Markus Zwick, Oberbรผrgermeister der Stadt Pirmasens und CDU-Mitglied, ist wohl einer der wenigen Politiker Deutschlands, die aktuell einen klaren Kopf bewahren.
In einer Mischung aus Massenpanik, Kanzler-in-den-Arsch-kriechen und โWissenschaftsglรคubigkeitโ rast Deutschland auf den nรคchsten Lockdown zu. Die Mehrheit der Bรผrger freut es, kรถnnen Sie schlieรlich weiterhin auf halber Kraft von zu Hause aus arbeiten und ihre Netflix-Serien weiterschauen.
Die 7-Tage-Inzidenz klettert auf einen neuen Hรถchstwert, die Kanzlerin und ihre politischen Lakaien ziehen die โNotbremseโ, ein eingebautes Hintertรผrchen zum eigenen Wortbruch.
Auf die รถkonomischen Folgen des Lockdowns will ich nicht erneut hinweisen, sondern auf die kluge und starke Stimme aus einer Rheinland-Pfรคlzischen Stadt, die sich โ als CDU-Mitglied โ gegen den Kurs von Partei und Kanzlerin stellt, aber auch die โAmpelโ im sรผdwestlichen Bundesland hart kritisiert.
Nun kann man es sich einfach machen und sagen: Jeder, der im Jahr 2021 noch CDU-Mitglied ist, ist ein moralisch schlechter Mensch. Und genau so einfach ist es eigentlich auch, allerdings hรคngt bei vielen Parteisoldaten Kopf und Karriere an ihrem Ja-und-Amen-Sagen. Aus irgendeinem Grund traut sich Markus Zwick aber, aus dem Einheitskurs auszuscheren und aus irgendeinem Grund traut sich der SPIEGEL ihm eine Plattform zu bieten.
Zwick macht eigentlich genau das, was die Corona-Opposition in Deutschland seit รผber einem Jahr tut: Sie kritisiert an erster Stelle die Freiheitseinschrรคnkungen und an zweiter Stelle den Inzidenzwert, der noch immer als Hauptindikator fรผr das Ausmaร einer โPandemieโ herangezogen wird.
Den Mรคchtigen muss man beim Benutzen dieses Indikators in gleichem Maรe Bรถsartigkeit vorwerfen, wie man den โzufriedenen Bรผrgernโ โ die Landtagswahlen im Sรผdwesten waren ein โweiter-soโ โ Dummheit unterstellen muss.
Die 7-Tage-Inzidenz bildet die Zahl der positiven Tests in Relation zu 100.000 Einwohnern. Wie behรคmmert dieser Messwert ist, zeigen einfache Rechenbeispiele. Wenn sich 10.000 Leute testen lassen, und 10 Personen โpositivโ sind, liegt die Inzidenzzahl bei 10. Beim gleichen โStandโ der Krankheit lรคge dementsprechend die Zahl der positiven Tests auf 20.000 Testungen bei 20. Der Inzidenzwert wรคre doppelt so hoch: Es wird suggeriert, dass die Krankheit doppelt so weit ausgeprรคgt sei, was natรผrlich nicht stimmt.
Allein beim Hinschreiben dieses Absatzes blockiert mein Hirn. Was ein ausgemachter Unsinn. Selbst in der 7. Klasse lernt man, dass man Zahlen relativ zur Gesamtgrรถรe betrachten muss und nicht zur Probenanzahl. Um die Hirnrissigkeit noch einmal zu verdeutlichen: Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Herde von 100 Rindern. Jetzt stimmt irgendetwas nicht, und einige Rinder zeigen Krankheitssymptome. Sie testen 20 Rinder mit dem Ergebnis, dass 2 Rinder positiv auf Rinderwahn getestet werden. Wie viele Rinder sind nun vermutlich krank? Richtig: 10, da die Stichprobe der Einfachheit Halber multipliziert wurde. Der Bauer kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Zahlen einfach hochrechnen.
Wie viele kranke Rinder hat der Bauer, wenn er nun 40 Rinder testet? Richtig! GENAU SO VIEL! Die Krankheit ist gleichweit verbreitet, wie bei 20 Tests. Wie wรผrden Sie einen Bauer nennen, der nach 20 Tests nichts unternimmt, nach 40 Tests aber den Tierarzt ruft und die Herde separiert? Einen Idioten sondergleichen! Mehr als 60 Millionen Personen in dieser Bevรถlkerung sind nicht in der Lage, den Fehler des Bauern zu erkennen. Warum geht man รผberhaupt in die Schule?
Einer dieser Menschen, der die mathematische Legasthenie und Bรถsartigkeit der Herrschenden erkannt hat, ist Markus Zwick. Er sagt gegenรผber dem SPIEGEL:
โFรผr mich ist aber auch das Verhรคltnis von Infektionszahlen zu der Zahl der Tests sehr wichtig, weil das die Infektionslage in der Stadt besser widerspiegelt. Wenn wir mehr testen, zรคhlen wir auch mehr Neuinfektionen. So wie mit unserem zentralen Testcenter mit 500 Tests pro Woche. Auch deshalb haben wir hohe Inzidenzzahlen.โ
Dem ist zuzustimmen, auch wenn das Land seine Entscheidung, den Einzelhandel offen zu lassen, per Eilentscheid gekippt hat. Zwick betont sogar, dass die hohe Inzidenzzahl der Stadt eine Bestrafung fรผr die gute Teststrategie der Gemeinde ist.
Was lernen wir daraus?
1. Es gibt einige parteiรผbergreifend Politiker, die weder dumm noch feige sind und sich mit dem Regierungskurs โanlegenโ
2. Markus Zwick sollte darauf achten, keine Rรผckflรผge von Kuba anzutreten und regelmรครig seine Unterlagen kontrollieren, ob man bei ihm vielleicht Quittungen รผber Maskengeschรคfte findet.
3. Es finden gerade erste parteipolitische Brรถckelungsprozesse statt, die alle etablierten Parteien betreffen. Das Parteiensystem ist womรถglich im Umbruch, die CDU ist auch durch die vielen Skandale schwer angeschlagen. Vielleicht trauen sich jetzt einige kleinere Politiker. Vielleichtโฆ
