โGebt mir mein Feuerwerk oder ich bin das Feuerwerk!โ, so verkรผndete ich letztes Jahr vollmundig, als in meiner Heimatstadt Kรถln empfohlen wurde, statt der verbotenen Raketen und Batterien um null Uhr die Deckenleuchte durch mehrmaliges Ein- und Ausschalten zum Glรผhen zu bringen.
Sein Fenster sollte man vorab โbunt bekleben, bemalen oder behรคngenโ und dann โimmer mal wieder aufleuchten lassenโ. โDas spektakulรคrste Feuerwerk der Weltโ sollte das werden, so die Stadt. Noch nie in meinem Leben habe ich mir so sehr einen Stromausfall gewรผnscht, von dem ja auch mancher mutmaรte, er wรผrde von der Gaudi herbeigefรผhrt, wenn nur genug Leute mitmachen.
Es stellte sich heraus: Drei zugekiffte Althippies in Marienburg sind nicht genug. Ansonsten hรคtten vermutlich auch die hiesigen Anhรคnger des Islamischen Staates oder von Vergleichbarem diese Art der hybriden Kriegsfรผhrung inzwischen fรผr sich entdeckt.
Feuerwerk ist mir tatsรคchlich einigermaรen wichtig. Silvester ist, noch vor Weihnachten und neuerdings dem Jahrestag von Kyles Freispruch, mein Lieblingsfest im ganzen Jahr. Als Kind habe ich am Tag danach immer die verschossenen Raketenhรผlsen in der Umgegend gesammelt, in der Hoffnung, daraus durch irgendein Wunder wieder eine funktionierende Rakete herstellen zu kรถnnen. In der Jugend fand ich dieses Wunder dann, es nannte sich Kaliumnitrat und war damals noch als Pรถkelsalz und Dรผnger frei erhรคltlich.
Heutzutage wรผrde wahrscheinlich das SEK mein Elternhaus stรผrmen, wรผrde irgendjemand von den darauffolgenden Experimenten mit Schwarzpulver, Flashpulver und Rauchbomben Wind bekommen. Damals war man noch etwas laissez-fairer eingestellt.
Pyrotechnik, insbesondere Hรถhenfeuerwerk wie Raketen, Zylinder- und Kugelbomben, hat den jungen Shlomo so fasziniert, dass ein hartnรคckiger Berufswunsch von mir der des Pyrotechnikers war. Rรผckwirkend betrachtet eine gute Entscheidung, mich stattdessen auf den Hass zu konzentrieren, welcher sich als deutlich zukunftstrรคchtigerer Karriereweg herausstellte. Zu hassen gibt es jeden Tag mehr, in die Luft Sprengbares von Jahr zu Jahr weniger.
So steht nun, im zweiten Jahr in Folge, in dem wir zur Feier des Jahreswechsels von der Regierung an die Lichtschalter geschickt werden, der ehemalige deutsche Feuerwerksriese Weco nach 323 Jahren vor dem Aus. Weco ist gewissermaรen ein Stรผck deutsche Pyrotechnik-Geschichte, sie waren es, die das Konzept von Mini-Kugelbomben, im Gegensatz zu aufbaulosen Schรผtt-Raketen, als erste groรflรคchig an die Discounter-Feuerwerkstheken gebracht haben. Fast alle anderen groรen Raketenhersteller zogen nach. Um ein richtiges Bukett, also eine Art Funkenkomposition anstatt nur ein paar vom Wind verteilter Funken am Himmel zu bekommen, musste man bis dato auf den Fachhandel zurรผckgreifen und deutlich teurere Raketen wie die von Zink oder Funke kaufen oder im Baumarkt nach โStars of Trinidadโ von Keller Feuerwerk suchen. Junge, die Erinnerungen. โStars of Trinidadโ war der Shit. Gibt es leider auch nicht mehr.
Genug Feuerwerksgeschichte, die wenigen Prozent der Leser, die das interessieren dรผrfte, sollten auf ihre Kosten gekommen sein. Was sagt uns das alles politisch? Nun ja, dass ich, woran man mittlerweile ja langsam gewรถhnt sein sollte, mal wieder recht hatte. Ich habe letztes Jahr schon prophezeit: Silvester werden wir nie wiedersehen. Zumindest nicht bis zu einem fundamentalen Wandel der Gesellschaft.
Denn so lรคuft das halt mit diesen verseuchten Blinddรคrmen der Gesellschaft, als welche wir ganze Bevรถlkerungsgruppen offenbar neuerdings ohne jeden bedenklichen Beigeschmack darstellen kรถnnen, so hat uns Sarah Bosetti ja unlรคngst im ZDF gelehrt. Haben sie einmal einen Fuร in der Tรผr, war es das, egal unter welchem vorgeschobenen Grund sie den da reinbekommen haben. Silvester war den politischen Krankheitserregern schon seit Ewigkeiten ein Dorn im Auge, und jetzt, wo man eine schรถne Ausrede hatte, alles Mรถgliche zu verbieten, haben sie halt zugeschlagen.
Nun, unter der Ampel, wo ja ohnehin noch tausendundein Klimaverbot dazukommen wird, dรผrfte es damit um Silvester geschehen sein. Selbst wenn Corona in den nรคchsten Jahren irgendwie aufhรถren sollte, so ein dominantes Thema zu sein; โwir haben doch jetzt mehrere Jahre lang gesehen, dass es auch ohne gehtโ, das werden wir zu hรถren bekommen, und dann halt einen der anderen 30 Grรผnde, aus denen Linke Silvester hassen. Dieser eiternde Wurmfortsatz, die entzรผndete Journo-Clique im Unterbauch der Gesellschaft, muss herausgeschnitten werden, bevor sie den Organismus endgรผltig zugrunde richten kann.
Hm, das klingt jetzt schon etwas hart. Stellt euch mich einfach mit blonder Perรผcke und dahergesรคuselter Sรผรes-kleines-Mรคdchen-Stimme vor, wie ich das sage. Passt. Satire darf das.

