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Die Struktur hinter den Krawallen in Riesa

16. Januar 2025
in 3 min lesen

Was sich vergangenes Wochenende in Riesa rund um den Bundesparteitag der AfD abgespielt hat, kann man nur als Fiebertraum bezeichnen. Beim Blick unter die Oberflรคche wird es umso kafkaesker. 

Fรผr den 11. und 12. Januar lud die AfD zu ihrem Bundesparteitag ein, um ihren Spitzenkandidaten zu kรผren und das Programm fรผr die vorgezogene Bundestagswahl zu beschlieรŸen. Doch der Einladung kamen nicht nur die rund 600 stimmberechtigten Vertreter der AfD nach. Neben diesen Delegierten folgten 10.000 Menschen den Protestaufrufen zahlreicher Organisationen gegen den Parteitag. Friedlich gesinnt waren dabei nicht alle. Das musste auch die Polizei gewusst haben, denn zum Schutz des Parteitags wurden 4.000 Polizisten aus zwรถlf Bundeslรคndern in Riesa eingesetzt. Zum Vergleich: Bei einem Hochrisikospiel in der deutschen FuรŸball-Bundesliga kommen etwa 1.000 Polizisten zum Einsatz.

Bereits auf den ersten Blick scheint es merkwรผrdig, wenn Menschen gegen einen Parteitag demonstrieren. Immerhin sind solche Parteitage als Teil des demokratischen inneren Aufbaus der Parteien verfassungsrechtlich vorgeschrieben. Der (Parteienโ€‘) Artikel 21 Absatz 1 Satz 3 des Grundgesetzes sagt ganz deutlich:

โ€žIhre innere Ordnung muss demokratischen Grundsรคtzen entsprechen.โ€œ

Und dazu gehรถrt eben auch der im Parteiengesetz normierte Beschluss von Wahl- und Grundsatzprogrammen in Form des Parteitages. Wer nun also gegen einen Parteitag demonstriert, demonstriert gegen die verfassungsrechtlichen Vorgaben an Parteien.

Doch beim friedlichen Protest blieb es nicht. Bereits im Vorfeld rief die โ€žVVN-BdA Bund der Antifaschistinnen und Antifaschistenโ€œ รผber ihre Kampagne โ€žWidersetzenโ€œ dazu auf, den Bundesparteitag der AfD verhindern zu wollen. Im Aktionskonsens ist klar festgehalten, was man erreichen will:

โ€žAm 11. Januar 2025 kommen wir mit Tausenden Menschen nach Riesa. Der dort geplante AfD-Bundesparteitag darf nicht stattfinden [โ€ฆ] Zu Tausenden werden wir uns vor den Zugรคngen zum AfD-Parteitag versammeln und nicht freiwillig Platz machen. Dazu gehรถren auch Aktionen des Zivilen [sic] Ungehorsams.โ€œ

Bei diesem โ€žzivilen Ungehorsamโ€œ geht es um den Rechtsbruch: โ€žDazu gehรถrt erstens der Bruch geltender Gesetze, insofern steht diese Protestform auch immer fรผr einen Straftatbestand.โ€œ Zur Durchsetzung der eigenen Ziele, die man als รผber dem Gesetz stehend ansieht. Laut der VVN-BdA soll die Legitimation ihres Aufrufs zum Rechtsbruch darin liegen, dass der Bundesparteitag der AfD eine โ€žPropaganda-Show fรผr Hass und Hetzeโ€œ sei und deshalb ausfallen mรผsse.

Zwar konnte der AfD-Parteitag nicht verhindert werden, alle Mรผhe hatten sich die Organisatoren hinter โ€žWidersetzenโ€œ allemal gegeben. Es gab neben den Aufrufen, die unter anderem von der Linken und der Grรผnen Jugend geteilt wurden, Packlisten fรผr Teilnehmer der Stรถraktionen, einen Bus-Shuttle, ein eigenes Identifikationssystem vor Ort, Informationen รผber das Verhalten im Festnahmefall, telefonische Rechtsberatung und die Zusicherung rechtlicher Unterstรผtzung im Nachgang. Was sich als ziviler Widerstand gegen die Verbreitung der โ€žgewaltvolle[n] Ideologieโ€œ der AfD im Awareness-Mantel tarnt, erscheint vielmehr als strikt organisierter Angriff auf die verfassungsrechtlichen Rechte und Pflichten der AfD.

