Im Sommerloch ging die Meldung fast unter: Das neue Bundeskanzleramt wird teurer als geplant. Fรผr die neuen Baukosten werden 485 Millionen Euro eingeplant. Das ergab eine Anfrage der Grรผnen an die Bundesregierung. Demnach sind gegenรผber der letzten Kostenrechnung weitere 39 Millionen Euro dazu gekommen.
Zudem gehen die Verantwortlichen nicht wirklich davon aus, dass es bei 485 Millionen Euro bleibt. Es seien bereits weitere 115 Millionen Euro fรผr Kostensteigerung beim Bau eingeplant โ die normalerweise von der Politik und den Bauunternehmen auch verwendet werden.
Man gรถnnt sich ja sonst alles
Gerade jetzt im Zuge der monatelangen Lockdowns bangen Millionen Deutsche um ihre Existenzen, gleichzeitig ist der Staatshaushalt durch die zahlreichen Corona-Maรnahmen explodiert. Die Neuverschuldung des Haushaltes steigt auf 240 Milliarden Euro, im Jahr zuvor lag die Zahl bei โnurโ 180 Milliarden Euro.
1949 wurde das Bundeskanzleramt gegrรผndet und รคhnlich wie bei allen BRD-Institutionen wuchs die Zahl der Mitarbeiter und das Haushaltsvolumen der Behรถrde rasant an. Das ist auch der Grund, warum bis 2028 der Neubau stehen soll: Aufgrund โneuer Aufgabenbereicheโ, so berichtet NTV, mรผsse Platz fรผr die kรผnftig dort arbeitenden 750 Mitarbeiter geschaffen werden. 2019 arbeiteten dort noch 600 Mitarbeiter.
Selbst das jetzige Bundeskanzleramt gilt als grรถรtes Regierungsgebรคude der Welt. Mit einer Nutzflรคche von 25.000 Quadratmeter ist es acht Mal so groร wie das Weiรe Haus in Washington und drei Mal so groร wie der Elysee-Palast in Paris. Die britische โ10 Downing Streetโ ist deutlich kleiner, kann aber aufgrund der verwinkelten Grundflรคche nur geschรคtzt werden. Der Buckingham Palace hingegen hat eine eindeutige Grundflรคche: 7.100 Quadratmeter und damit weniger als ein Drittel des Bundeskanzleramtes.

Auch die Kleinsten kommen nicht zu kurz
Der Erweiterungsbau des Kanzleramtes soll die bisherige Grundflรคche des Gebรคudes verdoppeln, wodurch das Angela Merkel unterstellte Amt an der Spree eine Gesamtflรคche von 50.000 Quadratmeter aufweisen wird. Wofรผr dieser sogenannten โZweckbauโ โ die Politik gibt sich bescheiden โ konkret gebraucht wird, ist noch nicht bekannt. Und auch die Kritik der Medien an dem Bauvorhaben hรคlt sich รผberraschenderweise in Grenzen.
Der Ausbau ist mit rund 18.000 Euro Baukosten pro Quadratmeter kalkuliert, der Kindergarten, der exklusiv fรผr den Nachwuchs der Mitarbeiter gebaut werden soll, kostet alleine 2,8 Millionen Euro โ und ist nach Angaben von Gunnar Schupelius, der in der B.Z als einer der ersten auf die teuren Plรคne der Regierung hinwies, drei Mal teurer als vergleichbare Kindergรคrten.
Kritik vom Bund deutscher Steuerzahler und dem Bundesrechnungshof wurde bis auf wenige, kleine รberarbeitungen ignoriert: Die Erweiterung ist beschlossene Sache.
Selbst der Trump-Tower hat das bessere Preis-Leistungsverhรคltnis
Dass die Privatwirtschaft deutlich besser und kostengรผnstiger baut als die Politik ist kein Geheimnis mehr. Wie krass aber die Unterschiede sind, erkennt man beim Vergleich zwischen dem unnรถtigen Kanzleramtsanbau und dem โTrump Towerโ in Chicago. Der mit ganzem Namen als โTrump International Hotel and Towerโ bezeichnete Wolkenkratzer wurde in nur vier Jahren Bauzeit hochgezogen. Die Baukosten werden mit 750 Millionen US-Dollar beziffert, was bei einem ungefรคhren Wechselkurs von 1,4 (Jahr 2010) 575 Millionen Euro entspricht.
Der Chicagoer Trump Tower ist stolze 423 Meter hoch und damit das vierthรถchste Gebรคude der USA und liegt sogar noch auf Platz 26 in der Welt. Das Gebรคude besteht aus 98 Stockwerken, die insgesamt 250.000 Quadratmeter umfassen. Damit liegen die Baukosten pro Quadratmeter 10 Mal niedriger als beim Bundeskanzleramt. Zwei bedeutende Unterschiede gibt es aber noch:
Erstens, der Trump Tower wurde aus eigener Tasche und aus der Tasche der Investoren bezahlt, wohingegen das Bundeskanzleramt vom geschrรถpften Steuerzahler finanziert wurde.
Zweitens, der Trump-Tower erwirtschaftet einen steuerlichen Mehrwert durch die ansรคssigen Unternehmen, wรคhrend der Schaden, den das Bundeskanzleramt in den letzten 16 Jahren angerichtet hat, schlichtweg nicht zu beziffern ist.
