Vergangenen Mittwochmorgen machte sich der 22-jährige Robert Westman, der seinen Namen mit 17 zu „Robin“ ändern ließ, schwer bewaffnet zu einem katholischen Schulgottesdienst in Minneapolis auf. Er verbarrikadierte zwei Türen von außen und begann, durch die Fenster auf die betenden Kinder zu feuern, wobei er einen Achtjährigen und eine Zehnjährige tödlich traf und 17 weitere verletzte, 14 davon Kinder, zwei lebensbedrohlich. Nach nur zwei Minuten schoss er sich auf dem Schulparkplatz selbst in den Kopf.
Kurz zuvor hatte er ein Video veröffentlicht, in dem er sein Waffenarsenal präsentierte, das er, wie es sich inzwischen eingebürgert hat, mit diversen weißen Schriftzügen und Symbolen verziert hatte. Die prägnantesten davon: „Tötet Donald Trump“ (sowie „Tötet Trump jetzt“), „Wo ist euer Gott?“ und „Denkt an die Kinder“, eine Veralberung konservativer Bedenken über den Einzug der Genderideologie an amerikanischen Schulen. Weitere Botschaften wiesen in eine ähnliche Richtung, etwa: „I’m the Woker – Why so queerious?“. Andere ließen das Bild diffuser werden und schienen nicht so recht zu der Wahl seiner Opfer – christlichen Kindern – zu passen: „Six million wasn’t enough“ und „Israel must fall“ veranlassten Tichy und Reichelt, eine antisemitische Motivation in den Vordergrund zu rücken. „Remove Kebab“, „Brenton 4 Life“ (gemeint wird der Christchurch-Terrorist gewesen sein) sowie „Fart Nigga“ wiederum erfreuten sich naturgegeben als Indizien für eine rassistische Motivation des Rampenlichts der Mainstreampresse.
Im selben Video präsentiert er auch zwei Manifeste. Eines in englischer Sprache, das sich vor allem an seine Familie richtet und die Motivation mit Verweisen auf „Amerikas Ungerechtigkeit“ im Vagen lässt, sowie ein weiteres in kyrillischer Schrift. In Ersterem gibt er an, aufgrund diffuser Schmerzen zu vermuten, unheilbar an Lungenkrebs erkrankt zu sein. Diese sich selbst vorgegaukelte Ausweglosigkeit scheint jedoch eher den Zweck gehabt zu haben, sich selbst psychologisch auszutricksen, denn jeder normale Mensch würde selbstredend zumindest mal einen Nachmittag aufwenden, um sich diese Vermutung auch ärztlich bestätigen zu lassen, bevor er sein Leben in einem Terroranschlag wegwirft.
Das kyrillische Manifest schildert seine Motivation immer noch leicht diffus, aber detaillierter:
„Ziele wie Kinder oder unschuldige Zivilisten werden mir am meisten bringen. Es sollte nicht so sein, weil meine Familie deshalb mehr zu leiden haben wird. Gottverdammt, wieso müssen diese Kinder nur ein politisch relevantes Ziel sein? [Anschläge auf] Ziele wie Musk, Trump oder Ölunternehmer würden immer noch Hass und Kritik schüren, worunter meine Familie leiden müsste, aber ich denke, mit mehr Herz. Und viele andere würden meine Taten als heroisch und notwendig für eine bessere, progressivere Gesellschaft bewerten. Ich will eine bessere Gesellschaft. Ich hasse Faschismus, ich hasse Ungleichheit.”
Mit einem Wort, das er auch schon auf seine Waffe gekritzelt hatte, also: woke. Nicht mit Tiefe, eher ein Abklatsch, der beim passiv berieselten Endkonsumenten amerikanischer Mainstreammedien hängen bleibt, aber definitiv extremistisch progressiv.
Wer den Fall online recherchiert, wird auf einige Linke stoßen, die behaupten, er sei gar nicht mehr transsexuell gewesen. Sie beziehen sich damit auf folgende Passage:
„Ich bin es leid, trans zu sein. Ich wünschte, ich hätte mich nie darein gehirngewaschen.”
Es gibt in der Incel-Szene einen Trend namens „Transmaxxing”. Vom Partnermarkt abgeschnittene junge Männer treffen die aus ihrer Sicht rational begründete Entscheidung, sich selbst eine Geschlechtsidentitätsstörung (oder auch den heute oftmals in dieselbe Kategorie gepackten Fetisch Autogynophilie, also sexuelle Erregung durch die Vorstellung, eine Frau zu sein) zu verpassen. Das erreichen sie durch den Konsum von Drogen, Hypnosevideos und entsprechender Pornografie. Das Kalkül dahinter: Als Angehörige einer Opfergruppe erhöhen sie ihren sozialen Stand, genau wie als feminine Jungs in der Schwulenszene ihren sexuellen Wert, maßgeblich. An anderer Stelle bekundet Westman, die Mädchen gehasst zu haben, die ihn immer ignoriert hätten.
„Ich will mich nicht die ganze Zeit mädchenhaft anziehen, aber manchmal gefällt es mir doch sehr. Ich weiß, dass ich keine Frau bin, aber ich identifiziere mich definitiv auch nicht als Mann. Ich fühle mich sexy und cute, aber mein Gesicht passt oft nicht dazu, wie ich mich fühle. Ich hasse mein Gesicht… Vielleicht mag ich deswegen Furries so sehr. Man kann sich einen neuen Körper und ein neues Gesicht aussuchen. Ich will die schwarze Gesichtsmaske auf Beyonces Körper sein, lmao.“
Was er hier beschreibt, ist keine Abkehr von der Trans-Ideologie, sondern Unbehagen damit, oftmals von der physischen Realität eingeholt und aus seiner Fantasie herausgerissen zu werden. Dadurch wurde es für ihn attraktiver, statt der Frauenrolle die des „Nichtgeschlechtlichen“ anzunehmen, welche durch ihre Nichtdefiniertheit weniger Spielraum für das Sichaufdrängen solcher Widersprüche lässt.
Den augenscheinlichen Widerspruch zwischen seiner ausführlich dargelegten progressiven Motivation und dem rassistischen Meme-Gekrakel auf seinen Waffen streift er in folgendem Absatz:
„Ich verübe den Anschlag definitiv nicht für Rassismus oder weiße Vorherrschaft. Während ich mich meistens nicht so gut fühle, wenn ich von People Of Color umgeben bin, gebe ich nicht genug einen Scheiß auf sie, um mich wegen ihnen umzubringen.“
Über Israel oder Juden verliert er in beiden Manifesten kein Wort.

