Knapp zwei Wochen vor den Bundestagswahlen ist es nicht so gut bestellt um die Partei der Grรผnen und ihren Kanzlerkandidaten. In den Umfragewerten erreichen sie gerade noch 15 Prozent, die eigene Basis entzieht ihnen nach dem Ende des Ampelhypes das Vertrauen, und dann kรถnnte auch noch Robert Habecks Doktortitel auf der Kippe stehen.
In seiner Dissertation โDie Natur der Literatur โ Zur gattungstheoretischen Begrรผndung literarischer รsthetizitรคtโ soll es insgesamt 128 Quellen-, Text- und Zitatsplagiate geben โ das behauptet zumindest der berรผhmte โPlagiatsjรคgerโ Stefan Weber. Der Noch-Vizekanzler ist gewiss nicht Webers erstes grรผnes Opfer: Bereits 2021 brachte er Annalena Baerbock mit Plagiatsvorwรผrfen bezรผglich ihres damals verรถffentlichten Buches um ihre Kanzlerkandidatur.
Natรผrlich ist es recht erstaunlich, dass beide Vorwรผrfe vor wichtigen Wahlen erhoben wurden und dass die aktuelle Anschuldigung Webers von Julian Reichelts Plattform โNIUSโ groร gemacht wurde, die bekanntlich alles andere als der grรถรte Fan der Grรผnen ist โ was eine gute Sache ist, nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich habe rein gar nichts gegen Webers Arbeit einzuwenden, weder was seine โOpferโ noch was den Zeitpunkt der Verรถffentlichung angeht.
Habeck reagierte, indem er in die Offensive ging. In einem unter anderem bei X verรถffentlichten Video redete er in seiner gewohnt weinerlichen Stimme die Vorwรผrfe nicht nur klein โ angeblich ging es um โUngenauigkeiten in den Fuรnotenโ, was nicht stimmt โ, sondern witterte gleich eine gegen ihn gerichtete Verschwรถrung. Angeblich haben โNIUSโ und Reichelt Weber fรผr die Schnรผffelei bezahlt โ diese bestreiten dies allerdings: โRobert Habeck insinuiert, dass Dr. Stefan Weber von NIUS dafรผr bezahlt wurde, ein Plagiatsgutachten zu erstellen. Auch das ist falsch. Weber wurde von NIUS weder beauftragt noch bezahltโ, schrieb โNIUSโ-Autor Felix Perrefort.
Man kann es ihnen wohl glauben, jedenfalls steht fest, dass Weber bei anderen, Mainstream-affineren Medien wohl kein Gehรถr gefunden hรคtte. Der Mann liefert tatsรคchlich ernst zu nehmende Vorwรผrfe, insbesondere hinsichtlich sogenannter Quellenplagiate, die sich nicht so einfach vom Tisch weisen lassen: So gibt Habeck auf Seite 32 seiner Arbeit an, den Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure zu zitieren โ in Wirklichkeit gibt er aber die Worte Axel Sprees wieder, der tatsรคchlich Saussure zitiert und diesen vermutlich auch gelesen hat.
Denn darum geht es ja beim Quellenplagiat: Man zitiert aus einem Werk der Sekundรคrliteratur, gibt aber als Quelle eben jene Primรคrliteratur an, die in dem zitierten Abschnitt als Quelle genannt wird โ wie beim eben gebrachten Beispiel. Das tut man vor allem, wenn man intellektueller und gebildeter erscheinen mรถchte, als man in Wirklichkeit ist โ passt also ganz gut zu unserem Vizekanzler.
Es ist also nicht nur eine kleine Lappalie, mit der sich Habeck auseinandersetzen muss โ es geht hier um seine akademische Kredibilitรคt. Vorwรผrfe dieser Art โ wie gesagt, nicht der Nachweis, sondern allein die Vorwรผrfe โ haben in etwas ehrlicheren Zeiten der bundesrepublikanischen Politik dazu gefรผhrt, dass der Betroffene das Feld rรคumen musste. Und betrรคfen die Vorwรผrfe den politischen Gegner aus AfD oder CDU, wรคre ein Robert Habeck mit groรer Sicherheit einer der Ersten, die Forderungen dieser Art verlautbaren lieรen.
Als beispielsweise Karl-Theodor von und zu Guttenberg seinen Ministerplatz wegen einer Affรคre um seinen Doktortitel verlassen musste, waren die Grรผnen ganz vorne damit dabei, ihn zum Rรผcktritt aufzufordern. รbrigens, als wรคre das nicht Hohn genug, hat Habeck darum gebeten, das Privatleben seiner Frau โ denn auch ihre Doktorarbeit scheint im Fokus Webers zu stehen โ nicht medial zu beleuchten: โMeine Frau kandidiert aber fรผr kein politisches Mandat. Sie ist nicht Teil dieses Wahlkampfs. Ich bitte darum, meine Familie rauszuhalten.โ
Das mag zwar sein, aber schlieรlich ist er selbst nicht zimperlich, das Privatleben von Leuten stรถren zu lassen, wenn diese bรถse Worte im Internet รผber ihn schreiben. Mag sein, dass die Beleuchtung der wissenschaftlichen Arbeit seiner Frau wรคhrend des Wahlkampfes nicht die feine englische Art ist โ aber mein Mitleid hรคlt sich dennoch in Grenzen.

Selbst wenn der Robert seine Laberfachpromotion ganz allein zusammengebockt haben sollte: Was qualifiziert ihn รผberhaupt fรผr sein Amt dem er ganz und gar nicht gewachsen ist?
@.TS.
Wรคre er mal lieber 40 Jahre lang Gabelstapler in Workuta gefahren.