Ein Blick in die ZDF-Mediathek ist wie ein Blick in die Mรผlltonne eines Studentenwohnheims: Bunte Verpackungen mit grellen Schriftzรผgen, alter Fraร, ranzige Reste โ kurzum: eine unappetitliche Melange, deren unterschiedliche Bestandteile auch durch eine sorgfรคltige Trennung keine Adelung erfahren hรคtten. Unter dem Programmabfall, der sich wahlweise fรผr die Massensedation der Boomer oder Bespaรung retardierter Zoomer empfiehlt,…

… sticht eine Kachel hervor: Sarah Bosettis Format mit dem geltungssรผchtigen Titel โBosetti will redenโ. Bosetti! Will! Reden! Zu sagen hat die Dame mit dem glasig-blassen Blick und den angespannten Gesichtszรผgen freilich nichts, was Wikipedia nicht daran hindert, groรspurig aus ihr eine โdeutsche Autorin, Satirikerin, Komikerin und Moderatorinโ zu machen. Diese Zuschreibungen sind, um im Bilde zu bleiben, fรผr die Tonne. Das Prรคdikat โdeutscheโ verrรคt uns ja bereits, dass Bosetti in Wirklichkeit weder satirisch noch komisch ist.
Autorin? Ich habe mir vor zwei Tagen eine Tรผte YumYum-Nudeln zubereitet, zum Koch macht mich das aber noch lange nicht. Automaten wie Bosetti produzieren (oder lassen produzieren) seit Jahren eine solche Masse an Lese-Mรผll, dass man im Hugendubel oder der Thalia รผberhaupt nicht mehr weiร, wo man hintreten soll. Gefรผhlt 99 Prozent aller Bรผcher im รถffentlichen Handel sind Egomanenschrott und tragen Titel wie โWenn ich eine Frau wรคreโ oder โMein schรถnstes Ferienbegrรคbnisโ oder โIch bin sehr hรผbsch, das sieht man nur nicht soโ. Ach ja, die Alphabetisierung โ wofรผr war die noch mal gut?
Bleibt also noch โModeratorโ. Das sind die Leute, die durchaus im Bosettischen Sinne narzisstisch veranlagt sein dรผrfen, aber als Lenker โ und nicht als Fรผhrer โ ein Gesprรคch dirigieren. Macht das Bosetti? Hat das Regierungsfernsehen ihr etwa ein paar Stรผhle hingestellt und Notizkarten in die Hand gedrรผckt? Nein, so bescheuert ist man selbst beim ZDF nicht. Stattdessen hat man Bosetti gesagt, wo die Kamera steht und wie viel Zeit sie hat, um ihren regierungstreuen Zeitgeistsermon herunterzubeten.

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Und genau das hat eine zeitlang funktioniert. Wรคhrend Corona, also einer Grippewelle, die von Regierungen, regierungsnahen Organisationen und der Pharmaindustrie dazu genutzt worden ist, Millionen von Menschen einen nicht ausreichend getesteten Impfstoff aufzuzwingen, agierte Bosetti als propagandistischer Multiplikator. Da sie sich, wie der Name ihres Formats erahnen lรคsst, gerne selbst beim Reden zuhรถrt, lieร der Staatssender sie in den letzten zwei Jahren ganze 62 Beitrรคge produzieren. Damit der Plastikmensch auch weiร, dass er lachen darf, laufen Bosettis Videos unter der Rubrik „ZDF Satire“. Wie ein roter Faden zieht sich durch all ihre Beitrรคge, die selbst in 1.5-facher Geschwindigkeit unertrรคglich paralysierend wirken, ein in Deutschland bewรคhrtes Argumentationsmuster: Wer nicht denkt wie ich, der ist voll der Nazi.
Um den Anforderungen der Dialektik gerecht zu werden, gehรถrt zum inflationรคr geรคuรerten Nazi-Vorwurf aber auch eine waschechte Nazi-Haltung. Auch hier lieร sich Bosetti nicht lumpen. Genรผsslich kostete die Frau mit dem eisigen Blick die Macht aus, die ihr und ihresgleichen in der Hochphase des Corona-Regimes angetragen wurde.
Der Klumpfuร aus Rheydt und seine Schergen verglichen Menschen mit Ratten. Bosetti hingegen wollte nicht die Grenzen des Urheberrechts รผbertreten und griff stattdessen metaphorisch in die Kiste mit den Innereien. Der sich der Impfung verweigernde Volksschรคdling war ihrer Meinung nach ein Blinddarm, also „ziemlich weit rechts und ziemlich weit unten“. Aber sie vergaร nicht beruhigend nachzuschieben:
โUnd so ein Blinddarm ist ja jetzt nicht im strengeren Sinne essenziell fรผr das รberleben des Gesamtkomplexes.โ
Empรถrend war aus Sicht der Anhรคnger von Bosetti natรผrlich nicht dieser Satz, sondern die Massen an โHassbotschaftenโ, unter denen die Einpeitscherin begraben wurde. Wie gut, dass sie dafรผr ihren โGauland-Ordnerโ hatte. Bosetti durfte nach Aussagen wie dieser selbstverstรคndlich beim Sender bleiben. Propaganda hat schlieรlich nicht die Aufgabe, zu รผberzeugen, sondern zu erniedrigen. Ihre nachgereichte Entschuldigung war entsprechend nicht der Rede wert. Blabla, war doch nur ein Joke, haha.
Von dem ganzen Corona-Theater ist nun nicht mehr viel รผbrig geblieben, und Leute wie Bosetti haben ein Problem. Ihre Wette aufs falsche Pferd lรคsst sich eben nicht so leicht kaschieren, wie das fรผr Meier und Mรผller nach 45 der Fall gewesen ist. Ein falscher Bart und eine argentinische Staatsbรผrgerschaft sind keine Optionen fรผr Bosetti. Auch der beflissene Hinweis darauf, nur Befehle empfangen zu haben, steht nicht zur Debatte. In Bosettis Welt ist sie und kein anderer der Tonangeber. Bosetti will auch weiterhin reden. รber Impfschรคden und Deutungshoheit zum Beispiel. Denn Letztere entgleitet Leuten wie ihr zunehmend.
Ihr bleibt also nur die Flucht nach vorne, und dabei werden wir alle, ob wir es wollen oder nicht, Zeugen und Zuschauer einer ganz besonderen Posse: Bosetti und Konsorten mauern sich in den Trรผmmern ihrer Corona-Narrative ein. Denn die Experten haben auch weiterhin recht! Keiner (auรer Lauterbach) hat behauptet, die Impfung sei nebenwirkungsfrei! Trotzdem ist die Impfung gut! Auรerdem schรผtzt die Impfung! Hallo, Regierung, wieso lรคsst du die Maรnahmen fallen? Das ist ja komisch, wie kann das sein, das ist ja komisch?!

Bosetti gibt jedenfalls nicht auf. Sie muss ja auch weiterhin von etwas leben. Auรerdem hat sie Prinzipien. Und will reden. Das vor allem. Vielleicht schreibt sie ja nochmal ein Buch. Nicht so ein seichtes Entschuldigungs-Buch, wie der ehemalige Gesundheitsminister. Nein, Bosetti bleibt auch weiterhin der Typ fรผr Kampfansagen. Immer gegen diejenigen ganz weit rechts und ganz weit unten. Gegen die Blinddรคrme. Es geht immerhin um den Gesamtkomplex. Ist Bosetti eigentlich geboostert? Wehe, wenn nicht…

