Beispielsweise:
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Anlage- bzw. Aufstockung von medizinischen Vorrรคten. Und zwar schleunigst.
Die Bundesregierung verkรผndete Anfang Dezember, dass sie eine Notfallreserve anlegen mรถchte. Bravo, das ging schnell!
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Entlastung des Pflegepersonals.
Steigende Belastungen in den Herbst- und Wintermonaten waren schon im Sommer abzusehen, die jรคhrliche Grippewelle lรคsst Grรผรen. Wie also die Bettenzahl aufstocken, woher das zusรคtzlcihe Pflegepersonal nehmen – und vor allem: Womit die Moral des bestehenden Personals stabil halten?
Groรmรคulig hatte man zwar im Frรผhjahr Corona-Sonderzahlungen fรผr das Pflegepersonal angekรผndigt, angekommen ist davon oftmals nicht. Wรคhrend sich viele Supermarktketten gegenรผber ihren Arbeitnehmern bereits im April dankbar zeigten, warten etwa DRK-Mitarbeiter immer noch auf ihren versprochenen Bonus.
Der fehlende Dank des Vaterlands ist die eine Sache, die Ausstattung der Krankenhรคuser und Altenheime eine andere. Wie gesagt, die Bundesregierung hatte seit dem Sommer Zeit, um die systemrelevante Infrastruktur personell und materiell aufzustocken. Passiert istโฆ nichts.
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Transparente Kommunikation, ein zuverlรคssiges Lagebild schaffen – das ist der einzige Weg um gegen die grasierende Unsicherheit vorzugehen. Spรคtestens im Sommer hรคtte man ein engmaschiges Netz aus Testzentren errichten mรผssen, um die Lage irgendwie greifbar zu machen. Unsicherheiten und Problematiken, etwa die hohe Fehlerquote der Tests, der Krankeheitsverlauf, die oftmals ausbleibenden Symptome – das alles hรคtte man รถffentlich kommunizieren mรผssen.
Stattdessen schoss man sich auf die legitimen Protestbewegungen ein und spaltete die Bevรถlkerung also ein weiteres Mal, um von der eigenen Unfรคhigkeit abzulenken. Wรคhrend der Urlauber aus Risikogebieten oder โCorona-Leugnerโ quasi zu Staatsfeinden erklรคrt wurden, war die Staatsmacht nicht in der Lage die allabendlichen Tumulte รผberwiegend nichtdeutscher โPartygรคsteโ oder โGroรhochzeitenโ zu unterbinden.
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Nachvollziehbares Handeln.
Die Situation im Frรผhjahr war ungewohnt, in sozialer Hinsicht mehr als merkwรผrdig, in wirtschaftlicher Hinsicht bereits kaum ertrรคglich. War die Beteuerung des Bundeswirtschaftsministers im Mรคrz schon eine grobe Fahrlรคssigkeit, hรคtte Spahn nach seiner Aussage vom September, dass eine zweite Schlieรung des Einzelhandels unwahrscheinlich sei, aus dem Amt gejagt werden mรผssen. Man wog รผber Monate hinweg Millionen Gewerbetreibende in falscher Sicherheit um dann im Dezember locker aus der Hรผfte heraus einen neuen Lockdown zu beschlieรen, der den Unternehmen das รผberlebenswichtige Weihnachtsgeschรคft verhagelt. Von Bundesland zu Bundesland herrschen nun unterschiedliche Regeln und Anweisungen zum Verhalten, zum Treffen, zum Feiern an Weihnachten. Keiner blickt durch.
Wer jetzt also wieder beherzt zum Toilettenpapier greift, den Beteuerungen der Regierung kritisch gegenรผbersteht oder sich aus reinem Trotz mit seinen Liebsten an Weihnachten trifft, der handelt vรถllig nachvollziehbar. Rechtfertigen muss sich allein die Regierung.

