0
exc-60793b0784b01053581f0247

Neuer Krieg in der Ostukraine?

16. April 2021
1 min lesen

Das geopolitische Pingpong rund um die Ukraine hat sich in den letzten Wochen zugespitzt. Nachdem der ukrainische Prรคsident Wolodymyr Selenskyj vor einigen Wochen signalisierte, dass er die abtrรผnnigen Ostgebiete zurรผckholen werde, zieht Russland an seiner Westgrenze und auf der Halbinsel Krim zehntausende Soldaten und militรคrisches Gerรคt zusammen.

Die ukrainische Staatsfรผhrung hat in den Wirren des Jahres 2014 die Halbinsel Krim an Russland verloren. Die Ostgebiete konnte sie nach verlustreichen Militรคreinsรคtzen nicht befrieden. Russland hingegen wird weder die Krim zurรผckgeben noch den Anspruch der Schutzmacht รผber die Ostukraine aufgeben. Die Situation scheint sich zuzuspitzen.

Mindestens 13.000 Menschen starben seit 2014 in den Wirren des ukrainischen Bรผrgerkrieges. Es ist ein Konflikt, der durch die Einmischung der Russen auf der einen Seite und des Westens auf der anderen Seite ein Vierteljahrhundert nach Ende des Kalten Krieges eine neue Blockkonfrontation begrรผndet hat.

Die USA muss ihren Anspruch als einzige Supermacht gegen das aufstrebende China verteidigen, wรคhrend ihre Verbรผndeten nicht in der Lage sind das Machtvakuum auf dem alten Kontinent aufzufรผllen.

Um den Einflussbereich der EU zu vergrรถรŸern hat man schon vor 2014 viel Geld in die Ukraine gepumpt. Nationale und kulturelle Identitรคt lรคsst sich aber nicht kaufen. Sie wรคchst von selbst oder eben auch nicht. Als russische Luftlandeeinheiten im Frรผhjahr 2014 auf der Krim landeten, wechselte die geschichtstrรคchtige Halbinsel und ihre rund 2,3 Millionen Einwohner die Fahne.

Kein Schuss wurde abgegeben, fรผr die meisten Krim-Bewohner ging ein lang gehegter Traum in Erfรผllung. Endlich gehรถrt man wieder zu Russland. Die russische Staatsfรผhrung bringt sich ihrerseits mit solchen Erfolgen unter Zugzwang. Wenn schon die Krim, warum dann nicht auch die Ostukraine? Warum nicht die Grenze ausdehnen bis an den Dnjepr?

Seit dem Amtsantritt von Joe Biden hat sich der Ton gegenรผber Russland wieder verschรคrft. Die Ukraine hat dieses Signal aus Washington zum Anlass genommen den unhaltbaren Zustand der Ostokkupation zu beenden. Ob der amerikanische Prรคsident seine vollmundigen Beteuerungen auch wirklich ernst nimmt, ist eine andere Sache.

So zog man Mitte der Woche die zwei Kriegsschiffe, die man zuvor ins Schwarze Meer entsendet hatte, eilig zurรผck. Es folgten halbherzige Wirtschaftssanktionen, woraufhin Russland die SchlieรŸung der StraรŸe von Kertsch verkรผndete.

In der Ostukraine fielen in den letzten Wochen den aufflammenden Gefechten immer wieder Soldaten und Zivilisten zum Opfer. Das fรผhrte zu stรคndig neuen Drohungen von beiden Seiten. Es gibt einen Punkt, an dem sich jede Eskalation verselbststรคndigt. Ob dieser Punkt nun erreicht ist, werden die nรคchsten Tage zeigen.

ABOS

Bรผcher

SPIELE