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Weidels Sommerinterview – Mit den Staatsmedien kann es keinen Frieden geben

22. Juli 2025
in 3 min lesen

Weidels Sommerinterview wirkte, als wäre es einem satirischen Sketch von „Freedom Toons“ entsprungen. Es fand vor der Kulisse einer Antifa-Demonstration statt, die Ort und Zeit abgepasst hatte, um jeden Informationsaustausch akustisch zu verunmöglichen. Die ersten knapp 16 Minuten des halbstündigen Beitrags tat sie das mit Gebrüll und Pfiffen, woraufhin für die letzten gut zehn Minuten ein Lautsprecherbus des „Zentrums für Politische Schönheit“ auftauchte, um die Reste des „Gesprächs“ in ohrenbetäubenden „Scheiß AfD“-Chorgesängen endgültig zu ersäufen.

Laut Fachleuten wie Ex-„Tagesschau“-Mitarbeiter Alexander Teske und einem vom Journalisten Bastian Barucker befragten langjährigen Tontechniker der Öffis müssen die Verantwortlichen den Saboteuren dabei bewusst unter die Arme gegriffen haben: Der Hintergrundlärm stamme klar erkennbar nicht aus den beiden Ansteckmikros, sondern aus einem „Atmomikrofon“, das man auch einfach hätte abschalten können – stattdessen mischte man es eine halbe Stunde lang laut aufgedreht dazu.

Ein Innenstudio stünde zudem „als Schlechtwetter-Variante immer im Standby“ (Teske). Schließlich „versagte“ sogar Weidels Kopfhörer und sie hörte Interviewer, Störer und sich selbst mit einem Echo.

Hinzu kommt, dass die Polizei eine derart eklatante Störung im Falle von Merz, Klingbeil oder Banaszak natürlich bereits im Keim erstickt hätte, gefolgt von einem gigantischen Aufschrei über diesen „Angriff auf Pressefreiheit und Demokratie“. Hier aber haben die Beamten, die zahlreich präsent waren, um die Veranstaltung abzusichern, sich die Zirkusnummer tatenlos mit angesehen, und zwar schon lange vor Beginn des Interviews, als die Störer sich formierten und warmbrüllten. Auch während des anschließenden halbstündigen Zuschauerfragen-Teils, der nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt wurde, ließ man das akustische Störfeuer unangetastet.

Vermutlich ließe man einen Normalsterblichen mit einem solchen Radau nicht einmal davonkommen, wenn er damit überhaupt kein Interview einer Spitzenpolitikerin stört, sondern nur Leute, die da langlaufen. Aber für das „Zentrum für Politische Schönheit“ gelten bekanntlich andere Regeln. So auch, als es 2017 Höckes Haus von einem Nachbargrundstück aus observiert hatte und ihn mit der Veröffentlichung angeblicher pikanter Details aus seinem Privatleben erpressen wollte, vor einer Holocaust-Mahnmal-Nachbildung niederzuknien.

Die Strafverfolgungsbehörden sind den Geisteskranken und Bösartigen weitestgehend hörig, wohl auch, weil Entscheidungsträger vermeiden wollen, dass ihre Karriere in schlechter Presse untergeht. Ohne die Wirksamkeit dieser Softpower-Drücke wäre der unter der Merz-Regierung noch einmal nachgeschärfte Paragraf 188 („Üble Nachrede gegen Personen des politischen Lebens“) wohl zum größten Bumerang in der Geschichte politisch motivierter Gesetzgebung geworden, da man, strikt nach dem Buchstaben des Gesetzes gehend, quasi jeden deutschen Mainstreamjournalisten dafür verknacken könnte. Wie viele von ihnen waren alleine an der Schmutzkampagne gegen Helferich, er habe sich selbst als „freundliches Gesicht des NS“ bezeichnet (in Wahrheit zitierte er sarkastisch einen linken Schmähartikel über ihn), beteiligt?

Stichwort „geisteskrank“, „bösartig“ und „Bumerang“: Was dabei herausgesprungen ist, dürfte einer der größten Publicity-Erfolge der AfD der letzten Jahre sein. Zu verdanken haben wir das in erster Linie der Macht, die der Böhmermann- und Bosetti-Typus noch immer über die Öffentlich-Rechtlichen entfaltet. Denn wir profitieren davon, wenn a: selbst die irrsten woken Auswüchse nicht entsprechend der seit der Ampelregierung erzürnten Stimmung im Land zurückgefahren werden können, wie es in puncto Migration und antiweißer Hass durchaus aus taktischen Erwägungen versucht wird, und b: die Angriffe auf uns so subtil bleiben wie eine russische Gleitbombe.

Solche geradezu komödiantisch plumpe Schikane mag ein paar ohnehin gefestigt Geisteskranke vor dem Bildschirm entzücken, aber jedem, der zwischen den Stühlen stand, sind wir danach sympathischer als vorher. Weidel kam zudem recht souverän rüber, was vielleicht auch den Grund hatte, dass solch groteske Begleitumstände jeden Performancedruck nehmen – wenn man es verkackt, während 150 Antifas einem ins Ohr brüllen, würde das schließlich niemand übel nehmen.

Dem Ansatz, die AfD überall niederzubrüllen, wo sie auftaucht, und ihr nicht einmal ein Krümelchen vom Machtkuchen überlassen zu wollen, weil man von der minimalen Berührung eine tödliche „Faschismus“-Infektion erwartet, steht ein rationalerer und damit gefährlicherer aus Teilen von CDU und Axel Springer gegenüber: Andersherum uns zu Tode zu umarmen. Uns gesellschaftliche Normalisierung, Zusammenarbeit und schließlich Machtoptionen in Aussicht zu stellen, man müsse eben nur die paar wirklich rechten Wirrköpfe vorher loswerden. Und Remigration. Und auf NATO-Kurs einschwenken. Aber dabei bleibt es dann, versprochen!

Im schlechtesten Fall könnte diese Verlockung, in vier Jahren schon unreife Früchte zu ernten, indem man sich von einer noch zu starken CDU das Einreißen der Brandmauer durch unsere eigene personelle und inhaltliche Entkernung erkauft, dazu führen, dass die so entzauberte AfD untergeht, oder – schlimmer – als wirkungsloser Stimmenmagnet zum Feigenblatt für eine langsamere Umsetzung des liberalen Projekts der Beliebigmachung von Herkunft, Geschlecht und Familie wird.

Es ist also gut, dass die Woken weiterhin fähig sind, den Ulf Poschardts zu verwehren, diese Strategie gegen uns umzusetzen. Träumereien von einem Verbot, das das Ende der Bundesrepublik Deutschland als vom Großteil der Bürger als legitim wahrgenommenes Staatsgebilde einläuten würde, während der Feind sich nicht einmal eine bedeutsame Entschleunigung seiner in Ungnade gefallenen Menschheitsverbrüderung erlaubt, bieten den fruchtbarsten Boden für eine nachhaltige rechte Transformation der Gesellschaft.

1 Comment Schreibe einen Kommentar

  1. Apropos Tontechnik im BRD Staatsfunk: Als um 2018 herum ein zugeschalteter ostdeutscher Journalist in einer Sendung kritisierte, dass 1990 alle Ost-Tagesszeitungen von der Treuhand an Westverlage verschenkt wurden, ist plötzlich minutenlang der Ton ausgefallen. An Zufall glaub ich da nicht, so wenig wie beim Sommerinterview mit Alice Weidel.

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