Bisher wurden รผber 70 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 30 Polizisten verletzt und zehn Einsatzfahrzeuge beschรคdigt, wie โ€žFreilichโ€œ berichtet. Reporter der โ€žJungen Freiheitโ€œ gerieten auf ihrem Weg zum Parteitag selber in mehrere Blockaden und konnten einen Angriff auf das Auto von Parteichefin Alice Weidel filmen. Auf dem Bundesparteitag angekommen, berichteten weitere Delegierte den Reportern von Blockaden und Angriffen.

Einer von ihnen: Dr. Hans-Christoph Berndt. Fรผr seinen Anreiseweg von 17 Kilometern brauchte er รผber sechs Stunden und vier Versuche, รผberhaupt nach Riesa reinzukommen. Dabei schilderte er den Ablauf einer StraรŸenblockade. Die Antifa habe die StraรŸe blockiert und nur einzelne Autos nach einer Prรผfung durchgelassen. Dr. Berndt stellte fest: Die Antifa โ€žรผbte die Polizeigewalt ausโ€œ. Nachdem er erkannt worden sei, sei er angeschrien, auf das Auto geschlagen und die Autotรผr gegen sein Gesicht geschlagen worden, als er versucht habe, zurรผck ins Auto zu gelangen. Eine Stunde dauerte diese Blockade insgesamt, bis sie sich auflรถste. Bilanz: ein Veilchen und ein demoliertes Auto. Die Polizei hatte nichts davon verhindert.

Dieses Verhalten wird vielen AfDlern bekannt sein. Ich selbst kenne es nur zu gut. Bereits vor fรผnf Jahren wurde ich nach einer Wahlkampfveranstaltung verfolgt, mein Auto in einer dunklen Gasse blockiert, gegen die Scheiben und auf die Motorhaube geschlagen und mir gedroht. Die Geschichte dazu gibt es hier. Der Anwalt, der einen der Linken in dem Gerichtsverfahren gegen mich vertrat, war der gleiche Anwalt, den die โ€žVVN-BdA โ€“ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschistenโ€œ โ€“ die auch die jรผngste Aktion gegen die AfD orchestriert hat โ€“ als ihren Anwalt bezeichnet.

In der Vergangenheit wurde die Bundesregierung mehrmals dazu befragt, welche Kenntnisse ihr รผber die VVN-BdA vorliegen. Auskunft hat sie darรผber nicht gegeben; eine Antwort kรถnne die โ€žSicherheit der Bundesrepublik Deutschlandโ€œ beeintrรคchtigen und die โ€žFunktionsfรคhigkeit des BfV [Bundesamtes fรผr Verfassungsschutz, Anm. d. Red.] nachhaltig beeintrรคchtigenโ€œ (Antwort auf Frage 29 und 41). Warum die Bundesregierung in Bezug auf Erkenntnisse bezรผglich der VVN-BdA stillschweigt, der Verein sogar als gemeinnรผtzig anerkannt ist und Nancy Faeser einen Artikel in seinem Magazin verรถffentlicht? Das kann man nur vermuten.

Immerhin richtet sich ihr Wirken nicht gegen die Regierungsparteien, sondern lediglich gegen die unliebsame Opposition.

5 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Gibt es Beispiele in denen รคhnliche Anfragen bezรผglich der Erkenntnisse des BfV, die nicht im VS-Bericht auftauchen, beantwortet wurden?

    Dass es gefรคhrlich sei, wenn Leute spitz bekommen wen der VS gezielter unter die Lupe nimmt und wen nicht ist ja plausibel…

  2. Man muss wohl davon ausgehen, dass Gruppen wie „VVN-BdA“ oder die sog. „Antifa“ ganz gezielt vom rotgrรผnen Gesinnungsregime als Kampftruppen gegen polit. Gegner und die demokratische Opposition instrumentalisiert werden.

  3. Das darf sich nicht wiederholen!
    Entsprechend hat das Innenmisterium als FรคserbeschuรŸ sogleich die Sรคuberung des Polizeiapparats vor Krรคften die auรŸerhalb „unserer Demokratie“ stehen eingeleitet.

  4. Der VVN-BdA ist die lรคngste Zeit seines Bestehens von der SED angesteuert worden, man hat also Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Behรถrden sammeln kรถnnen.

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