Bereits in den vergangene eineinhalb โPandemie-Jahrenโ fiel die Schweiz mit ihrer vergleichsweise liberalen Corona-Politik auf. Seit Montag dรผrfen in der Eidgenossenschaft Restaurantterrassen, Kinos, Theater und Fitnesscenter unter bestimmten Auflagen wieder รถffnen โ sogar Open-Air Veranstaltungen finden mit begrenzten Teilnehmerzahlen statt.
Trotz leicht steigender Zahlen entschied der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset, dass die Lockerungen ein wichtiger Schritt in die Normalitรคt seien. Berset fiel bereits vor einigen Monaten als abgebrรผhter Krisenmanager auf, als er โ im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen โ nicht รผberreagierte und den liberalen Kurs gegen enormen Widerstand verteidigte:
โIm Frรผhjahr ergriff die Schweiz starke Maรnahmen gegen das Virus, die denen Deutschlands รคhnelten, im Herbst hat man sich, trotz hรถherer Infektionszahlen, nicht verrรผckt gemacht. Zeitweise stand die Politik auf der Kippe, doch der โBundesrat behรคlt die Nervenโ, wie die โNeue Zรผrcher Zeitungโ dazu schrieb. Zwar stiegen die Zahlen der kritischen Fรคlle im November weiter an, doch wie von Zauberhand eine รคhnliche Entwicklung wie in Schweden: Die Zahlen sinken von alleine wieder.โ
Mit dem heutigen Tag beginnt in der #Schweiz ein neuer Abschnitt der #Pandemie. Mit verschiedenen Lockerungen kommt ein Stรผck Normalitรคt zurรผck.https://t.co/7ZBINC8Zrs
โ Neue Zรผrcher Zeitung (@NZZ) April 19, 2021
Teile der USA haben vorgelegt
Die Schweiz folgt damit dem Trend, der durch Florida und Texas in den letzten Wochen vorgezeichnet wurde. Beide Staaten hatten wรคhrend der Hochphase der Coronawelle nur wenige, wirklich restriktive Maรnahmen erhoben โ mittlerweile gibt es in beiden Lรคndern sogar keine Maskenpflicht mehr.
Auch der Bundestaat Mississippi zog schlieรlich nach. Konsequenzen? Keine. Obwohl das gesamte US-Establishment samt Senilitรคtsvorsteher Biden gegen die drei freiheitlichen Staaten Sturm laufen, bleiben die Staaten bei ihrem Lockerungskurs und die Fallzahlen sinken!
Texas hat per Executive Order bereits Anfang Mรคrz jegliche Corona-Einschrรคnkungen beiseite gewischt. Fast zwei Monate spรคter sind die Corona-Fallzahlen so niedrig wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Einem Jahr mit Maske.
👇#Corona-Rรคtsel in den USA โ #Texas macht Party und hat trotzdem wenig Infektionen https://t.co/msfQ54xMts
โ 😎lly-Land🕊ยฉ (@OliverKBerlin) April 17, 2021
Biden โ der Prรคsident eines der ehemals freiheitlichsten Lรคnder der Welt โ warf daraufhin โseinenโ Staaten sogar โNeandertaler-Denkenโ vor. Dass ein solcher Prรคsident fรผr den โFreien Westenโ steht, deutet vor allem auf den tiefen Fall der USA in einen sozialistischen Moloch hin.
Trotzdem: Drei Staaten haben sich getraut und drei Staaten werden dafรผr belohnt. Und nicht ohne Grund handelt es sich um drei Staaten aus dem Sรผden, die traditionell freiheitlicher und auch autarker ticken, als der industrialisierte, demokratische Norden. In diesen Bundesstaaten โ wie auch in der Schweiz โ haben die Bรผrger ein generell anderes, auch traditionelleres Verhรคltnis zum Staat.
Dort schwankt die Rolle des โBig Brothersโ zwischen โkrimineller Rรคuberbandeโ, โnotwendigem รbelโ oder exekutiver Arm der Bรผrger. In allen drei Fรคllen ist der Souverรคn das freie Individuum.
