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„Unsere Demokratie“ ist ihre Demokratur

16. April 2025
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Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD lรครŸt keinen Zweifel: Friedrich Merz hat seine CDU endgรผltig ins rot-grรผne Lager gefรผhrt und damit entbehrlich gemacht. Noch am 21. Februar, zwei Tage vor der Bundestagswahl, hatte die von Merz gefรผhrte Parlamentsfraktion eine Kleine Anfrage an die lรคngst gescheiterte Ampel-Regierung zur Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gestellt. Von denen hรคtten mehrere Anfang Februar zu Demonstrationen โ€žnicht einfach nur ยดgegen rechtsห‹ aufgerufen“, sondern โ€žganz dezidiert“ gegen die CDU. Diese Proteste waren die Folge einer gemeinsamen Abstimmung der Union mit der AfD.

Unter dem Titel โ€žPolitische Neutralitรคt staatlich gefรถrderter Organisationen“ stellte die Union 551 Fragen zu Vereinen wie Greenpeace, BUND und Omas gegen Rechts โ€“ so unter anderem:

โ€žWie groรŸ ist der Anteil der finanziellen Mittel, der aus staatlichen Fรถrderprogrammen stammt? Gibt es direkte Verbindungen zwischen dem Verein und bestimmten Parteien oder politischen Akteuren?“

Linke und Grรผne kritisierten die Anfragen sofort als โ€žFrontalangriff auf die demokratische Zivilgesellschaft“. Das Netzwerk Attac erklรคrte: โ€žDer zu befรผrchtende GroรŸangriff auf die emanzipatorische Zivilgesellschaft unter einer Regierung Merz hat begonnen.“ Der Einsatz fรผr soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen Rechts seien der Union offensichtlich โ€žein Dorn im Auge“. Amnesty International warf der Unionsfraktion vor, sie unterstelle den Nichtregierungsorgnisationen, โ€žeine Schattenstruktur zu sein, die mit staatlichen Geldern indirekt Politik betreibt“.

Damals beantwortete das noch amtierende Finanzministerium auf 83 Seiten die 551 Fragen der Union โ€“ allerdings zumeist ohne konkrete Angaben. In einer Vorbemerkung stellte die Ampel-Regierung jedoch fest:

โ€žDer freiheitliche demokratische Verfassungsstaat lebt von zivilgesellschaftlichem Engagement fรผr ein friedliches und respektvolles Zusammenleben und dem Einsatz gegen menschen- und demokratiefeindliche Phรคnomene.“

Es liege in der Verantwortung des Staates, im Rahmen einer wehrhaften Demokratie fรผr den Erhalt der freiheitlichen demokratischen Grundordnung einzutreten. โ€žHierzu zรคhlt auch die aktive und passive Fรถrderung bรผrgerschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Engagements.“ Das kรถnne durch Zuwendungen oder eine Steuerbegรผnstigung geschehen.

Na also, lรครŸt sich konstatieren, die โ€žSchattenstruktur“ oder, wie es in den USA heiรŸt, der โ€žtiefe Staat“ gegen Rechts ist keine Erfindung hypersensibler Konservativer, sondern alltรคgliche Realitรคt. โ€žUnsere Demokratie“, wie Linke, Grรผne und Liberale die bundesdeutsche Staats- und Regierungsform nennen, hat sich lรคngst zu einer ideologischen Demokratur entwickelt. Auch Merz und seiner CDU ist das alles natรผrlich bekannt, sonst hรคtten sie damals nicht die Kleine Anfrage gestellt. Doch im Koalitionsvertrag mit den Sozialdemokraten spielen die 551 Fragen keine Rolle mehr. Jetzt gehรถren die Trabanten der Union ja wie selbstverstรคndlich zu jener Schattenstruktur gegen die widerborstigen Rechten. Wรถrtlich heiรŸt es in der schwarz-roten Vereinbarung:

โ€žWir sind รผberzeugt, dass wir verstรคrkt in die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie investieren mรผssen. Wir unterstreichen die Bedeutung der gemeinnรผtzigen Organisationen, engagierter Vereine und zivilgesellschaftlicher Akteure als zentrale Sรคulen unserer Gesellschaft. Die Unterstรผtzung von Projekten zur demokratischen Teilhabe durch das Bundesprogramm ยดDemokratie leben!ยด setzen wir fort.“

Im Wahlkampf hatte Merz eine radikale Wende auch in der Asylpolitik versprochen, und zwar von Tag eins seiner Kanzlerschaft an. DaรŸ diese Ankรผndigung ebenfalls nur heiรŸe Luft war, dรผrfte jedem klar gewesen sein. SchlieรŸlich rechnete niemand mit einer absoluten Mehrheit der CDU, und da Merz eine Koalition mit der AfD ausschloรŸ, blieb nur ein Zusammengehen mit der SPD oder den Grรผnen. Im Koalitionsvertrag, der unter dem Motto โ€žVerantwortung fรผr Deutschland“ steht, heiรŸt es unmiรŸverstรคndlich: โ€žDeutschland ist ein weltoffenes Land und wird es auch bleiben. Das Grundrecht auf Asyl bleibt unangetastet.“ Das bedeutet, daรŸ die Zuwanderung im wesentlichen weitergehen wird wie bisher. Unter diesen Auspizien dรผrfte die Wahrscheinlichkeit, daรŸ die CDU stรคrkste Partei und Friedrich Merz bis 2029 Kanzler bleibt, รคuรŸerst gering sein.

Fรผr alle Kritiker dรผrften gleichwohl ungemรผtliche Zeiten anbrechen, denn das schwarz-rote Bรผndnis hat im Koalitionsvertrag sein Waffenarsenal verschรคrft:

โ€žWir werden durchsetzen, dass Online-Plattformen ihren Pflichten hinsichtlich Transparenz und Mitwirkung gegenรผber der Aufsicht nachkommen sowie eine verschรคrfte Haftung fรผr Inhalte prรผfen…. Gezielte Einflussnahmen auf Wahlen sowie inzwischen alltรคgliche Desinformation und Falschmeldungen sind ernsthafte Bedrohungen fรผr unsere Demokratie, ihre Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die bewusste Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen ist durch die Meinungsfreiheit nicht gedeckt. Deshalb muss die staatsferne Medienaufsicht unter Wahrung der Meinungsfreiheit auf der Basis klarer gesetzlicher Vorgaben gegen Informationsmanipulation sowie Hass und Hetze vorgehen kรถnnen.“

Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag und sich mit der Doppeldeutigkeit der Wรถrter auseinandergesetzt hat, weiรŸ, was da im Rahmen der Demokratur auf ihn zukommt, sollte er sich miรŸliebig zu den Werten โ€žunserer Demokratie“ und deren Reprรคsentanten รคuรŸern.

ABOS

Bรผcher

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