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Wenn der Name der Veranstaltung zum Programm wird

2. Dezember 2024
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Die identitรคre Aktivistengruppe โ€žReconquista21โ€œ hatte fรผr den vergangenen Samstag zum sogenannten zweiten โ€žSchwabenkongressโ€œ eingeladen. Unter dem Motto โ€žWiderstand im Faeserlandโ€œ hatte sie im Vorfeld Paul Klemm vom โ€žCompactโ€œ-Magazin und Simon Kaupert vom โ€žFilmkunstkollektivโ€œ als Redner angekรผndigt. Ebenfalls referieren sollten, wenn auch nicht รถffentlich beworben, Martin Sellner und Gรถtz Kubitschek. Die Planung fand im Vorfeld unter strenger Geheimhaltung statt. Erst am Vorabend sollten die angemeldeten Teilnehmer den genauen Tagungsort erfahren…

Wรคhrend hier einfach nur ein alternatives Vernetzungstreffen unter Gleichgesinnten geplant war, fingierte der Staat mal wieder die groรŸe Gefahr von rechts. Mithilfe geheimdienstlicher Methoden gelang es den Behรถrden, den geplanten Veranstaltungsort sowie die komplette Rednerliste im Detail zu ermitteln.ย 

Um die Veranstaltung, die im schwรคbischen Nรผrtingen stattfinden sollte, zu vereiteln, drohte die Polizei am Vortag mit โ€žPlatzverweisenโ€œ fรผr alle 130 Teilnehmer. Angeblich dรผrfe der Kongress durchgefรผhrt werden, aber nur, wenn keiner der vier Redner auftrete. Des Weiteren bedrรคngte man den Gastwirt und kรผndigte unter anderem an, eine Gegendemonstration im groรŸen Stil zuzulassen. So folgte schlieรŸlich die Absage. Den Organisatoren blieb spontan wenig anderes รผbrig, als den Schwabenkongress zu verlegen, und zwar in einen anderen Teil der Bundesrepublik, nรคmlich nach Sachsen.

Wรคhrend ein groรŸer Teil der Teilnehmer und Redner spontan nach Chemnitz reiste, um dort im Exil zu tagen, lieรŸ es sich Paul Klemm vom โ€žCompactโ€œ-Magazin im Gegenzug nicht nehmen, sich seinen Platzverweis hรถchstpersรถnlich bei der Polizei in Nรผrtingen abzuholen.ย 

Also ging es fรผr ihn am Samstagmorgen in besagte Stadt. Das Perfide: Obwohl angenommen werden kann, dass die Behรถrden โ€žรผber gewisse Kanรคleโ€œ rasch รผber die Verlagerung des Veranstaltungsorts im Bilde gewesen sein sollten, wimmelte es in Nรผrtingen nur so von Polizisten. Denn wer wรคren die deutschen Behรถrden, wenn sie nicht mit aller Grรผndlichkeit verhinderten, dass sich auch ja kein Rechter nach Nรผrtingen verirrt. Man tut eben alles, um die Bรผrger vor unliebsamen Meinungen zu schรผtzen โ€“ oder besser gesagt: die Regierung.ย 

Schnell wurde Paul in der Stadt erkannt und erhielt schlieรŸlich seine ganz persรถnliche Ausladung. Laut โ€žStuttgarter Nachrichtenโ€œ war er damit einer von dreien, die von Freitagmittag bis Sonntagmittag ein Aufenthaltsverbot fรผr das gesamte Stadtgebiet erhalten sollten. Um den Platzverweis zu begrรผnden, verwies die Stadt Nรผrtingen beispielsweise auf das โ€žCompactโ€œ-Verbot im Juli diesen Jahres. Keine Erwรคhnung fand dabei jedoch, dass das Bundesverwaltungsgericht das Verbot lรคngst, nรคmlich bereits im August, auf Eis gelegt hatte.

Es folgten die รผblichen Floskeln: In dem siebenseitigen Pamphlet in bestem Beamtendeutsch, wenn auch mit einigen grammatikalischen Fehlern, tummelten sich diverse Zitate aus den Verรถffentlichungen des โ€žCompactโ€œ-Magazins sowie von Martin Sellner โ€“ garniert mit behรถrdlichen Kommentaren. Zwar rufe Sellner beispielsweise nicht zur Gewalt auf, allerdings sei das von ihm ausgehende Gewaltpotenzial aufgrund seiner hohen Reichweite und seiner guten Vernetzung als hoch einzustufen.

โ€žCompactโ€œ wiederum wรผrde arabischstรคmmige Migranten als Menschen zweiter Klasse herabwรผrdigen. Warum? Weil hiesige โ€žCompactโ€œ-Journalisten in ihren Medienberichten kein Blatt vor den Mund nehmen und offen รผber Migrantengewalt sprechen. AuรŸerdem wurde die Verbindung und Vernetzung zwischen โ€žCompactโ€œ, rechten Parteien, Martin Sellner und der โ€žIdentitรคren Bewegungโ€œ angefรผhrt.ย Denn, wie furchtbar, Menschen mit รคhnlichen Ansichten kennen sich und tauschen sich untereinander aus.ย 

Schlussendlich folgte nach einer ellenlangen Liste aller mรถglichen vermeintlich schweren Vergehen, nรคmlich im Wesentlichen dem, eine andere Meinung als das politische Establishment zu vertreten, die Begrรผndung fรผr Paul Klemms Platzverweis. Um mit Hinblick auf seine hohe Reichweite und seine politischen Positionen und mit Verweis auf die Einstufung des Verfassungsschutzes, Straftaten, allen voran โ€žVolksverhetzungโ€œ, zu verhindern, dรผrfe er sich das gesamte Wochenende รผber nicht in Nรผrtingen aufhalten.ย Ob das Aufenthaltsverbot bei Anfechtung gehalten werden kann oder womรถglich nicht rechtmรครŸig ist, bleibt abzuwarten.ย 

Wieder mal zeigte sich am Wochenende jedoch: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Denn wenn die Polizei und die Regierung durchgreifen mรถchten, dann tun sie es mit allen Mitteln. Was beim Grenzschutz nicht klappt, funktioniert immerhin beim Verhindern friedlicher Vortragsveranstaltungen.

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Schon entblรถรŸend, wie der Staat fรผr friedliche, kleine Treffen รผber das gรคngigste Thema unserer Zeit den gesamten Exekutivapparat auspackt und auch auspacken kann. Die, die Ausnahme hier fรผr diesen sonst so schwach erscheinenden Apparat machen, haben die Macht. Aber es zeigt auch, dass viele der Bรผrokraten sich nicht ausreichend fรผr ihr Mitlรคufertum schรคmen.

  2. „Ob das Aufenthaltsverbot bei Anfechtung gehalten werden kann oder womรถglich nicht rechtmรครŸig ist, bleibt abzuwarten.“

    Irrelevant, denn das Ziel die Veranstaltung zu torpedieren und sicher auch um einige Teilnehmer zu erleichtern wurde lรคngst erfolgreich erreicht.
    DaรŸ die Anfechtung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unerhebliche Gerichtskosten verursachen wรผrde ist den Willkรผrregimebรผtteln auch einerlei, denn die berappt der Teuerzahler.

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