Wer sich vor zwei Monaten noch riesig darรผber freuen konnte, dank des Selbstbestimmungsgesetzes nun beliebig seinen Namen und Geschlechtseintrag รคndern zu dรผrfen, wohlgemerkt auch in der Geburtsurkunde, musste letzte Woche besonders stark sein. Das Selbstbestimmungsgesetz gilt fรผr alle, auch fรผr Dissidente. So schaffte es letzte Woche eine gewisse Dame aus Halle in die Schlagzeilen der etablierten Medien: Frau Marla-Svenja Liebich. Liebich ist in der Vergangenheit immer wieder als Aktivist*in der dissidenten Szene aufgefallen, unter anderem hatte Liebich wรคhrend der Corona-Zeit mehrfach die Montagsdemos gegen die Maรnahmen der Bundesregierung in Halle angemeldet.ย
Aktuell steht Liebich vor Gericht. Im August des letzten Jahres wurde sie wegen Volksverhetzung und รผbler Nachrede in mehreren Fรคllen zu einem Jahr und sechs Monaten Haft ohne Bewรคhrung verurteilt. Am Landgericht Leipzig lรคuft zurzeit das Berufungsverfahren. Sollte das Urteil jedoch standhalten, stellt sich die Frage, in welchem Gefรคngnis Liebich untergebracht wird. Denn nach aktuellem Geschlechtseintrag im Personenstandsregister mรผsste sie eigentlich in einem Frauengefรคngnis unterkommen, schlieรlich ist sie rechtlich vollumfรคnglich weiblich.
Doch das scheint so einigen linken Medienschaffenden gar nicht zu schmecken. Die โtazโ titelte dazu am Freitag wie folgt: โMissbrรคuchliche Geschlechtsรคnderung โย Reine Provokation: Die verurteilte Neonazifigur Sven Liebich hat ihren Personenstand รคndern lassen.โ Als Beleg fรผr den mutmaรlichen Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes berief sich โtazโ-Redakteur Christian Rath wiederum auf die โMitteldeutsche Zeitungโ, welche angab, Liebich mit Vollbart angetroffen zu haben. Dieser gelte laut Rath jedoch als typisch โmรคnnliches Attributโ. Ist das so?
Ein Vollbart ist also ein typisch mรคnnliches Attribut, ein Penis wiederum nicht. Wenn Liebich sich โMarla-Svenjaโ nennt und zukรผnftig eine Frau sein will, dann ist das โreine Provokationโ. Wenn Tessa Ganserer ohne Perรผcke mit Glatze oder gar in durchsichtiger Reizunterwรคsche im Bundestag auftaucht, komischerweise ausgerechnet dann, wenn รผber besagtes Gesetz abgestimmt wird, dann ist das mutig und ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung. Dabei geht es hierbei ganz klar nicht um das Wie, also wie sich jemand als Frau inszeniert, sondern darum, wer diejenigen sind, die sich dabei angegriffen fรผhlen kรถnnten.
Denn wรคhrend Tessa ihre Performance hinlegt, um allen voran echten Frauen die rote Karte zu zeigen und klarzustellen, dass sie nun unwiderruflich dazugehรถrt und jedweder Widerstand im Zweifel juristisch im Keim erstickt werden kann, stellt sich Marla-Svenja etwas geschickter an: Sie zeigt, dass das Gesetz fรผr alle gilt, fernab davon, ob es der laut kreischenden LGBTQIA+-Sekte in den Kram passt oder eben nicht.
Denn sowohl Marla-Svenja als auch Tessa kรถnnen nun jeden im Sinne des buรgeldbewehrten Offenbarungsverbots anklagen, der sie beim falschen Namen nennt oder mit dem falschen Pronomen anspricht, was Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro mit sich bringen kรถnnte. Ein kostspieliges Vergnรผgen also, auch fรผr all jene, die Liebich in der vergangenen Woche mutwillig und empรถrt misgenderten, so auch die โtazโ.
Ob Liebich bei Standhalten des Urteils von anderthalb Jahren Haft nun tatsรคchlich in einem Frauengefรคngnis untergebracht wird, bleibt abzuwarten. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, wรผrde hier ein Prรคzedenzfall geschaffen, der im Zweifel das ganze Gesetz zum Schwanken brรคchte. Denn Liebich kann, selbst wenn sie es frรผher wollte, erst in einem Jahr wieder ihr Geschlecht รคndern, ist bis dahin also eine Frau und als solche zu behandeln. Es gilt eben: Gleiches Recht fรผr alle.


Man muss Marla-Svenja Liebich wirklich dankbar sein fรผr ihren mutigen Schritt. Sie geht als leuchtendes Beispiel unseres LGBTQIA+-Kampfes voran und bricht mit Tabus. In den USA kรถnnte der Prรคsident sie begnadigen, hierzulande jedoch muss sie leider weiterhin mit politischer Verfolgung rechnen.
Ich hatte „Freimaurergefรคngnis“ gelesen, gemeint war allerdings Fraungefรคngnis“.
Schlagt sie mit Ihren eigenen Waffen.
Sie sagte wohl sinngemรคร: Nennt mich ruhig eine Nazi-Braut. Aber wenn ich mit falschen Pronomen angesprochen werde, aktiviere ich meinem Anwalt!