0

Der Fetisch-Blog von Österreichs Mann für Europa

5. August 2025
in 3 min lesen

Dass man als Chefdiplomat im Europäischen Parlament masochistisch veranlagt sein muss, ist nichts Neues. Die Causa Thomas Oberreiter hebt das Ganze jedoch auf ein neues Level. Vergangenen Montag trat der hohe Außenministeriumsbeamte von seinem Amt als ständiger Vertreter Österreichs in der EU zurück. Hintergrund ist ein Fetisch-Blog namens „The Night Mare“, den er jahrelang aus dem Außenministerium heraus betrieben haben soll, wie das Whistleblower-Portal „Fass ohne Boden“ („FOB“) kurz zuvor öffentlich gemacht hatte.

Der „Spiegel“ schreibt von „frauenverachtenden und grob herabwürdigenden Beiträgen“, die er, garniert mit sexuellen Fotografien, aus der Perspektive eines weiblichen Opfers verfasste, dem er den Namen „Caro“ gab. Unter diesem Alter Ego registrierte er auch die Website, wofür er die Mail-Adresse „Ca****@*****il.com“ verwendete. In der Mainstream-Darstellung, wo lediglich der (einer SM-Fetischseite ja wohl ohnehin inhärente) Entwürdigungsaspekt betont wird, unterschlägt man dabei, dass seine hoffentlich frei erfundenen Schilderungen auch Kinder betrafen.

Nach Eigenbeschreibung ging es auf dem Blog um „Rape-Fantasien“, denen er teils autogynophil aus der Ich-Perspektive, teils als „Beobachterin“ der Schändung kleiner Mädchen frönte. So erzählt „Caro“ etwa, neben Anekdoten über eigene Misshandlungen („Wir waren Fleisch, nicht mehr. Gefäße für den Samen der Männer“; „Gibt dein Euter Milch? Du wartest wohl darauf, dass dich wieder jemand schwängert, du Hure?), von mutmaßlich pädophilen Gruppenvergewaltigungen: „Am frühen Abend hatten die Gastgeber, als Hors-d’œuvre (Vorspeise), ein junges Mädchen aus der Nachbarschaft strippen und dann vor unseren Augen vergewaltigen lassen. Auf der Straße wird sein Frauen-Ich von einem Afrikaner angesprochen: „Ihr habt sie blutig gefickt. Warum konntet ihr nicht Acht geben? Sie ist noch jung.

Normale Gedankenspiele also, mit denen man sich in der EU eben so die Zeit vertreibt. Weder „Spiegel“ noch „Standard“ noch ORF, NTV oder irgendein anderes Mainstream-Medium erwähnt diese mit Abstand abgründigste Komponente. Wohl aber, dass der Chef des Whistleblower-Portals einst die FPÖ in Strategiefragen beriet. Was sie damit jetzt, wo durch den Rücktritt Oberreiters die Richtigkeit der Enthüllungen sowieso bestätigt ist, überhaupt andeuten wollen, bleibt offen.

Oberreiter war über 30 Jahre lang im Auswärtigen Dienst tätig und Kabinettschef unter ÖVP-Kanzler Alexander Schallenberg, wie vorher auch schon unter der parteilosen ersten Kanzlerin Österreichs, Brigitte Bierlein. Aus den Metadaten der pornografischen Bilder, die er auf „The Night Mare“ hochlud, geht hervor, dass er die Seite von seinem Arbeitsplatz im Außenministerium aus betrieb. Dort war seine Tätigkeit schon lange ein offenes Geheimnis: Eine Mitarbeiterin, die weiterhin hochrangig dort arbeitet, verschaffte sich Zugang zu seinem Handy und fotografierte die sexuellen Inhalte seines Blogs aus der „Admin“-Perspektive. Laut „FOB“ wurden diese Fotos monatelang unter den Beamten herumgereicht, ob mit erpresserischem Hintergrund, ist unklar.

Dabei gelangten sie schließlich in die Hände eines Whistleblowers, der zunächst die Behörden darauf hinwies, dass der wohl wichtigste Diplomat Österreichs erstens vom Arbeitsplatz aus öffentlich perverse Fantasien am Rande der Legalität auslebte und zweitens aufgrund dessen mutmaßlich erpresserisch kompromittiert war, was dort jedoch niemanden interessierte. Auch ein zeitgleich kontaktiertes Mainstream-Medium verfolgte die Sache nicht weiter. Die Redakteurin antwortete, die Angelegenheit sei „Geschmackssache“ und habe „keinen politischen Konnex. Daraufhin ging er zu „FOB“.

Den drei dortigen Journalisten fiel auf, dass die E-Mail-Adresse seiner Fetisch-Identität „Caro“, mit der er den Blog betrieb, im Mai 2019 in einem Datenleck auf der Plattform „Canva“ aufgetaucht war, samt Zugangsdaten. Dieselben Zugangsdaten verwendete der Beamte auch für andere Konten wie einen Jetpack-Account. Acht Monate später kam es zu einem gravierenden Cyber-Angriff auf das österreichische Außenministerium, nach eigener Darstellung mutmaßlich seitens eines staatlichen Akteurs.

Was im Rahmen des Angriffs alles angezapft wurde, ist bis heute Verschlusssache. Mit der „FOB“-Recherche steht nun im Raum, dass die geleakten Zugangsdaten von Oberreiters „Caro“-Hotmail das Einfallstor gewesen sein könnten. Zudem: Er betrieb den Blog aus dem Außenministerium heraus – was für Seiten er auf seinem Dienstrechner so besucht, was für Material er heruntergeladen haben und wie Spyware-verseucht das Ding nach Jahren seiner Perversionen gewesen sein könnte, kann sich jeder selbst ausmalen. Der Mann ist übrigens Familienvater und sieht aus wie ein seriöser, ernster, grauhaariger Rechtsanwalt. Ein teurer. Der Gedanke, dass er von seinem beeindruckenden Eichentisch aus der Welt unter dem Pseudonym „Caro“ erzählt, wie gerne er seine geilen Fickeuter abgemolken bekommt, drängt sich einem nicht gerade auf.

Es ist nicht das erste Mal, dass die EU mit verstörenden, sexuell angehauchten Fantasien über Kinder in Erscheinung tritt. 2023 stellte das Europäische Parlament ein Bild der schwedischen Malerin Lena Cronqvist aus, das drei Kinder, eines von ihnen in Badehose, zeigte, die vor einem Fliesenhintergrund die „drei Affen“ nachahmen.

Andere ihrer Werke zeigen Folterszenen mit Kleinkindern: Größere Gestalten ersticken diese wahlweise in einem Glasgefäß oder schneiden ihnen Gliedmaßen ab, die sie anschließend kochen. Eine ältere Frau wäscht zwei nackte Kinder vor einer Fliesenwand, ein leicht bekleidetes Mädchen wird auf dem Schoß eines monsterartigen Schattenmanns im Anzug von diesem begrabscht, ein nacktes wiederum posiert vor zwei mächtigen Gorillas, die es anfassen möchten. Oberreiter, der damals Leiter der Sektion Europa und Wirtschaft im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten war, könnten die Kunstwerke gefallen haben.

ABOS

Bücher

SPIELE