Groร angekรผndigt wurde er ja, der Generalstreik. Alle Bauern sollten in ihren Traktoren und anderen Fahrzeugen in die grรถรeren Stรคdte des Landes fahren und dabei gern den Verkehr mit ihren monstrรถsen Maschinen lahmlegen. Auch andere Berufsfelder wurden dazu aufgerufen, sich dem Streik und den Protesten anzuschlieรen โ auf dass sie eben zum Generalstreik werden. Ich muss leider gestehen: Viel habe ich vom Generalstreik nicht mitbekommen; die Geschรคfte hatten geรถffnet, die Busse und Bahnen fuhren. Aber immerhin, die Bauern waren trotzdem unterwegs: Die Autobahnen waren voll, spรคter dann ebenso die Innenstรคdte. Ich selbst konnte bei keiner Demo vor Ort sein, doch es hat seine Vorteile, wenn man ein wenig in unserem Lager vernetzt ist: Charlotte Corday besuchte die Demo in Berlin und war so lieb, mir einige Eindrรผcke in Form von Fotografien zu schicken.



Da steckt schon ein gewisses Machtpotenzial dahinter โ wenn es denn richtig ausgenutzt wรผrde. Doch davon kann anscheinend nicht die Rede sein โ laut Charlotte tauchten in Berlin nicht so viele Leute auf, wie erwartet wurden. Kollege Fechter รคuรerte bereits am Freitag Zweifel am Erfolg des Streiks, und seine Befรผrchtungen sind zum Groรteil eingetroffen: Es war eben kein Generalstreik, da nicht alle aufgerufenen Berufe mitgemacht haben, und am Ende wird es wohl nur eine kleine Episode bleiben, wenn sich die Bauernverbรคnde von der Regierung einlullen lassen sollten. Auch waren die Demos wohl nicht ganz so voll wie erwartet. Und es gibt ein drittes Problem: Die Berichterstattung und die Reaktion der fรผhrenden Bauernverbรคnde darauf.
Es fing schon mit dem Grund fรผr die Bauernproteste an. Von โSubventionenโ sei immer die Rede gewesen โ die Regierung wolle den Landwirten Subventionen streichen. Doch darum ging es im Grunde nie, denn es war die Absicht der Bundesregierung, die Steuerprivilegien fรผr den landwirtschaftlichen Sektor zu streichen: So wird der Agrardiesel in Deutschland deshalb billiger, weil der Staat den Verbrauchern (also den Bauern) die Mineralรถlsteuer zurรผckerstattet, und auch bei der Kfz-Steuer erhalten die Landwirte Erleichterungen. Das sind aber eben keine Subventionen โ bei diesem dreisten Umframing stellen sich jedem mit etwas รถkonomischem Sachverstand die Nackenhaare auf; gerade bei uns Autoren der KRAUTZONE, die wir doch grundsรคtzlich ein libertรคres Wirtschaftsverstรคndnis haben.
Im Mainstream jedoch ward der Propagandasamen gestreut, und er hat gefruchtet, wodurch dem klugscheiรenden โHeute-Showโ-Normie mit einem IQ von 105 nicht entgangen ist, dass sich die AfD, die den protestierenden Landwirten ihre Unterstรผtzung anbot, ja gegen Subventionen ausspricht โ hallo, Doppelmoral, falsches Spiel!! Nun, wie erlรคutert, es ist ein Scheinwiderspruch. Klar, die Partei ist grรถรtenteils gegen Subventionen, bei Steuersenkungen wรคre sie aber sofort dabei.
Stichwort AfD: Es wurde generell versucht, die Proteste in eine rechte (und damit ja bรถse) Ecke zu drรคngen. Statt angemessen zu reagieren, sprangen die Bauernverbรคnde รผber das Stรถckchen und distanzierten sich. Als Beispiel dafรผr mรถchte ich die โjunge Arbeitsgemeinschaft bรคuerliche Landwirtschaftโ (jAbL) nennen, die ein Video verรถffentlichte, in welchem sie ausdrรผcklich vor einer Vereinnahmung von rechts warnte. โJA zu bรคuerlichem Protest, NEIN zu rechter Hetze!โ, hieร es dort.
Die jAbL scheint wohl eine der linksten Vereinigungen im landwirtschaftlichen Bereich zu sein โ sie gendert schlieรlich auf ihrer Seite, ich glaube, die meisten Bauern, die ich kenne, wรผrden das schief anschauen โ, dennoch war der Ton von anderen Vertretern รคhnlich. Man wolle keinen Umsturz, man wolle keine AfD im Boot, denn unsere Demokratie… Der geneigte Leser kennt das Palaver. Auch einer der Redner auf der Berliner Demo hatte โ so berichtete es mir Charlotte โ nichts Besseres zu tun als darรผber rumzuheulen, dass man doch in die bรถse rechte Ecke gestellt werde. Es ist eben nun mal ein รคhnliches Problem wie bei den Rentnern: Der Bauer ist nun mal ein traditioneller CDU-Wรคhler โ vielleicht ist man noch den Freien Wรคhlern zugeneigt, aber dann ist Schluss. Die Grรผnen sind zwar der Hauptfeind, aber den Hauptfeind der Grรผnen verortet man dummerweise in der Union. Diesen Fehlschluss haben die meisten Bauern leider nicht erkannt.
Das Hauptargument bei der Distanzeritis ist dann: Es gehe eben nur um Agrarpolitik, der Rest interessiere nicht, deswegen wollen wir die bรถse AfD auch nicht. โWir sind sauer […] wegen 30 Jahre verfehlter Agrarpolitikโ heiรt es gleich zu Beginn des bereits erwรคhnten Videos der jAbL. Aber nun verratet mir, ihr lieben Landwirte, wer hat denn die letzten 30 Jahre regiert? Die AfD war es wohl nicht. Die CDU ist fรผr den Niedergang dieses Landes โ und damit auch des Agrarsektors โ mindestens genauso, eigentlich sogar mehr verantwortlich als die Ampel-Parteien. Sie werden euch nicht retten, im Gegenteil โ sie werden euch nur noch tiefer in den Schlamassel reiten. Aber wann werdet ihr das nur lernen?
