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Wenn der Incel zum „Trans-Maxxer“ wird

2. Mai 2024
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Seit einigen Jahren gibt es in der Blackpill-Sparte der amerikanischen Incel-Scene, also unter sexlosen heterosexuellen jungen Mรคnnern, die jede Hoffnung darauf, eine Freundin zu finden, beerdigt haben, das verstรถrende Phรคnomen der โ€žTrans-Maxxerโ€œ. Wer bislang hรถchstens den groรŸen Zeh in diese Untiefen menschlicher Abgrรผnde gesteckt hat, braucht, um das nachvollziehen zu kรถnnen, vermutlich eine Schritt-fรผr-Schritt-Erklรคrung.

Incels sind, wie beschrieben, eine besorgniserregend stark anwachsende Gruppe einsamer junger Mรคnner, die sich teils im Internet in groรŸen Leidensgenossen-Gemeinschaften zusammenfinden. Wie es so oft passiert, hat diese Bubble, die sich auf der Grundlage unerfreulicher Eigenschaften und Umstรคnde formierte, auf ihre Mitglieder meist keine heilsame Wirkung, sondern einen geradeheraus zerstรถrerischen Effekt: Man motiviert sich nicht gegenseitig, einen Ausweg aus seiner traurigen Lage zu finden, sondern suhlt sich im Gegenteil gemeinschaftlich im Elend, kultiviert Hass auf die restliche Gesellschaft, erstickt jedes Gefรผhl von Eigenverantwortung und gibt sich dem Defรคtismus hin. Der Gipfel dieser Entwicklung ist die โ€žBlackpill-Szeneโ€œ, die mit einer gewissen weltanschaulichen Tiefe dahinter die Gewissheit erlangt hat, dass jedes Aufbegehren gegen die Arschkarte, die man sein Leben nennt, sowieso vergebens ist. Das Ende vom Lied: Stagnation, anwachsende Animositรคt nach auรŸen, aber gleichzeitig die kรผhle Brise der Akzeptanz.

Gewisse Kรถrnchen Wahrheit finden sich im ideologischen Unterbau der Incels durchaus: Ja, die kleine โ€žGlobalisierungโ€œ des Partnermarkts hat Mรคnnern mit unterdurchschnittlich begehrenswerten Attributen nicht gerade ein einfaches Blatt zugeteilt. Um sich einzureden, dass man erstens sowieso vรถllig chancenlos ist und daher zweitens auch keinerlei Verantwortung fรผr die eigene Situation trรคgt, geht man gedanklich aber teils auch vรถllig irrationale Wege: Die (wahre) Whitepill fรผr sexuell unterperformende Mรคnner, dass, abgesehen von Elefantenmensch-mรครŸig Deformierten, ihnen ein selbstbewusstes, humorvolles Auftreten gerade als Mรคnnern รผber manche physische Unzulรคnglichkeit hinweghelfen kรถnnte, wird kategorisch abgelehnt. Tragisch, da in vielen Fรคllen das Auftreten oder auch einfach der Mangel an Kontakt mit der echten AuรŸenwelt eine deutlich entscheidendere Baustelle sein dรผrfte als das schwindende Kinn und die schiefe Nase, und dazu noch eine, die sie selbst in der Hand haben.

Ein Elliot Rodger (der Amoklรคufer von Isla Vista) etwa sah ja nicht einmal besonders unansehnlich aus โ€“ seinem Manifest kann man jedoch entnehmen, dass er darauf wartete, dass eine Frau ihn von sich aus ansprechen wรผrde. Er war also noch eine Ebene weiter von Selbstverbesserung entfernt, er nahm sich passiv aus dem Spiel, schon bevor ihm sein eigenartiges, schwรคchliches Auftreten zum Verhรคngnis werden konnte. Beides, die Feigheit und die Waschlappen-Ausstrahlung, kann man beheben. Doch dafรผr brรคuchte es mentale รœberwindungskraft und Disziplin. Das Ergebnis ist eine quรคlende Stimme, die ihnen โ€žรคndere was!โ€œ ins Ohr schreit und mit der Blackpill zum Verstummen gebracht wird, um sich den Seelenfrieden der Hoffnungslosen zu erkaufen.

Die Trans-Maxxer scheinen รคhnliche Sehnsรผchte zu hegen, wie ein Elliot Rodger sie zum Ausdruck brachte: Auch sie mรถchten von der AuรŸenwelt als begehrenswert wahrgenommen und, ohne ihre Passivitรคt verlassen zu mรผssen, mit Offerten umgarnt werden. Der soziale Stand und der Selbstbewusstseins-Boost des sexuellen Verlangens nach ihnen scheint dabei eine grรถรŸere Rolle zu spielen als der Sex selbst. Ihre Lรถsung dafรผr ist so pragmatisch wie bizarr: Sie feminisieren sich, zum einen, um in der Gesellschaft den hรถheren Stand einer woken Opfergruppe einzustreichen, zum anderen aber auch, um sexuelle Begierde zu wecken. Da Frauen auf dem sexuellen Marktplatz einen Angebotsรผberschuss aufweisen, hatten sie bei ihnen gerade als nicht sonderlich ansehnliche Typen mit ihrer Passivitรคt furchtbare Karten, bei schwulen Mรคnnern aber sieht es erheblich anders aus. Hier reden wir von einer Szene, die sowohl Angebots- als auch Nachfrage-mรครŸig aus allen Nรคhten quillt und in der ein schรผchterner, feminisierter Mann zahlreiche Interessenten findet.

Das Problem ist natรผrlich: Sie sind รผberhaupt nicht schwul. Die Lรถsung? Eine Drogen- und Hypnose-basierte Konversionstherapie. Ich mache keine Scherze, auf entsprechenden Foren finden sich Playlists mit Videos, die dazu gedacht sind, tiefenwirksam die eigene Sexualitรคt umzukrempeln, mitsamt Anleitungen, wie und unter dem Einfluss welcher Substanzen man sie konsumieren sollte. Allein an dem Ansatz, die Natur seines sexuellen Verlangens von Grund auf zu รคndern, um begehrenswert zu werden, sehen wir, dass dieses unerfรผllte sexuelle Verlangen selber nicht der Vater des Gedankens ist. Es geht um das Gefรผhl, gewollt zu werden, und dann kommt lange nichts. Matt Walsh sagte vor Kurzem, in der Hypersexualisierung, dem Vollspammen der gesamten Kultur mit sexuellen Reizen teils abgrรผndigster Ausformungen, seien wir eigentlich am Ende eine antisexuelle Gesellschaft im aufreizenden Gewand geworden.

Interessant finde ich an den Trans-Maxxern auch gerade, dass sie ideologisch keine eingefleischten Linken sind, sondern die woke Ideologie in ihrem grenzenlosen Zynismus durchaus realistischer betrachten, als mancher Otto Normalmensch es tut. Nur kommen sie nicht zu dem Schluss, gegen die Absurditรคt und die Lรผgen, die Wurzeln zum Teil auch ihrer Misere, wie die vรถllige Abkopplung der Sexualitรคt von Fortpflanzung, aufzubegehren. Im Gegenteil, sie wollen das Spiel mit ihrem schlechten Blatt gewinnen. Denn eines, die hedonistische Triebauslebungs-Party, hinterfragen sie nicht. Sie wollen nur zumindest auch ein kleines Stรผck vom Kuchen und nicht immer nur die Krรผmel auflesen.

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