Leider hat sich in den letzten Jahren ein Trugschluss entwickelt, der, genauer betrachtet, nicht haltbar ist. Momentan nehmen die meisten Patrioten, aber auch die linken Gegner, an, dass je fundamentaloppositioneller die Rechte, desto sozialpatriotischer.
Im Gegenzug wird der โKuschelkurs mit CDU und FDPโ, also eine Anlehnung an das Establishment, mit einem wirtschafts- oder gesellschaftsliberalen Kurs gleichgesetzt.
Faktisch ist das bei vielen der politischen Akteure tatsรคchlich so, weil viele wirtschaftsliberale Politiker aus dem Dunstkreis der Altparteien kommen. Das Gegenteil wird dann bei Bjรถrn Hรถcke festgemacht, der sicherlich der radikalste (im besten Wortsinne) Kritiker des Systems ist, und tendenziell eher einem sozialromantischen Kurs anhรคngt.
Auch die โNeue Rechteโ aus dem vorpolitischen Feld ist sozialer ausgerichtet, wohingegen die gemรครigten Oppositionellen (Tichys, Achse, Klonovsky โฆ) die Wirtschaft in Ruhe lassen wollen.
Von einem inhรคrenten Automatismus auszugehen wird der Realitรคt allerdings nicht gerecht, wie nicht nur unser Schundblatt, sondern auch Politiker wie Peter Boehringer (Interview Heft 3), Alice Weidel oder Harald Weyel zeigen: Eine fundamentale Opposition, die nicht nur Manikรผre betreiben will und auf halber Strecke vergisst, dass sie eigentlich Deutschland retten wollte, hat nichts mit dem Grad an wirtschaftlichem Liberalismus zu tun. Die Ablehnung einer umlagefinanzierten Rente, hat nichts mit einer Zustimmung zum โRaubtierkapitalismusโ zu tun. Die Unterstรผtzung eines freien Welthandels, hat nichts mit der Zustimmung zur Einwanderung โmenschlichen Kapitalsโ zu tun.
Dass konsequente Libertรคre eigentlich stรคrkere Migrationskritiker sein mรผssten als Nationalkonservative, habe ich im aktuellen Leitartikel dargelegt.
Leider hat sich die westliche Welt in den letzten Jahren simultan in zwei entgegengesetzte Richtungen entwickelt: Zum einen wird immer mehr โExpertenโ vertraut, die die Weisheit mit dem Lรถffel gefressen haben, zum anderen denkt sich jeder, eine eigene Meinung zu einem Thema haben zu mรผssen, von der er nichts versteht. Diese auf den ersten Blick widersprรผchliche Entwicklung, kann man schnell auflรถsen: Die โMeinungsbildungโ des Volkes beruht auf dem Widerkauen der โExpertenmeinungโ.
Natรผrlich gibt es Bereiche der Politik, in der auch Lieschen Mรผller eine nicht zu vernachlรคssigende Meinung hat und auf die in gleichem Maรe gehรถrt werden sollte, wie auf die Meinung eines Professors. Und vielleicht sollte man momentan sogar lieber dem โeinfachen Mannโ aus dem Volk vertrauen, als einem รผberbezahlten Beamten, der von einer Universitรคt ins Europรคische Parlament wechselt. Das รคndert aber nichts daran, dass es sehr wohl Themenkomplexe gibt, รผber die es schlichtweg unnรถtig ist, sich zu unterhalten, wenn man nichts von der Materie versteht. Und einer dieser Bereiche ist die Volkswirtschaft.
Das fรคngt bei der plakativen Amazon-Kritik an: Es gibt hundert Grรผnde, Amazon zu kritisieren; dass man den Laden schlussendlich dafรผr kritisiert, dass er โkeine Steuern bezahlt hรคtteโ, zeugt lediglich davon, dass man ein รถkonomischer Analphabet ist. Oder um es vielleicht mit dem besten Zitat Hayeks zu sagen: โWenn Sozialisten etwas von Wirtschaft verstรผnden, wรคren sie keine Sozialistenโ.