Wettbewerb und Vorbildfunktion
Diese Haltung ist freilich eine Mentalitรคtsfrage der Bรผrger, die mit der Kultur und der Geschichte des Landes gewachsen ist โ aber auch der Fรถderalismus des Landes spielt eine groรe Rolle.
Als Faustregel kann man festhalten, dass je fรถderaler ein Land, also je stรคrker seine Fliehkrรคfte weg von einem Zentrum sind, desto liberaler auch die Regierung ist. Nicht nur aufgrund der โKontrollenโ durch die niedrigeren Ebenen, die teils รผber mehr Kompetenzen als die Bundesebene verfรผgen, bleibt der Staat eher schwach โ auch durch den Wettbewerb zwischen den Bundesstaaten entsteht ein enormer Druck auf Regierung und restriktivere Gliedstaaten.
Denn nur wenn einer den Mut hat, so wie Gouverneur Greg Abbott in Texas, kann der Cowboy-Staat als Vorbild fรผr andere Staaten dienen.
Wie wollen die Gouverneure von Louisiana, Alabama oder Georgia ihren freiheitseinschrรคnkenden Kurs weiter rechtfertigen, wenn ihre Nachbarlรคnder mit ihren Entscheidungen gut fahren? Zum ersten Mal seit Beginn der โKriseโ kann man beweisen, dass Masken nichts bringen.
Wรผrden die deutschen Medien ihre Arbeit richtig machen, hรคtte der โneueโ Weg der Schweiz ebenfalls eine starke Anziehungskraft auf die Bundesrepublik. Stattdessen schweigen sich die etablierten Medien oder werfen der Schweiz ein Spiel mit dem Feuer vor.
Die Scharfmacher nรถrdlich der Alpen eilen von einem Alarmismus zum nรคchsten und stรผrzen sich gierig auf die nรคchsten Zahlen, die das kleine Bergvรถlkchen verรถffentlichen wird.
Deutschlands Fรถderalismus wackelt
Fรถderalismus funktioniert โ und ist damit einer der grรถรten Verteidiger freier Bรผrger gegen Staaten mit totalitรคren Tendenzen. Und damit wรคren wir auch wieder in unserem schรถnen Land angekommen. Unter dem Vorwand der โKomplexitรคtsreduzierungโ versucht Angela Merkel im letzten Jahr ihrer Kanzlerschaft die Lรคnder und ihre Kompetenzen kaltzustellen und โbundesweite Lรถsungenโ zu finden.
Dass bei den Corona-Regeln niemand mehr durchblickt, ist natรผrlich keine Lรคndersache, sondern ein generelles Problem durch die chaotische und teilweise verfassungswidrige Politik der letzten Jahre.
Merkel und das Bundeskanzleramt wissen ganz genau, wie gefรคhrlich โAbweichlerโ sein kรถnnen. Zuletzt schockierte das Saarland mit seinem โSonderwegโ Bund und Lรคnder. Stufe 3 des โSaarlandโ-Modells tritt beispielsweise erst bei der โdrohenden รberlastung des Gesundheitsystemsโ ein. Damit hat man den Schritt des โharten Lockdownsโ sogar vollkommen von der Inzidenzzahl entkoppelt.
Die angekรผndigten โeinheitlichen Vorgaben des Bundesโ sind genau geplanten Schritte, um Abweichler wie das Saarland wieder einzunorden. Medien, Kulturschaffende und Historiker hรคngen selbst am Tropf des Staatsgeldes, bestรคrken sogar den Weg des Bundes, anstatt Alarm zu schlagen: Denn zwischen Mรคrz und April 1933 wurden die Lรคnder gleichgeschaltet, um Berlin ungebremste Macht รผber Deutschland zu sichern. Das Ende ist bekannt.
Natรผrlich schaltet Merkel und die Bundesregierung nicht per gesetzlichem Handstreich die Lรคnder aus, wie die NSDAP es zu Beginn ihrer Machtรผbernahme gemacht hat; bis dahin ist es (noch) ein weiter Weg. Aber alle Pfeile zeigen in die gleiche Richtung.
