Die frühen Jahre der Roten Armee sind sehr aufschlussreich. Der grundsätzliche Anspruch auf Umkehrung aller Dinge – der „revolutionäre Prozess“ – wurde von den führenden Köpfen der Bolschewisten nicht nur auf die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verhältnisse in der jungen Sowjetunion angewandt, sondern auch auf das Militär. Wo vorher die jahrhundertealte Tradition des Zarenreichs herrschte, wurde jetzt rücksichtslos aufgeräumt: Man entfernte Rangabzeichen und zaristische Symbole, und auch das verhasste Gefälle zwischen den Offizieren und Mannschaften wurde beseitigt: An die Stelle trat die Idee, dass die Soldaten in einem demokratischen Verfahren die Offiziere aus ihrer eigenen Mitte wählen sollten.
Der geneigte Leser wird sich nicht wundern, dass die Bolschewisten rasch wieder von dieser Praxis abrückten. Und nicht nur das: Mit der Einführung des „Politruk“, des Politkommissars, verfestigte die Kommunistische Partei ihren Zugriff auf die Rote Armee. Der Kommissar war gebildet und eloquent, in Friedenszeiten sollte er die gewöhnlichen Rotarmisten – in der Regel wenig gebildete Bauern und Arbeiter – im Sinne der sozialistischen Ideologie schulen. Im Krieg überwachte er die Ausführung der Befehle. Handelten die Offiziere nicht im Sinne der „Parteilinie“, hatte der Politkommissar die Befugnis, diese zu erschießen.
Die sehr durchwachsene Bilanz der Roten Armee im Krieg gegen Polen, im Spanischen Bürgerkrieg, im „Winterkrieg“ gegen Finnland und in der Frühphase des Deutsch-Sowjetischen Krieges sind das direkte Resultat dieser und ähnlicher Maßnahmen. Die große Säuberung des Offizierskorps in den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird gerne der Paranoia Stalins angerechnet, aber in Wirklichkeit war sie nur die konsequente Weiterführung der menschenverachtenden Sowjetideologie.
Jedenfalls war es dann ausgerechnet die drohende Niederlage in den schicksalhaften Jahren 1941 und 1942, die zu einem Umdenken in Sachen „Traditionserlass“ führte. Am Politruk wurde dabei so wenig gerüttelt wie an der Sowjetideologie an sich. Aber man zeigte sich plötzlich flexibel: Alte Orden aus der Zarenzeit wurden neu aufgelegt, und mit der Formel des „Großen Vaterländischen Krieges“ knüpfte man an eine Tradition an, von der die sowjetische Führung zwei Jahrzehnte lang nichts hatte wissen wollen: Die Staatsführung entstaubte das alte Bild des heiligen Mütterchen Russlands, das, wie bereits 1812, um seine nackte Existenz kämpfte.
Dieser historische Exkurs ist notwendig, um sich zu vergegenwärtigen, dass der ideologische Umbau unseres Staates und unserer Armee nach denselben Mustern verläuft. Wundern muss uns das nicht, immerhin passt bei genauerem Hinschauen kein Blatt zwischen die sozialistischen Ideologen der jungen Sowjetunion und die sozialdemokratischen Funktionäre der späten Bundesrepublik.
Wenn also Verteidigungsminister Boris Pistorius die Hindenburg-Kaserne in Munster zur „Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne“ umdeklariert, dann liegt das nicht daran, dass sich der Sozialdemokrat für die Tradition der Befreiungskriege erwärmt. Nein, hier geht es um die rituelle Schändung der letzten Reste echter deutscher Militärtradition. Da die plumpe, provokative Phase der Frührevolution abgeschlossen ist, muss der Sozialdemokrat allerdings mit Bedacht vorgehen: Der neue Name muss einerseits den Geist der neuen Ideologie verkörpern (eine Frau!), andererseits muss dieser neue Name auch ein Minimum an Anknüpfungsfläche für jene bieten, die händeringend nach Gründen suchen, um doch einmal im Leben für anstatt immer nur gegen etwas zu kämpfen.
Friederike Krüger, die sich als Mann ausgab und in die Befreiungskriege gegen Frankreich zog, ist dabei nicht schlecht gewählt. Interessanterweise ist sie auch nicht die einzige Frau, die sich vom patriotischen Trubel des Jahres 1813 mitreißen ließ – wir dürfen also auch auf eine Eleonore-Prochaska-Kaserne hoffen. Man zeigt sich an dieser Stelle auch gerne kompromissbereit, nicht wahr? Warum sollte ein selbstbewusstes Deutschland nicht jene Frauen ehren, die auf männliche Art und Weise ihrem Vaterland dienten? Ganz einfach: Weil der Sozialdemokratismus ein Verhältnis zum Vaterland pflegt wie der Angler zum Wurm und darüber hinaus Kasernen die Namen von wirklich herausragenden Persönlichkeiten tragen sollten.
Hindenburg war so eine herausragende Person. Anders als uns das die Politkommissare vom Schlage eines Carlo Masala glauben lassen wollen…
… erschöpfte sich die Leistung des „Helden von Tannenberg“ eben nicht darin, Hitler zum Reichskanzler ernannt zu haben. Überhaupt sollten jene, die sentimentale Gefühle für die Weimarer Republik hegen, sich beim Thema Hindenburg nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Es gab in den zerrütteten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg keinen anderen Mann, der von einer so breiten Masse des deutschen Volkes als Autorität anerkannt worden wäre. Ohne die Ernennung Hindenburgs zum Reichspräsidenten wäre die Weimarer Republik wesentlich früher kollabiert.
Masala ist nur einer von vielen Politruks, die an der ideologischen Umrüstung der Bundeswehr beteiligt sind. Der Prozess läuft seit Jahren und beschränkt sich nicht alleine auf die Kasernen.
Zum Kriegführen braucht es junge Männer. Die sind – dem demografischen Kollaps sei Dank – rar. Linke Ideologen sind sich dieser Tatsache voll und ganz bewusst. Sie sind bereit, ihre Propaganda entsprechend anzupassen, aber an ihrer grundsätzlichen ideologischen Linie ändert das nichts. Junge Männer sind von dem Wunsch beseelt, gerade in dieser, unserer Zeit mal endlich für etwas kämpfen zu können. Was ihnen der Sozialdemokratismus dafür bietet: Vaterland, aber in light. Wehrhaft, aber woke. Stolz, aber schuldig im Sinne der eigenen Geschichte. Kein junger Mann, insbesondere kein junger rechter Mann, sollte sich für diese Art von Plastikdeutschland verkaufen. Schon gar nicht unter Preis.


Ich gebe davon aus-wenn die Zeit ihres ruhmreichen Wirkens es noch erlaubt- das in dieser tollen Zeit nicht versäumt werden wird, eine Bundeswehrkaserne mit dem Namen Uschi von der Leyen zu schmücken.