Mit โBetter Call Saulโ geht kommenden Monat eine der letzten wirklich hochwertigen Serien zu Ende. Vor Kurzem erst wurde ja die Serie โDexterโ ein zweites Mal unrรผhmlich abgeschlossen, nur diesmal, zusรคtzlich zu einer รคhnlich entgleisenden Handlung, wie sie schon beim ersten Ende sauer aufstieร, auch noch mit einigem woken Radau. Guck mal, ein schwuler Waffenladenbesitzer, der insgesamt zwei Minuten Screentime bekommt, in denen eigentlich nur verkรผndet wird, wie stockschwul er doch ist; guck, der blรถde weiรe privilegierte Cis-Boy, guck, Luisa Neubauer fรผr Arme als Love Interest fรผr Dexters Sohn, guck, die taffe Podcasterin, die kleine BuzzFeed-Feminismus-Reden schwingt, und so weiter und so fort.
Bei โBetter Call Saulโ bin ich eigentlich guter Hoffnung, dass uns so eine Verseuchung der Serie auf den letzten Drรผcker erspart bleiben wird, denn in ihrem Universum wรผrden woke Tรถne noch dissonanter herausstechen, als das beim freundlichen Serienkiller der Fall war, aber nichtsdestotrotz steht mit dem anstehenden Ende einer der letzten kopfschmerzfrei konsumierbaren Serien wieder einmal die Frage im Raum: Was zum Teufel soll man noch gucken?
Mainstream-Entertainment mit konservativem Einschlag ist ja ohnehin seit Jahrzehnten keine Sache mehr; und momentan schmilzt die rettende Eisscholle der auch nur nicht explizit linkspolitischen Unterhaltung auf Hochtouren dahin. Der Regenwald des Unpolitischen wird gerodet, und ich sitze als trauriger Orang-Utan auf dem Sofa wie auf einem der wenigen verbleibenden Bรคume, nur wartend auf das Knattern der Motorsรคge. Leider schieรt niemand ein anrรผhrendes Foto von mir. Und es sind ja nicht nur die Filme und Serien, es ist alles. Hinknieball, Radio, das groรe Promi-Madenessen; alles, was in Bild und/oder Ton verbreitet wird.
Zum einen nagt es tatsรคchlich ein wenig an der Psyche, mit anzusehen, wie alles, was man konsumiert, vor den Karren der Gegner gespannt wird. Ein niedrigschwelliges โDie Wรคnde kommen auf dich zuโ-Gefรผhl erzeugt es bei mir ein ums andere Mal, wenn ich Ewigkeiten damit verbringen darf, irgendetwas zu gucken zu finden, das mir nicht durch die Blume mitteilen mรถchte, dass man so was wie mich doch eigentlich an die Wand stellen sollte. Zum anderen liegt in den Ausmaรen dieser raschen Erosion des Unpolitischen auch eine Chance: Man kรถnnte genau diese Sparte von unserer Seite aus besetzen.
Machen wir uns nichts vor, etwas wirklich Unpolitisches gibt es gar nicht. Alles transportiert eine gewisse Philosophie, ein gewisses Lebensgefรผhl, eine Grundhaltung. Die einzige Frage ist: Wie explizit? Die Antwort auf diese Frage ist in der heutigen Unterhaltungswelt โjaโ. Das รถffnet eine Nische: Unterhaltung, die dich nicht sofort mit rechten Ansichten รผberfahren muss (wobei man diese auch nicht krampfhaft vermeiden sollte), gemacht von Rechten, mit rechten Gรคsten. Zum einen fรผr die Psychohygiene unseres eigenen Lagers, wo man dann immer mehr Vernรผnftiges zu gucken hรคtte, auch wenn einem der Sinn gerade nicht nach Politik steht, und zum anderen als Einstiegspunkt fรผr den Ottonormalo. Denn wenn du irgendwen daher kennst, dass er die lustigsten Witzchen beim Kniffel-Podcast oder was auch immer reiรt, dann bist du direkt schon mal offener, dir auch Meinungen von ihm anzuhรถren, bei denen du im Normalfall mental dichtmachen wรผrdest. Wichtig wรคre daher auch, dass explizit politische Figuren wie etwa meine Wenigkeit in solchen Formaten immer mal wieder zu Gast sind, wie vergangene Woche bei der Quizshow von Gabba Gandalf. Von so etwas brรคuchte es mehr, und es muss gepusht werden.
Wir, die politische Inhalte produzieren, sind ja alle in irgendeiner Form auch durch den Gedanken getrieben gewesen: โWarum gibt es die โTagesschauโ, โMonitorโ, die โheute-showโ et cetera eigentlich nicht von der anderen, meiner politischen Seite?โ. Es ist an der Zeit, dass derselbe Gedanke auch im unpolitischen Unterhaltungsbereich greift und sich rechte Spieleshows, Sport-Podcasts, Kochshows et cetera herauskristallisieren, die dann bestenfalls immer wieder auch von explizit politischen Akteuren besucht werden, aber nicht den Hauptfokus haben, politisch zu sein. Hier sehe ich auch gerade das grรถรte Potenzial fรผr Newcomer, denn in der offen politischen Szene ist das Feld ja inzwischen relativ dicht geworden, wรคhrend der nicht explizit politische Raum annรคhernd vollstรคndig verwaist. Immer mal wieder haut ein einzelner Aktivist, YouTuber oder Politiker nebenbei in so eine Kerbe, wie jรผngst Maรฎtre Gunnar Lindemann, aber es brรคuchte Leute, deren Hauptfokus auf solchen Formaten liegt, und von den eben Genannten mรผssten diese dann Unterstรผtzung bekommen.
Mein Appell daher: Ihr kennt euch aus mit, sagen wir, Fuรball, und seid in der Lage, euch zu artikulieren? Macht ein Fuรballformat und ladet Rechte ein. Ich wรผrde kommen. Schreibt โne E-Mail an โho*******@********il.comโ in dem Fall. Nur so als Beispiel, im Grunde: Wenn ihr denkt: โUnterhaltungsformat ABC aus der Glotze oder dem Netz kรถnnte ich auch (und hรคtte ich Bock drauf)โ, dann probiert es doch einfach mal aus. Der Moment, den unpolitischen Bereich zu erschlieรen, war noch nie so opportun, denn das penetrante linkspolitische Reviermarkieren in Mainstream-Formaten geht bei Weitem nicht nur uns auf den Sack. Es geht sogar der Mehrheit auf den Sack.