Wer schlichtweg nichts von Skaleneffekten, Steuerbelastungen, Fiskalpolitik, Rentensystemen, der โSchere zwischen Arm und Reichโ versteht, der mรถge schweigen und sich weiterbilden. Besonders markant: Die Idee, dass โReiche den Armen etwas wegnehmenโ, wurde bereits vor mehr als 200 Jahren hinlรคnglich widerlegt. Dementsprechend kann man bei diesen vornehmlich linken, mittlerweile aber auch bรผrgerlichen und rechten Vertretern dieser These von รถkonomischen Flacherdlern sprechen. Ich vermute, dass รผber 90 Prozent der Deutschen der Meinung sind, dass Wirtschaft ein Nullsummenspiel ist.
Warum so viele Menschen derartigen Unsinn glauben, weiร ich nicht. Vielleicht ist etwas dran an der Behauptung, dass auf dem Lehrplan bewusst nichts von Volkswirtschaft auftaucht, um die Leute dumm zu halten. Vielleicht haben auch die Sozialisten der letzten 50 Jahre es geschafft, die Politik zu unterwandern und populistische Scheinlรถsungen anzubieten?
Womรถglich ist der Deutsche auch einfach nur schlecht in Mathe und mag keine Zahlen? Oder der รผberbordende Staatsapparat will wieder mehr zum Umverteilen haben, und sich neue Aufgaben beschaffen? Vielleicht ist die logische menschliche Reaktion auf die eigene Armut der Schluss, dass ja der Nachbar zu viel Geld habe โ Geld, dass mir ja eigentlich zustรผnde… und damit wรคren wir bei der Neiddebatte.
Die Kritik an den gesellschaftlichen Zustรคnden gehen Hand in Hand mit der Kritik am รถkonomischen System. Hedonismus, Kulturverfall und die Entwertung der Familie, haben primรคr nichts mit globalen Konzernen, die ihre Agenda verbreiten, sondern mit Inflation und allen damit zusammenhรคngenden Problemen zu tun. Eine hohe Scheidungsquote hat an erster Stelle nichts mit โfehlenden Wertenโ zu tun โ sondern ist primรคr auf einen Sozialstaat zurรผckzufรผhren, der es jedem ermรถglicht, Kinder alleine groรzuziehen. Die Rolle der kรผmmernden Mutter รผbernimmt sukzessive der Staat (KitA, Kindergarten, etcโฆ) die Rolle des schรผtzenden und versorgenden Vaters wird ebenfalls vom Leviathan (Polizei, Sozialleistungen) รผbernommen.
Wรผrde sich die patriotische Rechte einmal im Kern darauf besinnen, den Staat als Gegner ihrer eigenen Wertevorstellungen zu sehen, wรคre der Weg zu einem sich gesundendem Land womรถglich einfacher und nachhaltiger, als nur mit anderen Verteilungskรคmpfen um das Vermรถgen der hart arbeitenden Steuerzahler.
Patrioten mรผssen โ davon bin ich felsenfest รผberzeugt โ auch wirtschaftsliberal sein. Es mutet absurd an, wenn Leute, die sich als stolze Deutsche oder รคhnliches bezeichnen, gleichzeitig wollen, dass der feiste Staat sich vergrรถรert, freie Unternehmen beschneidet und anschlieรend mit rattenhafter Bรผrokratie die Bonbons vom Leistungstrรคger zum Leistungsempfรคnger umverteilt. Ein stolzer Deutscher kann immer nur ein freier Deutscher sein. Und frei ist man nicht, wenn man vom Geld anderer Leute lebt.
Hier geht es zum Streitgesprรคch zwischen der Krautzone und dem Neuschwabenfunk, in der dieser Konflikt ebenfalls thematisiert wird.
